Nur was für Touris

Von Kate Rothwell

Niemand kann abstreiten, dass Irland ein kleines Land ist. Deswegen würde man vermuten, dass ich als jemand, der seit mehr als zwanzig Jahren in Irland lebt, wahrscheinlich alle bekannten Städte und schönen Sehenswürdigkeiten gesehen habe. Leider ist diese Vermutung nicht wahr. Ich habe Städte im Osten, Westen und Süden von Deutschland besucht, aber in Irland bin ich nicht sehr oft aus dem Südosten herausgekommen.  Klar, Freunde von mir aus Leipzig waren nie in Nordrhein-Westfalen und Freunde aus Düsseldorf sind nie im Sachsen gewesen – was sie immer schade fanden. Ich aber wohne nur drei Stunden mit einem billigen Bus von Galway, einer der beliebtesten Städte Irlands entfernt, und hatte sie nie besucht.

Also habe ich mich vor eine Woche endlich entschieden, nach Galway zu fahren. Ich habe die wunderbare Landschaft Westirlands ausländischen Reisenden immer empfohlen, selber aber nur einen Teil davon gesehen (Cliffs of Moher, die Sehenswürdigkeit Irlands überhaupt: abgehakt).  Vorher hatte ich nie einen spezifischen Grund, nach Westen zu fahren, aber dieses Jahr macht eine gute Freundin von mir ihren Master an der Universität Galway.  Also würde ich mit jemanden, der die Stadt kennt, meine Rundfahrt machen, und mich nicht so sehr wie eine Touristin fühlen, dachte ich, als ich in den Bus stieg. Nach einen paar Stunden schlafen schaute ich aus dem Fenster und sah grüne Felder mit Zäunen aus Stein. Ich fragte den Mann im Sitz vor mir, wie lang es noch dauern würde, bis wir in Galway City ankommen sollen, und er hat mir “umgefähr 20 Meilen” geantwortet. Aber unser Gespräch war noch nicht zu Ende. Er merkte sofort, dass ich keine ‘Galwegian’ war, und entschied sich dazu, mich erst einmal gründlich über die Gegend zu informieren. Er fängt also an, mich in seinem fast unverständlichen Akzent auf die Häuser irischer Berühmtheiten  hinzuweisen („Hier wohnt Ronan Keating!“), und zeigt mir verschiedene Gebäude und Sehenswürdigkeiten, die Bucht von Galway und so weiter. Ich konnte es einfach nicht mehr ignorieren: Ich war eine Touristin in einem anderen Land.

Bald danach war ich zu Hause bei meiner Freundin, und an diesem Abend machte ich meine erste Galway-Pub-Erfahrung. In einem der berühmtesten Pubs der Stadt: ‘Róisín Dubh’ (‘Schwarzes Röslein’ auf Irisch). Diese Kneipe ist als ein Verantstaltungsort für Konzerte und Shows bekannt, also sie stand ganz hoch auf meiner Sehenswürdigkeitenliste. Ihren Ruf hat sie sich verdient, aber natürlich haben wir nur andere ‘Touristen’ getroffen: aus Dublin, Mayo und, immerhin, aus Italien.

Am nächsten Tag machten wir eine Rundfahrt. Die enge Straßen, winzigen Geschäfte, kitschigen Cafés und ‘Tea Rooms’ sind alle selbstverständlich beliebt bei Touristen, und jetzt auch bei mir.. Das aufschlussreiche Stadtmuseum und der Hafen und haben mir auch sehr gut gefallen – ich verliebe mich eben schnell in neue Städte. Aber mit Galway war es nicht nur Liebe auf den ersten, sondern Liebe auf jeden Blick.

Die einzige Kehrseite dieser Liebe ist, dass es im Westen noch mehr regnet als in allen anderen Teilen unserer Insel. Unvorstellbar, ich weiß, aber wahr. Als ich mit dem Bus wieder nach Dublin fuhr, schien die Sonne hell. Sonnenschein in der Stadtmitte Galways hatte ich verpasst, aber ich weiß schon, was das heißt; im Sommer muss ich wieder in den Westen fahren!

Veröffentlicht unter: Kate Rothwell

Eine Antwort zu "Nur was für Touris"

  1. [...] Kate Rothwell hat vor kurzem zum ersten Mal den Westen Irlands gesehen. [...]

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