Nun auch Aufruhr in Marokko

Tunesien, Ägypten, Bahrain. Unruhen in Nordafrika sind derzeit an der Tagesordnung, und sie scheinen kein Ende zu nehmen. Im nordwestafrikanischen Königreich Marokko gehen die Menschen auf die Straße und protestieren. NochWeiter-Autorin (und Mändy-Zeichnerin) Ismene Laraki ist mittendrin und berichtet von ihren Beobachtungen.

UPDATE: 5 Tote bei Krawallen in der Nacht zum Montag im nordmarokkanischen Ort Al Hoceima (Frankfurter Rundschau)

Offiziell waren die für den Sonntag angekündigten Demonstrationen in der marokkanischen Hauptstadt Rabat und der Großstadt Casablanca abgesagt worden. Trotzdem hat sich am Mittag in Rabats Boulevard Mohammed V eine beachtliche Menschenmenge versammelt. Die Menschen tragen Schilder und Transparente, zu lesen ist

    “Wir wollen eine unabhängige Gesetzgebung“ oder
    “Marokko gehört dem Volk, und wir wollen eine Veränderung.“

Neben den Wünschen nach einer echten Demokratie und einem unabhängigen Parlament werden auch etlicher Minister in Frage gestellt. Die Menge schreit: “Al-hima sir fhalik, al-maghrib machi dyalek!” (was soviel heißt wie: Al-Hima, hau ab, Marokko gehört nicht dir). Gemeint ist Fouad Ali Al-Hima, Chef der PAM (partie d’authenticité et modernité, etwa Partei für Wahrhaftifkeit und Moderne), der eigentlich in der Oposition ist, jedoch als Rechte Hand des Königs gilt.

Neben der Marokkanischen Flagge werden auch Karrikaturen geschwungen, die aktuelle Preissteigerungen anprangern.

Groß und klein, jung und alt, Frauen, Männer und sogar Kinder sind dabei. „Muatin la yuhan bouazizi huwa lburhan” schreien sie, nun lauter. Das heißt: “Bürger werden gedemütigt, Bouazizi ist der beweis dafür.“ Mohamed Bouazizi, ein junger Tunesier, hatte sich am 4. Januar im tunesischen Ben Arous in Flammen gesteckt. Er entflammte damit die Demonstrationen in Tunesien, die anschließend Protestler im ganzen arabischen Raum inspirierten.

Wir dürfen gespannt sein, was in den nächsten Tagen passiert. Ismene wird uns aus Rabat auf dem Laufenden halten. Gefährlich scheint es bis jetzt noch nicht zu sein, sagt sie.

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Dirk interessiert sich hauptsächlich für Kriminalität, Wirtschaft, und auch Wirtschaftskriminalität, Infrastruktur und IT. Geboren und aufgewachsen in Schkeuditz, hat er sich quasi sein Leben lang mit Leipzig beschäftigt. Dirk studiert (noch) Journalistik und Psychologie.

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Eine Antwort zu "Nun auch Aufruhr in Marokko"

  1. Regine Hilt sagt:

    Vielen Dank für diese kurze und aufschlussreiche Information – weiter so! Hier steht etwas, nach dem ich schon lange suche: Endlich mal ein Bericht über die Demonstrationen und in Marokko. Ich weiß nicht, warum über dieses Land und seine Situation in Deutschland kaum geschrieben wird…

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