Die Vögel zwitschern, der Fahrtwind braust uns durchs Haar. Wir treten die Pedale unserer wackeligen Fahrrädchen über eine Landstraße. Links und rechts Wald, frische Luft, wenig Autos – Fahrrad fahren ist doch etwas Feines. Aber… irgendwas ist anders. Der Wald ist dicht, dunkel und dunkelgrün, mit Lianen und Termitenhügeln. Das ist Regenwald, kein deutscher Laub- und Mischwald. Hinzu mischt sich Zikadenlärm unter das Lied der Vögel. Die Luft ist eher feucht, staubig und schwer. Keine sanfte, frische und leicht parfümierte Brise. Ein Schlagloch holt mich aus meinen Gedanken.
Wir sind in Kambodscha, weit weg von Leipzig.
Ein Reisebericht von Franziska Gaube
Kambodscha liegt in Südostasien. Die Nachbarn sind Vietnam, Laos und Thailand. Der Thailändische Golf begrenzt das Land im Südwesten. Der Mekong fließt einmal quer durch Land. Der Zeitunterschied zu Deutschland liegt bei fünf Stunden in der Zukunft. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Khmer, auch die Amtssprache ist Khmer. Bezahlt wird in US-Dollar, die eigene Währung Riehl wird nur genutzt, wenn man etwas kauft, was keinen ganzen Dollar wert ist. Das Klima ist warm und feucht. Gegessen wird Reis mit was dazu oder Suppe mit Reis dazu.
Außer Reis hat Kambodscha nur den Tourismus zum Leben. Ein Pakt mit dem Teufel. Der Tourismus floriert und verändert die Menschen. Der gemeine Tourist soll kaufen, kleinen Kindern Dollars geben, kaufen, dem Tuk-Tuk Fahrer Dollar geben und kaufen, kaufen, kaufen. Die sonst auf Ausgeglichenheit bedachten, südostasiatischen Menschen stolpern hin und wieder über die eigenen Beine, für ein paar Dollar. Wie in Thailand hat der Sextourismus Hochkonjunktour – „Eh Sir, bum bum?“.
Auf den Dörfern, in die der Tourismus noch nicht vorgedrungen ist, eben weil er sich hauptsächlich auf Angkor beschränkt, merkt man davon hingegen nichts.
Wir sind in Siem Reap, einer Stadt im Norden, in der Nähe der Angkor Tempel. DIE Touristenstadt. Mit dem Radel sind wir grade unterwegs nach Angkor. Die Kambodschaner sind ausgemachte Radler. Autos gibt es wenig. Das Fahrrad teilt sich nur mit dem Moped Platz eins auf dem Fortbewegungsmitteltreppchen. Auf Fahrrädern kann man alles transportieren und auf dem Moped finden mindestens drei Menschen Platz. Ein Tourist auf einem Fahrrad ist noch ein recht seltener Anblick. Die Straßen sind von verhaltener Qualität. Aber wir kommen ja aus Leipzig.
Wir – eine Gruppe von zehn Leipzigern, die vom Jugendamt Leipzig ein Workcamp über einen Monat in Kambodscha macht. Wir sind hier, um in einer Schule, auf einem Dorf zu unterrichten. Die Schule wird von dem Verein „Hilfe für Kinder in Kambodscha e.V.“ getragen und arbeitet mit einem lokalen Verein, der „Life and Hope Organisation“ zusammen. Vormittags ist ‚normale’ Schule, die Lehrer sind vom Staat angestellt und nichts unterscheidet die Peak Sneng Junior High School von anderen staatlichen Schulen. Nachmittags zahlt „Hilfe für Kinder in Kambodscha e.V.“ die Lehrer – für Kunst-, Musikunterricht, Nähkurse, Englischintensivkurse usw.
Wir sind in den Ferien da, um noch mehr Englisch zu unterrichten, gepaart mit Ferienspielen, Kulturaustausch, noch mehr Englisch für die Lehrer und, und, und.
Fotos: Franziska Gaube





