Wie wär’s mit Käsebrot, Spätherbst und ein bisschen heiler Welt?

Die Vögel zwitschern, der Fahrtwind braust uns durchs Haar. Wir treten die Pedale unserer wackeligen Fahrrädchen über eine Landstraße. Links und rechts Wald, frische Luft, wenig Autos – Fahrrad fahren ist doch etwas Feines. Aber… irgendwas ist anders. Der Wald ist dicht, dunkel und dunkelgrün, mit Lianen und Termitenhügeln. Das ist Regenwald, kein deutscher Laub- und Mischwald. Hinzu mischt sich Zikadenlärm unter das Lied der Vögel. Die Luft ist eher feucht, staubig und schwer. Keine sanfte, frische und leicht parfümierte Brise. Ein Schlagloch holt mich aus meinen Gedanken.
Wir sind in Kambodscha, weit weg von Leipzig.

Ein Reisebericht von Franziska Gaube

Eine Brücke im Angkor Gelände
Eine Brücke im Angkor Gelände14-Aug-2011 08:14, Canon Canon EOS 350D DIGITAL, 22.0, 14.0mm, 0.125 sec, ISO 100

Kambodscha liegt in Südostasien. Die Nachbarn sind Vietnam, Laos und Thailand. Der Thailändische Golf begrenzt das Land im Südwesten. Der Mekong fließt einmal quer durch Land. Der Zeitunterschied zu Deutschland liegt bei fünf Stunden in der Zukunft. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Khmer, auch die Amtssprache ist Khmer. Bezahlt wird in US-Dollar, die eigene Währung Riehl wird nur genutzt, wenn man etwas kauft, was keinen ganzen Dollar wert ist. Das Klima ist warm und feucht. Gegessen wird Reis mit was dazu oder Suppe mit Reis dazu.

Die meisten Kambodschaner sind Theravada Buddhisten, ihr Ursprung liegt jedoch im Hinduismus.
Die meisten Kambodschaner sind Theravada Buddhisten, ihr Ursprung liegt jedoch im Hinduismus.14-Aug-2011 04:44, Canon Canon EOS 350D DIGITAL, 7.1, 14.0mm, 0.4 sec, ISO 100
Kambodscha ist ein schönes Land. Touristen, ein paar alternative Backpacker ausgenommen, kommen aber meist nur, um sich das Tempelgelände von Angkor anzusehen. Angkor ist eine Tempelstadt, entstanden am Anfang des vergangenen Jahrtausends, ehemaliges Zentrum der damaligen Hochkultur, seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe und mit einer Fläche von 400 Quadratkilometern größer als Leipzig. Für diese beeindruckende Sehenswürdigkeit überqueren vor allem Zentralasiaten, Amerikaner, Europäer und Australier für zwei bis drei Tage die Grenze von Thailand und gehen dann wieder dahin zurück.
Außer Reis hat Kambodscha nur den Tourismus zum Leben. Ein Pakt mit dem Teufel. Der Tourismus floriert und verändert die Menschen. Der gemeine Tourist soll kaufen, kleinen Kindern Dollars geben, kaufen, dem Tuk-Tuk Fahrer Dollar geben und kaufen, kaufen, kaufen. Die sonst auf Ausgeglichenheit bedachten, südostasiatischen Menschen stolpern hin und wieder über die eigenen Beine, für ein paar Dollar. Wie in Thailand hat der Sextourismus Hochkonjunktour – „Eh Sir, bum bum?“.
Auf den Dörfern, in die der Tourismus noch nicht vorgedrungen ist, eben weil er sich hauptsächlich auf Angkor beschränkt, merkt man davon hingegen nichts.

Wir sind in Siem Reap, einer Stadt im Norden, in der Nähe der Angkor Tempel. DIE Touristenstadt. Mit dem Radel sind wir grade unterwegs nach Angkor. Die Kambodschaner sind ausgemachte Radler. Autos gibt es wenig. Das Fahrrad teilt sich nur mit dem Moped Platz eins auf dem Fortbewegungsmitteltreppchen. Auf Fahrrädern kann man alles transportieren und auf dem Moped finden mindestens drei Menschen Platz. Ein Tourist auf einem Fahrrad ist noch ein recht seltener Anblick. Die Straßen sind von verhaltener Qualität. Aber wir kommen ja aus Leipzig.

Siem Reap bei Nacht
Siem Reap bei Nacht07-Aug-2011 12:57, Canon Canon EOS 350D DIGITAL, 6.3, 11.0mm, 0.6 sec, ISO 1600

Wir – eine Gruppe von zehn Leipzigern, die vom Jugendamt Leipzig ein Workcamp über einen Monat in Kambodscha macht. Wir sind hier, um in einer Schule, auf einem Dorf zu unterrichten. Die Schule wird von dem Verein „Hilfe für Kinder in Kambodscha e.V.“ getragen und arbeitet mit einem lokalen Verein, der „Life and Hope Organisation“ zusammen. Vormittags ist ‚normale’ Schule, die Lehrer sind vom Staat angestellt und nichts unterscheidet die Peak Sneng Junior High School von anderen staatlichen Schulen. Nachmittags zahlt „Hilfe für Kinder in Kambodscha e.V.“ die Lehrer – für Kunst-, Musikunterricht, Nähkurse, Englischintensivkurse usw.
Wir sind in den Ferien da, um noch mehr Englisch zu unterrichten, gepaart mit Ferienspielen, Kulturaustausch, noch mehr Englisch für die Lehrer und, und, und.

Fotos: Franziska Gaube

Ist 1990 geboren, studiert Ethnologie und Zentralasienwissenschaften an der Uni Leipzig und wird entweder erfolgreiche Journalistin oder macht einen Keksladen auf.

Veröffentlicht unter: Franziska Gaube, Weg, wegfeatured

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:
schokokandler


Selbstausgedacht und selbstgemacht – oder zumindest kreativ gekauft. Oft in wunderschönster Weise präsentiert und so lecker, dass man sich ...