(Deutsch) “Englisch Brot ist scheiße!”

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(… auf Englisch lesen) Es ist fast einen Monat her, seit ich Leipzig verlassen habe, um nach England zurückzukehren. Ihr werdet euch vielleicht fragen, was ich am meisten an dieser wundervollen Stadt vermisse. Sind es die wunderschönen Parks, welche sowohl im Schnee als auch in der Sonne atemberaubend sind? Sind es die wundervollen Menschen, die meinen Aufenthalt so angenehm machten? Sind es diese großartigen Kneipen, die gutes Bier zu günstigen Preisen verkaufen? Nein. Als Engländer schmerzt es mich, das zu sagen, aber was ich am meisten vermisse, ist das Brot.

Eine Kolumne von Pete Clubb. Übersetzt von Franziska Gaube.

Zuerst war ich sehr skeptisch, was deutsche Bäckereikunst angeht. Besonders weil jeder Deutsche stolz darauf ist. Meine Mutter hat mir immer beigebracht, nichts zu essen, was Fenster einschlagen kann, also waren diese steinharten Brote ein Schock für mich. Da ich keine Alternative hatte, schlug ich mir den Bauch mit unglaublich vielen Brotsorten voll. Gleichzeitig beschwerte ich mich bitterlich bei meinen deutschen Freunden. „Es ist, als würde man einen Stein essen“ sagte ich, „ich könnte ein Haus damit bauen!“ Ich konnte nicht verstehen warum es so schwer im Magen lag und so stopfend war, und warum man es in so vielen Geschmackssorten bekommen konnte. Und es gab ja so viele verschiedene! Ich habe sogar ein Brot gekauft, das aus Kartoffeln gemacht wurde…

In England ist das Brot einfach, hell und langweilig. Weil der Belag geschmackvoll und reichhaltig ist. Wenn jemand von euch schon mal Marmite gegessen hat, wird er wissen, was ich meine. Wenn ihr es noch nicht probiert habt, raus mit euch und ausprobieren… obwohl ich zugeben muss, dass kein Deutscher, dem ich es zu essen gab, wirklich beeindruckt davon war. In Leipzig war ich sehr stolz darauf, dass die Engländer das Sandwich erfunden haben. Wir wissen einfach am besten, wie man ein wirklich gutes Sandwich macht: langweiliges Brot, großartiger Belag. Die ganze Zeit redete ich mir ein, dass unsere Art, Brot zu essen, die beste ist und ihr Deutschen einfach keine Ahnung habt. Solange, bis ich nach Hause kam.

Mein erstes englisches Brot kaufte ich vor ein paar Wochen. Blöderweise hatte ich in der Einkaufstüte zwei Liter Milch darauf gestapelt. Im Laden hatte es die Form eines großen Mauersteins. Zu Hause sah es eher aus wie einer dieser Steine, die flach genug sind, um sie übers Wasser springen zu lassen. Ich kostete es. Es war, in einem Wort: grauenvoll. Ich hatte nicht genug Belag drauf und musste viel Brot ohne irgendwas essen. Ich konnte es kaum ertragen. Es schmeckte nach überhaupt nichts, war trocken und matschig. Es folgte eine plötzliche Offenbarung: Nur weil der Belag lecker ist, ist das keine Entschuldigung für ein Brot, langweilig sein. Ich erinnerte mich an meine Sandwiches mit Marmite auf deutschem Brot. Die waren perfekt! Ein wunderbar leckeres Brot mit einem magisch leckeren Belag. Das machte sie zu den Besten unter den besten Sandwiches.

Jetzt habe ich ein großes Problem. Hier gibt es keine deutschen Bäckereien und nun wache ich nachts auf, weil ich von deutschem Brot träume. Alles was ich habe, ist dieses grauenvolle Zeug, und es essen zu müssen, erfüllt mich mit Entsetzen. Ich habe schon alle verschiedenen Brotsorten ausprobiert. Alle haben dasselbe Problem. Was soll ich nur machen?

Ihr Einwohner Leipzigs, ich bitte euch, nach England zu kommen und uns beizubringen, wie man Brot bäckt. Zuerst werdet ihr auf Widerstand stoßen, weil unsere Art und Weise, ein Sandwich zu machen, tief verwurzelt ist. Aber lasst nicht locker! Wir brauchen eure Bäckereien! Wenn ihr das nicht für mich tut, bin ich dazu verdammt, mein ganzes Leben lang Sandwiches zu essen, die mich in keiner Weise glücklich machen, egal wie gut der Belag ist.

Veröffentlicht unter: Franziska Gaube, Peter Clubb · Etiketten: , , , ,

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