(Deutsch) Out of London: Is kein Witz.

IMG_0520

Winterzeit Foto: Franziska Gaube

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, war Leipzig letzte Woche mit einer Schneeschicht bedeckt. Ich habe es natürlich bemerkt. Als Engländer bin ich überhaupt nicht an kaltes Wetter gewöhnt, zumindest nicht an so was.

Gedanken von Peter Clubb. Übersetzung Franziska Gaube.

Als ich im Sommer nach Leipzig kam, frisch aus London, war die Stadt in wundervolles Licht gebadet. Bei Temperaturen, die meiner Seele gut taten und meinen Körper entspannten. Damals hätte ich mir diesen Schnee, dieses Eis und diese bittere Kälte nicht vorstellen können. Sie erwischte mich auf dem falschen Fuß. Solches Wetter hatte ich bisher nur im Fernseher gesehen. Ich wollte es dennoch erleben.
Eigentlich kam ich für die Sommerferien nach Leipzig, aber irgendwie blieb ich länger. Meine Garderobe, kurze Hosen, bunte T-Shirts, war der Anforderung, mich warm zu halten, nicht gewachsen. Ich brauchte eine Stunde, um mich anzuziehen.
(Ja, man kann acht Hosen tragen, nur falls ihr euch das irgendwann mal gefragt habt).
Alles was ich hatte, trug ich am Leib, als ich mich nach draußen wagte, um den Schneesturm zu erleben.

Ich erinnere mich an London, im letzen Jahr, als ein Fuß Schnee (15 cm für euch Kontinentler) von irgendwo kam und auf den Straßen liegen blieb. Die Leute reagierten panisch. Sie hatten vorher nie soviel Schnee gesehen. Alle waren sich einig: Den Tag verbringen wir im Bett! Die, die versuchten auf Arbeit zu kommen, fanden schnell heraus, dass es unmöglich war. Die Londoner U-Bahn funktionierte als erstes nicht mehr. Unterirdisch schneit es natürlich nicht, es ist immer noch ein Rätsel wie es dazu kam. Dann entschieden die Busse und die Bahnen, dass sie nicht mehr fahren würden. Um zur Arbeit zu kommen, hätte ich den Bus, die U-Bahn und einen Zug gebraucht… keine Chance, irgendwo hinzukommen.
Ich erinnere mich, dass ich für eine Schneeballschlacht nach draußen ging. Da sah ich ein Mädchen, welches heldenhaft zur Arbeit lief. Ich fragte sie, wie weit sie es hatte… 5 Meilen. Ich glaube, sie ist wahrscheinlich irgendwo in der Nähe vom Hyde Park erfroren.
Ich habe auch Leute gesehen, die versuchten, auf den ungeräumten Straßen zu fahren (das Salz war bereits nach fünf Minuten alle). Sie fuhren ineinander und durcheinander, wie beim Autoscooter.
Das war unglaublich – wenn ein Krieg ausbrechen würde, könnte es kaum schlimmer kommen als damals. Sollten Terroristen London ins Chaos stürzen wollen: Eine Schneekanone ist bestimmt effektiver als eine Bombe.

Eigentlich dachte ich, als dieses arktische Wetter begann, Leipzig würde einen ebensolchen Kollaps erleben. Ich lag falsch. Man erzählte mir zwar, dass Sraßenbahnen ausfielen. Ich habe davon aber nichts gesehen. Außerdem waren es nur ein paar Stunden, wenn es denn wirklich passierte. Was ich sah: Die Leute fuhren durch die Stadt, als wäre nichts gewesen, ohne Autoskooter zu spielen. Sie gingen mit ihren Hunden Gassi, ganz normal. Die Zulieferer belieferten die Läden mit ihren Waren, als würde nicht gerade die Welt untergehen. Das einzig Ungewöhnliche war die leicht erhöhte Zahl der Menschen, die mit Skiern unterwegs war.

Dann geschah etwas Seltsames. Mich machte es sprachlos, wie die Stadt es schaffte, dass der Schnee keinen spürbaren Effekt hatte. Und dennoch begannen die Menschen sich zu beschweren, wie schlecht alles organisiert war. „Die Straßenbahnen fuhren für wenige Stunden nicht“, „Die Straßen sind nicht sofort beräumt wurden“, etc. etc. Ehrlich, als Londoner kann ich euch versichern, eure Stadt macht das sehr gut mit dem Schnee… Ich weiß wirklich nicht, wie ihr das hinbekommt.

Letzte Woche schrieb ich meiner Mutter eine E-Mail, um sie wissen zu lassen, dass ich in einem Freiraum-Kühlschrank lebte. Sie antwortete sofort – sie war nicht auf Arbeit. Ein halber Zoll (3 cm) Schnee war in der Nacht zuvor gefallen. Die Straßen zu ihrer Arbeit waren blockiert, Bus und Bahnen fuhren nicht. Sie hatte keine Möglichkeit das Haus zu verlassen. Natürlich war das Salz für die Straßen bereits alle… schon wieder. Nach der Katastrophe letztes Jahr wurde eine öffentliche Untersuchung durchgeführt, um einen Weg zu finden, besser mit so etwas umzugehen. Natürlich hatte es nicht geholfen. Wenn ich nach Hause komme, werde ich der Regierung schreiben und ihnen sagen, wenn sie lernen wollen, wie sie ihr Land durch den Winter bringen, dann wäre es keine schlechte Idee, ein bisschen Zeit in Leipzig zu verbringen.

Veröffentlicht unter: Franziska Gaube, Peter Clubb · Etiketten: , ,

3 Antworten zu "(Deutsch) Out of London: Is kein Witz."

  1. [...] Foto: Franziska Gaube (Jetzt auch auf Deutsch) As you may have noticed, Leipzig was covered in a layer of snow last week. I certainly noticed. [...]

  2. Marianne Hecht sagt:

    Eine kurzweilige und unterhaltsame Kurzgeschichte – so richtig zum Schmunzeln.

  3. Ronja sagt:

    Das ist ein wundervoller Text. Ich kann nicht glauben, dass ich ihn jetzt erst gelesen habe! :)

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


(Auf Deutsch lesen) As you may have noticed, Leipzig was covered in a layer of snow last week. I certainly ...