La fête de la musique in Paris? Nie wieder.

La fête de la musique ist ein französisches Fest, das am 21. Juni die Musik zelebrieren soll. Das Fest wurde 1983 vor unserem damaligen Kulturminister erfunden, und ist seitdem sehr beliebt. Jede Band darf auf der Strasse spielen. Die Musik ist überall und kostenlos… Und das ist genau das Problem.

Von Ariana Kujawski

Fotos: Franziska Gaube

Jedes Jahr ist das Programm dick wie ein Telefonbuch. Hip-Hop, Salsa, Rock, Jazz, klassische Musik, in Paris findet man alles was man braucht, bekannte Musiker sowie Teenagers die auf dem Trottoir zum ersten Mal spielen. Die Stadt wird zu einem riesigen Open-Air Konzert. An dem Tag sind alle Konzerte kostenlos. Ein Traum ? Bestimmt. Aber nicht in Paris. Seit ein paar Jahren höre ich Freunde und Bekannte, die jedes Jahr das gleiche sagen : « La fête de la musique ? Nie wieder ! » Ach, wie snobistisch sind diese Pariser, habe ich manchmal gedacht. Bis ich selber entschlossen habe, das Fest zu boykottieren.

Stellen Sie sich mal vor, seit Wochen haben Sie geplant, mit zwei Freunden das Fest zu genießen. Erstes Problem: Ihre beste Freundin möchte zu diesem langweiligen R&B Konzert, während Ihr bester Freund zum Punk-Abend will. Sie selber haben weder Lust auf R&B, noch auf Punk. Sie haben von diesem kleinen gemütlichen Jazz-Abend in einer Kneipe gehört… Aber es gibt nur ein Fête de la musique pro Jahr. Na gut, man möchte nicht mit Freunden streiten, Also machen wir alles.

Da die drei Konzerte in drei verschiedenen Vierteln von Paris stattfinden, verbringen Sie die ganze Zeit in den übergefüllten Verkehrsmitteln. Wenn Sie endlich vor Ort sind, ist die Menge so riesig, dass Sie nach drei Minuten die zwei Freunde verloren haben. Typisch. Mensch, wo sind sie denn? Und was spüre ich auf meiner Schulter… Ach, Regen. Theoretisch fängt der Sommer am 21. Juni an… Theoretisch.

Nach einer Stunde sitzen Sie wieder im Bus. Die beste Freundin ist genervt, weil Sie schnell gehen wollten um das Ende des Punkkonzerts nicht zu verpassen. Aber bald ist es zu spät. « Das ist aber nicht meine Schuld, wenn wir nicht in die Metro rein kommen. Sie ist zu voll ! » sagen Sie während der gemütliche Jazz Abend langsam aus ihrem Kopf verschwindet. Sie kommen endlich an, aber das Punkkonzert ist schon vorbei. Auf dem Platz singt jetzt ein Chor, und es regnet weiter. Ein betrunkener Mann übergibt sich. Der beste Freund seufzt und trinkt ein Schluck Bier. Sie möchten definitiv nach Hause.

Problem ist, dass viele Pariser den gleichen Plan haben. Sie sind müde, und müssen 20 Minuten warten, um endlich in eine Metro reinkommen zu können. Der Weg ist lang, die Metro voll. Ihre Freunde meckern, Sie sind nass und müssen feststellen: Sie haben nichts vom Fête de la musique mitbekommen.

Dann liegen Sie endlich im Bett. Sie hören den Regen draußen und versprechen sich, dass nächste Fete de la musique zu Hause zu verbringen. Mit lauter Musik, die aber nur durch Ihre Kopfhörer kommt. La fête de la musique in Paris? Nie wieder.

Veröffentlicht unter: Ariane Kujawski, Notizen aus Groß-Paris, Weg, wegfeatured

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