Neuseeland im Schleudergang

So sah die Kirche in Christchurch vor zwei Wochen aus, heute ist sie völlig zerstört. 160 Menschen sind beim Erdbeben in der zweitgrößten Stadt Neuseelands am 22. Februar gestorben. 150 Millionen Euro  Schadensbelastung sind es für den Rückversicherer Hannover Rück in Deutschland. 359 Kilometer trennen die Leipziger Studentin Alina Reichardt im neuseeländischen Dunedin von Christchurch. Trotzdem hat sie das Erdbeben zu spüren bekommen, wortwörtlich. Im Gespräch mit nochWeiter.de blickt sie auf die vergangenen zwei Wochen zurück.

06022011330 Foto: Alina Reichardt

Wie hast du das Erdbeben erlebt?

Mein Bett hat auf einmal angefangen zu wackeln und die Blätter meiner Pflanze haben gezittert. Ich hab zuerst gedacht, die Waschmaschine wäre im Schleudergang, da hab ich gesehen, dass die  Bäume draußen auch wackeln. Es war nur ganz leicht spürbar und war eigentlich ein lustiges Gefühl. Dass es ein Erdbeben war, habe ich erst richtig begriffen, als eine Freundin mich anrief und gefragt hat, ob ich es auch gespürt hätte. Wenn man so etwas noch nie erlebt hat, kommt einem der Gedanke gar nicht.

Wenige Tage vor dem Erdbeben warst du selber noch in Christchurch. Was hast du gedacht, als du die Bilder von den zerstörten Gebäuden gesehen hast?

Ich habe vor zwei Wochen noch Bilder von der Kathedrale gemacht und bin durch die Innenstadt von Christchurch gewandert. Als ich die zerstörten Gebäude in den Nachrichten gesehen habe, erkannte ich viele Plätze wieder, an denen ich vor kurzem noch gestanden hatte. Dadurch habe ich mich dem ganzen Geschehen viel näher gefühlt und war wirklich betroffen von den vielen Todesmeldungen.

In den Tagen danach sind etliche Helfer in die Stadt gefahren, um Verschüttete zu bergen. Du wolltest selber auch hinfahren, hast dich aber letztendlich dagegen entschieden. Warum?

Nach nur einem Tag sind so viele Helfer in die Stadt gekommen, dass kein Platz mehr vorhanden war. Die Gefängnisse wurden geräumt, um die zusätzlichen Helfer unterzubringen, die Gefangenen wurden nach Auckland und Dunedin gebracht. Viele Hotels und Hostels wurden zerstört und jeder vorhandene Platz wurde für die Verletzten benötigt.

Freunde von dir waren in Christchurch. Was haben sie dir erzählt?

Eine Freundin von mir, mit der ich noch vor drei Wochen gereist bin, musste nach Christchurch, um von dort zurück nach Deutschland zu fliegen. Das Hostel, das sie gebucht hatte, stand noch. Aber weder Toilette noch Dusche oder Trinkwasser waren nutzbar. Wasser wurde in Eimern transportiert und musste abgekocht werden. Als Toilette musste ein Loch im Garten herhalten. Duschen oder Kleidung waschen waren schlicht und einfach nicht möglich.

Inzwischen haben die Bergungsteams die Suche nach Überlebenden aufgegeben. Wie hat das Land darauf reagiert?

Es war eine statistische Entscheidung, die Suche nach Überlebenden aufzugeben, da lange Zeit nur Tote gefunden wurden und zum jetzigen Zeitpunkt praktisch keine Überlebenschance mehr besteht. Aber die Menschen hier helfen trotzdem weiter. Auch an meiner Uni sammeln die Leute nach jedem Konzert und auf jeder Party Spenden und packen Lunchpakete. In der letzten Woche wurden bei einer freiwilligen Aktion 15.000 Pakete gepackt.

Dass es eine riesige Katastrophe war, ist allen klar. Was wird sich jetzt ändern, was können die Neuseeländer tun?

In Neuseeland wird sich vermutlich nichts ändern. Auch in anderen Teilen des Landes gibt er starke Erdbeben. Man kann vorher nicht wissen, wo genau die schlimmsten Schäden entstehen. Wenn man in diesem Land lebt, lebt man damit.

+++ 7. März 2010, 10:50 Uhr: Mehr als 10.000 Häuser sollen nach dem Erdbeben in Christchurch nicht mehr aufgebaut werden. Wie der englische Guardian schreibt, sind laut Premierminister John Key einige Teile des Erdbodens unter der Stadt nicht mehr fest genug, um wieder darauf zu bauen. Etwa 10.000 Häuser sollen deshalb abgerissen werden.

Dorothea Hecht lacht, wohnt, arbeitet, isst und ist gerne in Leipzig. Manchmal verlässt sie Leipzig, kommt aber immer wieder gerne zurück. Sie hat Journalistik an der Uni Leipzig studiert und dürfte sich somit ein "Dipl-Journ." vor den Namen setzen. Mag und macht sie aber nicht.

Veröffentlicht unter: Alina Reichardt, Dorothea Hecht, Neuseeland, Weg

2 Antworten zu "Neuseeland im Schleudergang"

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