Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl

Schwerer Vorwurf

Zwei Mitarbeiter der Bank UBS hätten bewusst dabei geholfen, die kommunalen Wasserwerke (KWL) zu schädigen – das behauptet ein am Mittwoch präsentiertes Papier, mit dem die KWL-Anwälte eine Verlegung des Rechtsstreits von London nach Leipzig erreichen wollen. Die Argumentationslinie: Die beiden für die KWL tätigen Anlageberater, die die Geschäfte vermittelt hatten, haben bereits eingeräumt, den damaligen KWL-Geschäftsführer bestochen zu haben. Nun sollen zwei UBS-Mitarbeiter als sogenanntes „Deal-Team“ das Geschäft zum Schaden der KWL mit den beiden Beratern geplant haben – im Juristendeutsch: Banker und Berater haben in „kollusivem Zusammenwirken gehandelt“. Die UBS und andere an dem Geschäft beteiligte Banken fordern bis zu 300 Millionen Euro von den KWL, für die die Kommune geradestehen müsste.

Gesunder Ehrgeiz

Ab dem 1. Januar 2011 hat Leipzig, wenn es nach dem Willen der Stadtverwaltung geht, etwas mit Berlin, Hamburg und Greifswald gemeinsam: Wenn der Stadtrat zustimmt, wird Leipzig dann zum „Netzwerk Gesunde Städte“ gehören. Das Etikett klingt gut, ist aber inhaltlich ziemlich leer. Nach dem „Mindeststandard“, auf den sich die teilnehmenden Kommunen geeinigt haben, bekommt Leipzig nicht viel mehr als eine neue Planstelle: Die des Gesundheitsbeauftragten, der zukünftig alle Planungsvorhaben auf den Schreibtisch bekommen muss – ohne allerdings mit entscheiden zu dürfen. Leitbild: Den Stadtbewohnern soll „ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit“ ermöglicht werden. Wenn damit gemeint ist, dass die Leipziger nun auch ungestraft ungesund leben dürfen: Vielleicht wird ja das Rauchen in öffentlichen Gebäuden wieder erlaubt?

Neuer Wirkungskreis

Der Flughafen Leipzig/Halle schreibt Verluste, das Passagieraufkommen stagniert seit Jahren bei rund 2,5 Millionen. Den Weg aus der Dauerkrise soll nun ein Erlebnispark ebnen: Mit Popcorn, Flughafenführungen und 3-D-Kino will die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) bis zu 500.000 Besucher an den Flughafen holen, die gar nicht erst ans Abheben denken – sondern gleich am Boden unterhalten werden wollen. Das bringt mehr Pro-Kopf-Umsatz als Billigflüge – und macht zugleich Reklame für das Verkehrsmittel Flugzeug und die Destination Leipzig. Das wird umso wichtiger, seit mit Magdeburg/Cochstedt ein weiterer Startplatz in der Region um Ferienflieger konkurriert. Für den Erlebnispark sucht die MFAG noch einen Partner, Pläne für einen Baubeginn gibt es noch nicht.

Offenes Hotel

Beim letzten „Tag des offenen Denkmals“ standen viele Leipziger lang Schlange, um das Gebäude von innen sehen zu dürfen: Das Hotel de Pologne in der Hainstraße. Ab kommender Woche ist es wieder offen: Im Rahmen der diesjährigen Ausgabe der „Designers’ Open“ zeigen dort Gestalter aus aller Welt ihre Arbeiten – Industriedesign, Illustration, Kleidung oder Möbel. Dazu finden Workshops und Vorträge für die Kreativbranche statt. Messeauftakt am Freitag (29.10.) ist eine Party mit holländischem House im „Kretschmann’s Hof“ (Katharinenstraße).

Veröffentlicht unter: Johannes Kiehl, Redaktion

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