Dienstag, 4. Oktober

Da ist er wieder, der letzte schöne Herbsttag, der vielleicht gar nicht der letzte ist. Zumindest ist es der erste Tag für die neuen Studenten an der Uni Leipzig. 4. Oktober, Einführungstag. Sie gucken mit großen Augen auf den Trubel, finden das Hörsaalgebäude auch nach fünf Mal fragen nicht und wühlen erstaunt durch ihre Ersti-Tüte, in der sich auch nach drei Mal Umkippen nichts findet außer drei Infohefte, die natürlich unbeachtet im Müll landen.
In etwa zwei Wochen werden sie verzweifelt nach genau diesen Heften suchen, wenn sie den Campus Jahnallee nicht finden, auf dem doch die drei Sportkurse stattfinden, zu denen sie eigentlich gar nicht angemeldet sind, es aber hochmotiviert “mal probieren” wollen.
In vier Wochen haben sie diversen Flyern folgend drei bis sieben Nächte auf zwielichtigen Partys hinter sich und lauschen halb wach, halb schlafend, aber definitiv schuldbewusst dem StuRa-Mitglied, das in der Politik-Vorlesung halb leidenschaftlich, halb desillusioniert, aber definitiv politisch korrekt für mitmachende Studierende wirbt.
In acht Wochen bleiben sie zum ersten Mal bis nachts um 3 in der Campus-Bibliothek, werkeln emsig an einem Referat und sind am nächsten Morgen so froh, dass es vorbei ist, dass sie zum ersten Mal seit acht Wochen auf “All you can dance” in der MB verzichten müssen, weil sie “einfach mal wieder schlafen” müssen.
Spätestens an Weihnachten brechen sie unterm Tannenbaum zusammen, eröffnen ihren Eltern, dass sie gar nicht wissen, wie sie dieses Studium eigentlich schaffen sollen, weil es so unglaublich viel Arbeit ist, soviel Druck von allen Seiten kommt und überhaupt und sowieso müssten sie das Leben doch auch genießen und woher sollen sie denn wissen, ob dieses absurd aufwändige Studium eigentlich das Richtige für sie ist.
Dann, liebe Erstis, seid ihr fast angekommen. Noch sechs Wochen durchhalten bis zu den Semesterferien (die paar Prüfungen und Hausarbeiten schafft ihr so locker wie 100 Seiten Kant in 30 Minuten), acht Wochen Winterschlaf halten und schon seid ihr im Sommersemester. Was daran besser ist? Ihr werdet schon sehen…

Dorothea Hecht lacht, wohnt, arbeitet, isst und ist gerne in Leipzig. Manchmal verlässt sie Leipzig, kommt aber immer wieder gerne zurück. Sie hat Journalistik an der Uni Leipzig studiert und dürfte sich somit ein "Dipl-Journ." vor den Namen setzen. Mag und macht sie aber nicht.

Veröffentlicht unter: Update

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