Kirchliche Alphabetisierung übers Radio (Teil I)

Über christlichen Glauben reden und dann auch noch so, dass es interessant und vor allem verständlich ist. Nicht einfach. Schon gar nicht, wenn christliches Publikum rar ist. Friederike Ursprung tut und schafft es trotzdem – jeden Tag übers Radio. Die Kirchen-Redakteurin über ihre Arbeit als Journalistin, ihren persönlichen Glauben und die Verbindung von beidem.

Von Claudia Laßlop

Anfang April fand in Dresden die 26. Evangelisch-lutherische Landessynode Sachsens statt, Thema war „Sprachfähigkeit im Glauben“. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie man Glauben kommuniziert.
Das bezog sich nicht nur auf Journalismus, sondern auch darauf, wie Kirche mit Leuten über Glauben redet, die mehrheitlich wenig davon wissen. Welche Formen sind in der Gemeindearbeit, in der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit über die Gemeinde hinaus wichtig. Wie erreichen wir überhaupt Leute?

_4164472

Kirchenredakteurin Friederike Ursprung möchte nicht missionieren, sondern Glauben in Gespräch bringen. Foto: Ute König

Wie gehst Du unter dieser Voraussetzung an Deine Arbeit?
Es ist zum einen Teil Radiohandwerk, etwas verständlich zu erklären. Zum anderen Teil ist es theologisches Handwerk – einfach zu bleiben, nichts an Wissen voraus zu setzen. Ich lege im Sender auch schon mal einen fertigen Text einem Kollegen hin und frage: Kannst du dem folgen? Ist das plausibel? Ich kann ja gar nicht den Anspruch haben, jeden zu überzeugen, aber ist zumindest nachvollziehbar, was ich sagen will? Das funktioniert meistens ganz gut.

Und wie persönlich kannst Du dabei sein?
Die Beiträge wie „Augenblick mal“ bei PSR oder die „Tankstelle“ bei R.SA sind als Verkündigung definiert und haben einen klaren Absender, so dass deutlich ist, das ist kirchliche Öffentlichkeitsarbeit. Wir sprechen als Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, das ist also kein ganz objektiver Journalismus. Im Magazin am Sonntagabend ist dann vielleicht auch mal Platz für kirchenkritische Sachen, aber auch das ist deutlich gekennzeichnet als Sendung der Kirchen in Sachsen.

Welchen Anspruch hast Du an Deine Arbeit als Kirchenredakteurin?
Ich kann nicht mit dem Anspruch rangehen, Taufen und Kirchensteuerzahler zu generieren. Der Anspruch ist, Glauben überhaupt ins Gespräch zu bringen, bei denen, die mehrheitlich von kirchlichen Angeboten nicht erreicht werden. Deutlich machen, worum es geht, eine kirchliche Alphabetisierung: Warum feiern wir dieses und jenes, was bedeutet Sünde, Gnade, Amen, A und O, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen und ähnliche biblische Redewendungen. Bei aktuellen Ereignissen – unter welchem Blickwinkel kann man das noch sehen? Was ist da im Juni beim Kirchentag in Dresden los? Was kann kirchliche Sozialarbeit beispielsweise für Hartz IV-Familien tun? Inhaltlich und formal kann das ganz unterschiedlich sein.

Das klingt alles auch ein Stück weit nach einer Erklärung dessen, was unseren Alltag ausmacht.
Es geht tatsächlich um Wissens- und Wertevermittlung, vielleicht auch christliches Infotainment im besten Sinne, um das Angebot einer Blickwinkels. Ein Begriff wie Missionierung kann leicht in den falschen Hals geraten. Aber im besten Sinne – wie es in der Bibel auch verstanden wird: „Gebt das weiter, wir haben eine tolle Botschaft und die soll möglichst viele erreichen“ – in dem Sinne hat es natürlich auch etwas mit Missionierung zu tun. Es geht darum, eine Botschaft bekannt zu machen und anzubieten.

_4164474

Friederike Ursprung. Foto: Ute König


Welchen Rahmen hat diese Botschaft in der Radioarbeit?

Für den Privatfunk in Sachsen gibt es einen Paragrafen, dass die Kirchen Sendezeit beantragen dürfen. Beim Sendestart von Radio PSR wurde eine schriftliche Vereinbarung über Sendeplätze, Personal und Kosten getroffen. Mein katholischer Kollege Daniel Heinze und ich sind jeweils bei kirchlichen Trägern angestellt, aber unsere Schreibtische stehen im Radiozentrum – das hat logistisch den Vorteil, dass die Kirche keine Agentur mit Technik einrichten muss. Und wir erleben es als Vorteil, mitten drin zu sein, nicht als die christlichen Exoten von außen dazu zu kommen und in diesem ganz säkularen Umfeld Teil des Teams zu sein. Wir sitzen außerdem in Nachbarbüros, können uns schnell abstimmen und das erleichtert die Zusammenarbeit. Dazu kommt, dass wir beide uns auch persönlich sehr gut verstehen. Es gibt natürlich Diskussionen, bei denen wir an den Punkt kommen, unterschiedliche Auffassungen zu haben – evangelisch, katholisch – aber das dauert.

Welcher Punkt wäre das zum Beispiel?
Da sind wir ja schon fast bei den Unterschieden zwischen Evangelisch und Katholisch. Es geht tatsächlich um das Verständnis des Priesteramtes. Ist da tatsächlich jemand, dem bei der Priesterweihe ein direkter Draht zu Gott geschaltet wurde? Die katholische Auffassung beinhaltet, dass sich von Jesus über Petrus, alle Päpste und dann alle Bischöfe und so weiter eine lückenlose Kette von Hand-Auflegen besteht, alle auf ein Etwas berufen, das von Jesus in dieser Kette weiter gegeben wurde. Dadurch erklärt sich die Konzentration der katholischen Kirche auf den Papst als Nachfolger Christi auf Erden. Luther und die reformierten Kirchen nach ihm sahen in der Bibel dagegen nicht, dass jemand als Priester von Gott ein besonderes, unwiderrufliches Merkmal bekommen hätte. Sondern – ein evangelischer Pfarrer hat Theologie studiert und wird beauftragt, Sakramente weiter zu geben und zu predigen, aber ihm wurde kein direkter Draht zu Gott geschaltet. Luther spricht vom Priestertum aller Gläubigen. Jeder bekennende Christ ist berufen, das Wort Gottes weiter zu geben. Die Autorität – um nochmal Luther zu zitieren – ist die Bibel. An diesem Punkt trennt uns etwas.

Wie empfindest du es als Christin, wenn Journalisten über Kirche schreiben – die Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, auch wenn man nicht daran glaubt?
Viele, die über Kirche schreiben, wissen wovon sie schreiben. Aber manchmal lese ich auch Beiträge, bei denen ich denke „Man hätte mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt“. Wo ich den Eindruck habe, dass das von nicht allzu großer Sachkenntnis geprägt ist. Und wenn es um die Frage geht, ob Kirche überhaupt genug vorkommt, gerade in Leipzig, dann passt das schon.

Fortsetzung folgt…

Geboren 1981. Diplomjournalistik und Germanistik in Leipzig studiert. Heute frei schreibend und auch sonst gern am Texten.

Veröffentlicht unter: Claudia Laßlop, Gespräche · Etiketten: , ,

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:
hempel


Jens Hempel, 27, wird unter der Woche bald die meiste Zeit als Lehrer an einer Grundschule verbringen. Am Wochenende und ...