Sadbhuja im Interview

Ein Interview mit Sadbuhja, Mönch der Hare Krishna Bewegung. Alt, ist er schon ewig. Sein Körper ist 34. Früher hat er studiert. Jetzt ist der hauptberuflich, ehrenamtlich Mönch. Er erzählt uns, woran und an was er glaubt.

Das Interview führte Franziska Gaube.

Woran glaubst du?

Generell fällt Krishna Bewusstsein oft ziemlich aus dem Rahmen, wenn es um Religionen geht. Bei uns geht es nicht so sehr um Glauben, eher um Erkenntnis. Dennoch gibt es einen Gott. Für uns ist Gott aber nicht ein frustrierter alter Mann mit Bart, sondern ein ewiger Jüngling voller Liebe und Hingabe, die anziehendste Person überhaupt. Der andere Aspekt von Gott ist Energie. Alles besteht aus Energie.

Der letzte Aspekt: Gott ist als Überseele in den Herzen jedes Menschen, selbst in jedem Atom.

Gott offenbart sich dem Menschen, wie sie es möchten. Materialistisch geprägten Menschen offenbart sich Gott als Geld. Er hat viele Namen. Buddha, Allah, Jahwe. Je nachdem, welche Beziehung man zu Gott möchte, so offenbar er sich. Wir wollen eine freundschaftliche Beziehung, keine Beziehung aus Erfurcht. Wir wollen einen engen Austausch.

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Sadbhuja
Foto: Franziska Gaube


Wir funktioniert eurer Glauben?

Die Basis ist, zu verstehen, dass wir nicht dieser Körper sind. Sondern die Person die den Köper mit Bewusstsein und Leben durchdringt. Diese Person ist weder schwarz noch weiß, weder Mann noch Frau, weder christlich, noch Hindu, noch Moslem. Diese Person ist von Natur aus ewig, voller Wissen und voller Glückseeligkeit. Wir sind von Natur aus Diener. Im Deutschen ist dieser Ausdruck sehr geladen. Die Idee ist, dass wir immer bei etwas Zuflucht suchen, wir können nie für uns selbst stehen. Wir verehren immer etwas. Entweder einen Rockstar, oder unsere Chef, oder unser Land, oder eine Idee, einen Ismus oder unseren Haushund oder unsere Zunge. Jeder dient irgendetwas. Wenn ich sage, ich mache was ich will, dann diene ich meinem Geist. Die ursprüngliche Natur ist Gott, er ist die Ursache aller Ursachen. Er ist die Quelle von allen nach dem wir streben. Die reine Form seiner Anbetung ist die Hingabe zu Gott.

Wiedergeburt gibt es in jedem Augenblick. Wir wechseln immer unseren Körper, wir haben einen Babykörper, einen Jugendkörper, alle sieben Jahre wechselt unsere Körper komplett einmal alle Zellen aus und genauso zum Zeitpunkt des Todes, entsprechend unseren Bewusstseinszustandes nehmen wir wieder einen neuen Körper an.

Unser Ziel ist es glücklich zu sein und die Idee ist, dass wir glücklich sind, wenn das Ganze glücklich ist. Das Ganze ist Gott. Krishna. Wenn er zufrieden ist, sind alle seine Teile zu frieden.

Woran glaubst du nicht?

Es gibt nichts außer Gott. Alles kommt von ihm.

Warum glaubst du?

Ich habe eigentlich nie was von Religion gehalten. Ich bin als Atheist groß geworden. Ich halte eigentlich immer noch nicht so viel vom Glauben, weil Glauben oft sentimental oder fanatisch ist.  Aber ich habe spirituelle Erlebnisse gemacht, die mich nicht mehr gehen lassen. Ich nehme Sachen wahr, die viele nicht wahrnehmen und deswegen habe ich eine andere Weltsicht.

Was tust du für deine „Weltsicht“?

Ich versuche mit jedem Tag ein besserer Mensch zu werden. Dafür eigne ich mir Wissen an und lebe ein einfaches Leben, bei dem viel Zeit für wesentliche Dinge bleibt. Ich lebe in einer Gemeinschaft mit Menschen, die auch an sich arbeiten. Zur selben Zeit möchte ich gerne mit anderen teilen, ihnen helfen. Ich meditiere jeden Tag, das ist sehr kraftvoller Vorgang um das Herz zu reinigen und das Bewusstsein zu erweitern.

Wem empfiehlst du dein „Lebenstil“?

Jeder der einen Bauchnabel hat.

Was ist dir das Wichtigste?

Das wichtigste ist glücklich zu sein. Ich glaube uns ist diese Wissenschaft verloren gegangen, wie man richtig glücklich sein kann.

Wurdest du für deine Ansichten schon einmal kritisiert?

Natürlich. Vor allem in der westlichen Welt. Hier gibt es viele Vorurteile. Für mich ist das eine Herausforderung. Manchmal habe ich auch Mitleid mit den Menschen, weil ich einfach sehe, wie sehr sie selber frustriert sind und das auf andere projizieren. Aber eine spirituelle Erfahrung bewirkt, dass man nicht mehr in der Dualität von “Gut und Böse” oder “Ehre und Schmach” lebt.

Was ist den mit den Vorwürfen? Wir geht ihr damit um?

Zum ersten einmal Selbstkritisch. Wir müssen eingestehen, dass in den 70ern viel schief gelaufen ist, weil da viele junge, über-enthusiastische Menschen Krishna wurden und nicht alles so gelaufen ist, wie es geplant war.

Es gibt viele Vorurteile aus Unkenntnis. Oft werden wir auch in den Hinduismus generell reingesteckt. Deswegen gehen wir in die Öffentlichkeit. Das ist wie wir damit umgehen: Sich eine eigenen Meinung zu machen. Jede religiöse Bewegung wird von Menschen benutzt, die nicht rein motiviert sind. Was ich schade finde ist, dass man dann die gesamte Bewegung verurteilt. Das gibt es überall.

Wie weit würdest du für deine Weltsicht gehen?

Ich gebe mein Leben dafür. Das heißt nicht, dass ich in Hochhäuser fliegen möchte. Das heißt, dass ich meine Lebensenergie, meine Intelligenz, meinen Körper für diese Lebensweise benutze.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ist 1990 geboren, studiert Ethnologie und Zentralasienwissenschaften an der Uni Leipzig und wird entweder erfolgreiche Journalistin oder macht einen Keksladen auf.

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