Wintertrend ahoi: Wir stricken!

Es gibt fast nichts, was die einen altmodisch, hausmuttimäßig oder einfach irgendwie merkwürdig finden, das nicht andere cool finden. Und dann ist es plötzlich – siehe da – ein Trend. Gestern warfen wir (das symbolische Wir!) noch Turnschuhe über Straßenlaternen und Ampelanlagen, sammelten uns in flash mobs zum Tanzen oder Kuscheln, brachten Stromkästen zum Lächeln oder zementierten USB-Sticks in Mauern. Heute machen wir also mal was, was auch der Oma gefallen hätte: Wir stricken.

Eine kurze Beobachtung von Claudia Laßlop

Nadeln und Wolle sind portabel, man braucht kein W-Lan und keinen Strom, ist nicht auf das Angebot und die Preise eines Monopolisten angewiesen, kann farblich individuell (und das sind wir!!) Akzente setzen, der Formgebung sind keine Grenzen gesetzt und dennoch wird ab und zu mal jemand irrtiert schauen, wenn man dem neuesten Trend öffentlich fröhnt. Und da ich nicht nur für mich selbst stricke, zählt das locker als Streetart.

Nicht ganz ausgeschlossen werden kann, dass sich unter die Stricker bereits auch Häkler gemischt haben. Sticker konnten dagegen noch nicht beobachtet werden, auch Klöppeln und Knüpfen haben den Sprung in die Szene scheinbar noch nicht geschafft. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und heutzutage werden die fertigen Strickerein auch nicht einfach mit nach Hause genommen, online verkauft oder einfach so als Kleidungsstück genutzt. Denn was würde uns dann noch von Oma unterscheiden. Nein, hier werden Dinge gewissermaßen in unsere Freizeit verstrickt. Was klein anfing, hat mittlerweile stattliche Dimensionen erreicht, siehe hier oder hier. In Leipzig scheinen wir derzeit jedenfalls am Anfang dieses Trends zu stehe und freuen uns auf die nächsten Vertsrickungen.

Bestrickte Fahrradständer

 

 

 

 

 

Geboren 1981. Diplomjournalistik und Germanistik in Leipzig studiert. Heute frei schreibend und auch sonst gern am Texten.

Veröffentlicht unter: Claudia Laßlop, Geschichten · Etiketten: ,

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