Hohe Worte und die Musik dazu

[simage=440,288,n,left,] Im Juli hat die Leipziger Band Dante’s Dream ihr Album „Siebensein“ präsentiert und damit einem großen Puzzle ein weiteres Teil hinzugefügt. Und auch das Album selbst gleicht einem Ideenpuzzle. Um Hohe Worte geht es dabei, um die von ihnen ausgehende Inspiration und um die Musik, die Hohe Worte zum Leuchten bringen soll.
Von Claudia Laßlop

Das Erscheinen eines jeden Album hat seine Geschichte. Tage- und nächtelange Aufenthalte im Probenraum mögen darin vorkommen, das Entwickeln, Anzweifeln, Verwerfen und Umsetzen von Ideen. Richtungswechsel, rote Fäden. Manches mag man dem Fertigen nicht mehr anhören, einiges sehr wohl. Und während manche Alben für sich alleine stehen und sprechen, lohnt sich bei anderen auch ein Blick hinter ihre Kulisse. Und die Frage nach dem „Warum?“ ist manchmal, wie in diesem Fall, weit weniger unangemessen als man zunächst denken mag.

Bild: Westbesuch e.V.Also – warum „Siebensein“? Am Anfang waren Worte – Liebe, Sorge, Angst, Glück, Mühe, Trost und Lust – diese sieben hat der Leipziger Verein Westbesuch zu Teilen des Kunstprojektes „Hohe Worte“ gemacht. Sie stehen für menschliche Grundempfindungen und lebensbestimmende Kräfte und sollen nach und nach als Lichtinstallationen die Häuserfassaden im Leipziger Westen erobern. Neonlicht, das zunächst nach Reklame aussieht, Erwartungen weckt, aber dann doch nur für sich selbst steht, nichts verkaufen will und den Betrachter mit sich allein lässt. Im Dezember 2006 machten „Glück“ und „Lust“ den Anfang, seinerzeit finanziell ermöglicht vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Im Jahr 2007 legten ansässige Gewerbetreibende für „Liebe“ und „Sorge“ zusammen. Vor zwei Jahren gesellte sich schließlich „Angst“ dazu, finanziert durch eine Benefizparty. Nun soll „Mühe“ erstrahlen und an dieser Stelle kommen Dante’s Dream ins Wortspiel.

Erst Anfang dieses Jahres beschlossen die Musiker, einem jeden Wort ein Lied zu widmen und einen Teil des CD-Erlöses der „Mühe“ beizusteuern. Ein Vorhaben mit einem straffen Zeitplan. Gerade einmal vier Monate für Texte, Komposition, Arrangement, Proben, Aufnahmen und die abschließende Produktion. Das alles, um das Werk pünktlich zum Westbesuch Anfang Juli vorzustellen – und dann bis Herbst exklusiv über den Westbesuch e.V., über Läden in der Karl-Heine-Straße sowie über die Band selbst zu vertreiben. Der Erlös der CDs, die der Westbesuch verkauft, geht 100% zugunsten der Hohen Worte.

Artwork SiebenseinDie Idee der einzelnen Stücke entspringt ganz den „Hohen Worten“ und die Musik nimmt immer wieder Bezug auf deren Absicht: „Die CD zu den Hohen Worten sollte mit einem Instrument beginnen, das buchstäblich in der Höhe gespielt wird. So hört man zu Anfang das Carillon (Turmglockenspiel) der Pfarrkirche in Altenburg im dortigen Turmraum.“ Ganz in der Dante’s Dream-Manier wird der Hörer nicht vor die fertige Musik gestellt. Sein Zuhören muss zunächst die Treppen hinaufsteigen, dem Klang der Glockentönen nach, sich in seiner Umgebung umsehen, einen Platz suchen, ehe schließlich aus einer Ecke die erste Melodie erklingt und der Zuhörer es sich bequem machen kann. Lieder kommen schließlich daher, die von Liebe des Menschen zu sich selbst erzählen, von Glück, vom Verlieren in der eigenen Weite, von der Suche nach Trost, von erfüllter Lust und von Angst. Eine Ausflug in die Welt hoher Worte und deren Wirken im menschlichen Dasein. Ein Ausflug, der schließlich wieder im Glockenturm endet. Den Zuhörer wieder zu sich selbst zurück bringt, während die Melodie wieder ihrer Wege geht und die Treppe hinunter in den nächtlichen Leipziger Westen führt – wo die Hohen Worte über den Köpfen der Passierenden leuchten.

Nicht nur in die Musik wirkt die Idee der Bezugnahme hinein. Im Artwork der CD finden sich Porträts von Menschen, die – wie die Musiker selbst – in Plagwitz, leben und arbeiten, verbunden mit Ansichten der Architektur des Stadtteils. Die Verbindung von menschlichen Daseinszuständen mit dem umgebenden Lebensraum, wie sie „Hohe Worte“ herstellen, spielt auch in diese Gestaltung hinein. Und wo sonst als in der Schaubühne Lindenfels, über deren Eingang auch ein Hohes Wort leuchtet, hätte dieses Album vorgestellt werden können. Ende dieses Jahres wollen Dante’s Dream mit den neuen Stücken dann auf Tour gehen.

 

Geboren 1981. Diplomjournalistik und Germanistik in Leipzig studiert. Heute frei schreibend und auch sonst gern am Texten.

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