Zehn kleine Kilometer…

… hatten sich unsere nochWeiter-Läufer vorgenommen. Von der Jahnallee über die Friedrich-Ebert-Straße und die Karl-Tauchnitz-Straße, rund um den Clara-Zetkin-Park nach Schleußig und wieder zurück zum Start. Klingt weit? Keine Sorge, alle haben es geschafft. Ein Laufbericht von Dorothea Hecht.


Da biegt sie gerade um die letzte Kurve. Der Schlussspurt im Marathon, sie legt ihn tatsächlich hin. Blickt einmal neben sich, da ist niemand. Hinter sich, da läuft einer der Herren. Ein Grinsen, ein Sprung mitten im Lauf, noch einer, nach 42 Kilometern (!), dann ist sie im Ziel. Unglaublich, Frida Södermark, mit der ich gestern noch Nudeln gegessen habe, gewinnt den Leipzig-Marathon in 2:51:32 h.

_4174522 Weit unter drei Stunden… da komme ich mir plötzlich ganz klein und unbedeutend vor. Ich werde ja nicht mal ein Viertel von dem laufen, was sie gerade vorgelegt hat. Und schon gar nicht in einem Viertel dieser Zeit. 10 Kilometer, angepeilt sind eine Stunde, fünf Minuten. Damit liege ich in der Mitte des nochWeiter-Teams. Maik, der Halbmarathon-Mann, will um die 52 Minuten laufen, und drängelt sich schon mal ins vordere Drittel des Teilnehmerfeldes. Fee will zumindest unter 1:15 h bleiben und Katie kann sich selber gar nicht einschätzen.

1484 Menschen, die alle 10 Kilometer hinter sich bringen wollen. 635 Frauen und 839 Männer stapeln sich beinahe auf der Straße Am Sportforum, als der Startschuss ertönt. Zumindest für die in der ersten Reihe. Für das gemeine Laufvolk weiter hinten, also für uns, geht es zunächst im Schneckentempo vorwärts. Gehen, traben, laufen, dann ist sie plötzlich da, die blaue Startlinie. Mein erster Zehn-Kilometer-Lauf, los geht’s.

Los geht’s gut, auch wenn ich alleine vor mich hin laufe. Zwei rot gekleidete Kerle sind mein Orientierungsposten. Keine Ahnung, wie schnell sie sind. Bin ich schnell? Ich kanns nicht einschätzen. Kilometer eins und zwei sind super, obwohl die Sonne scheint und ich schon Angst hatte, dass es zu warm werden würde. Dann kommt das erste kleine Tief, aber bei Kilometer drei stehen die Anfeuerer und klatschen und winken und ich freue mich und meine Beine laufen und laufen und plötzlich waren’s nur noch vier. 14:27 Uhr steht auf der Anzeigetafel der Haltestelle bei Kilometer sechs. Verdammt, das ist langsam. Oder? Mein Kopf will nicht rechnen. Soll ich schneller, kann ich schneller?
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Die Rotgekleideten sind irgendwo hinter mir, weg auf jeden Fall, da taucht überraschend ein bekanntes Gesicht neben mir auf. “Hey”, ruft Katie, “ist es nicht toll? Ich find’s super!” Ihre Energie zieht mich mit, zügig über Kilometer acht und neun, dann kommen wir auf die Jahnallee. Zielgerade. Katie setzt zum Schlussspurt an, ich bin noch nicht so weit, weiß nicht, ob ich das Tempo durchhalte, da kommt das Ziel in Sicht. Schlussspurt, jetzt aber. Noch ein paar Leute überholen, tut das gut! Da ist sie, die Ziellinie, und drüber bin ich. Aber wo – *keuch* – ist die Zeit?

Egal, erstmal Wasser. Am Bierstand steht Maik und plaudert mit Marathonsiegerin Frida, die sich darüber freut, dass das Band der Medaille um ihren Hals die schwedischen Landesfarben Blau und Gelb trägt. “Es war super heute, ich war richtig gut drauf”, sagt sie und mit Blick auf mich: “Du siehst überhaupt nicht fertig aus. Das nächste Mal musst du schneller laufen!” Das Nach-Lauf-Adrenalin schickt meine Gedanken auf einen Zeitrafferreise in meine vielversprechende Zukunft. Halbmarathon, Marathon, alles scheint plötzlich möglich. Auch für Katie, Maik und Fee, schließlich haben wir alle das erreicht, was wir uns vorgenommen haben (1:04:55 h). Mit etwas Ernüchterung schrauben wir ein paar Stunden später unsere nächsten Ziele wieder etwas herunter. Wie wär’s mit dem Stadtlauf im Herbst – seid ihr dabei?
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Fotos: Ute König/Dorothea Hecht

Dorothea Hecht lacht, wohnt, arbeitet, isst und ist gerne in Leipzig. Manchmal verlässt sie Leipzig, kommt aber immer wieder gerne zurück. Sie hat Journalistik an der Uni Leipzig studiert und dürfte sich somit ein "Dipl-Journ." vor den Namen setzen. Mag und macht sie aber nicht.

Veröffentlicht unter: Dorothea Hecht, Geschichten

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