Westergaard erhält Leipziger Medienpreis – eine Begegnung

Die Polizeipräsenz ließ es vermuten: Der 10. Leipziger Medienpreis geht an einen afghanischen Journalisten, einen bulgarischen Rechercheur – und Kurt Westergaard. Weiter traf den dänischen Mohammed-Karikaturisten vor der Preisverleihung.

Von Jonathan Fasel

Kurt Westergaard ist Karikaturist – und sicherlich ein toller Opa. Rundes Gesicht, Vollbart, seine Hände sprechen mit. Mit heller Stimme plaudert er über sein Leben, und das mit erstaunlichem Humor. Dann sagt er Sätze wie: „Meine Bodyguards haben Glück, dass ich kein Nudist bin“, und legt sein verwittertes Gesicht in Lachfalten.

Eigentlich steht der 75-Jährige dauerhaft unter Morddrohungen. Sehr konkreten: Am Neujahrstage 2010 dringt ein islamischer Fanatiker in Westergaards Wohnung ein und bedroht ihn mit einer Axt. Ein Glück, dass die Tür zum Badezimmer, seinem Schutzraum, standhält.

Nun wird er mit dem „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“ ausgezeichnet. Und das alles wegen einer Zeichnung, dieser einen Zeichnung. „Darüber müssen wir doch nicht mehr sprechen“, sagt er. Im September 2005 zeichnet er für seine Zeitung, die „Jyllands Posten“, Mohammed mit einer Bombe im Turban. Er wolle zum Nachdenken anregen, sagt Westergaard über seine Karikaturen.

Irgendwann, die Zeichnung ist schon ein paar Monate gedruckt, erreicht sie plötzlich traurige Berühmtheit in der islamischen Welt. Erst gehen die Menschen auf die Straße, protestieren. Dann brennen dänische Flaggen. Schließlich westliche Botschaften. Zwischen 50 und 150 Menschen sterben in den Ausschreitungen, so ganz sicher ist man sich da nicht in der Zahl. Kurt Westergaard aber steht zu seiner Zeichnung. „Ich bin nicht mutig, sondern starrköpfig“, sagt er.

Enttäuscht ist er von seinen Kollegen der dänischen Intelligenzija. Sie haben ihm seine Unterstützung entzogen, anders als die Mehrheit der Dänen, die er hinter sich sieht. „Die Aufgabe der Intellektuellen ist es doch, die Grenzen der Freiheit auszuloten – und gegebenenfalls zu überschreiten“, fordert er.

Verbittert ist er nicht. Er lacht gerne über seine eigene Situation, seine „perfekten Schwiegersöhne“, wie seine Frau die Bodyguards nennt. Vor einigen Monaten hat er bei der Zeitung aufgehört. In sechs Wochen erscheint seine Biografie. Jetzt malt er Fabeln, für sich selbst. Kurt Westergaard wäre sicherlich ein toller Opa.

Anmerkung: Während der Eröffnungsrede kam es zum Zwischenfall, als die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi sich über die Wahl der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, Westergaard den Preis zu verleihen, echauffierte. Sie wich minutenlang von ihrer Keynote ab und warf den Organisatoren vor, sie hätten die Gäste früher über die Wahl der Preisträger informieren müssen. Es heißt, der iranische Preisträger von 2007, Akbar Ganji, sei noch vor dem Festakt abgereist.

Dirk interessiert sich hauptsächlich für Kriminalität, Wirtschaft, und auch Wirtschaftskriminalität, Infrastruktur und IT. Geboren und aufgewachsen in Schkeuditz, hat er sich quasi sein Leben lang mit Leipzig beschäftigt. Dirk studiert (noch) Journalistik und Psychologie.

Veröffentlicht unter: Geschichten, Jonathan Fasel

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