Zu: kluge Köpfe

Monatelang war es ruhig um Karl-Theodor zu Guttenberg. Der frühere Verteidigungsminister war in die USA gezogen, stand als „distinguished statesman“, als „angesehener Staatsmann“, auf der Expertenliste einer politischen Denkfabrik in Washington. Mehr war kaum bekannt. Nun geht er wieder an die Öffentlichkeit: In Guttenbergs Interview mit der „Zeit“ fand unser Kolumnist Jan Kröger so bahnbrechende Worte, dass er sich fragt, wo der Guttenberg die nur wieder her hat.

in Kooperation mit detektor.fm

„Den Menschen mangelt es in der Politik generell an Köpfen, die für gewisse Inhalte stehen.“ Nullsätze wie dieser sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt werden. Wenn sie jedoch vom ehemaligen Kulmbacher Kreisrat Guttenberg stammen, dann sieht die Sache anders aus. Monatelang war er untergetaucht, um sich im Millionärsghetto Connecticut einer einzigartigen Augenoperation zu unterziehen. Nun verfügt er über Kontaktlinsen, die es ihm ermöglichen, aus 6.000 Kilometern Entfernung messerscharf die Probleme seines Heimatlandes zu erkennen.

Also: Wir brauchen Köpfe, die für gewisse Inhalte stehen. Ein guter Anfang, aber wir brauchen noch mehr: Es muss mal wieder Klartext geredet werden. Wir brauchen jetzt Führungspersonen, die nicht nur sagen, wo es langgeht, sondern es auch wissen. Die mit ruhiger Hand regieren. Wenn es sein muss, auch mit harter. Die den Menschen zuhören. Die in der Lage sind, deutsche Interessen europäisch zu denken, transatlantisch einzubringen und global zu formulieren. Wir müssen uns unserer Vergangenheit vergewissern, Gegenwart gestalten und auch die Zukunft im Blick behalten. Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das unsere dringendste Aufgabe. In der schwersten Krise seit Beginn des 21. Jahrhunderts gilt es zudem, wirtschaftlich solide dazustehen. Durch eine konsequente Arbeitsmarktpolitik können wir darauf hinwirken. Wir brauchen Menschen, die näher am Menschen sind. Die keine stromlinienförmigen Karrierepolitiker sind. Die nicht nur leere Versprechungen machen, sondern sich auch daran halten. Wir brauchen Köpfe, die für gewisse Inhalte stehen.

Ja, da hat jemand gesprochen, der so ganz anders ist als die anderen Politiker. Aber gut, bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland hat er ja noch ein bisschen Zeit. Bis dahin wird er schon noch genügend Köpfe finden, die ihm ein paar gewisse Inhalte zusammenschreiben.

Foto: Andrea Damm / pixelio.de

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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