Zu: Sch…eibenkleister

Unser Kolumnist Jan Kröger geht heute dahin, wo es richtig stinkt: Sein Thema sind die deutschen Abwassergebühren. Eine vierköpfige Familie in Potsdam zahlt für die gleiche Menge Naturdünger jährlich fast viermal so viel wie beispielsweise in Karlsruhe, so haben es die Kollegen vom „Focus“ errechnet. Jan Kröger stellt seinen großen Aktionsplan vor für ein Problem, das die Menschheit schon seit 2000 Jahren quält.

…in Kooperation mit Detektor.fm

Der römische Kaiser Nero galt als so manisch-bescheuert, dass man eigentlich sagen müsste: So einen unfähigen Herrscher hat Rom seitdem nie mehr gesehen. Aber betrachtet man sich das heutige Italien, muss man festhalten: Nero hatte wenigstens noch den Anstand, sich umzubringen. Wie sein unwürdiger Nachfolger von heute hinterließ Nero einen völlig überschuldeten Staatshaushalt. Völlig ohne Rettungsfonds musste sich Rom am eigenen Schopf aus der Scheiße ziehen. Neros Nachfolger Vespasian nahm das wörtlich und erhob eine Latrinensteuer, die bis heute nachwirkt: „Pissoir“ heißt auf italienisch „vespasiano“ und auf deutsch kennen wir Vespasians Spruch „Geld stinkt nicht“, mit der sich noch heute jeder finanzpolitische Scheiß rechtfertigen lässt.

Im Deutschland von heute heißt die Latrinensteuer „Kommunale Wasser- und Abwassergebühren“. Kommunal bedeutet: Es kommt weniger drauf an, wie viel du machst, es kommt drauf an, wo du’s machst. Es gilt die Grundregel: Frankfurter Würstchen kommt günstiger als Thüringer Rostbratwurst, sprich: Osten ist teurer als Westen, ausgenommen die üblichen strukturschwachen Westghettos (Bremerhaven).

Das schreit nach einem nationalen Aktionsplan, einem neuen Solidarpakt nach dem Motto „Schaff deinen Scheiß nach drüben“. Nun sind Sie seit Jahren vielleicht Angehöriger der Münchner Schickeria, Sie sehen nicht ein, warum die Ossis sich schon wieder mit Ihrem Geld den Arsch abwischen können und sagen: „Sollen sie halt Wasser sparen und nicht immer gleich den Darm entleeren, wenn sie auf die Toilette gehen. Ich bin da ja manchmal auch nur fürs Kokain.“ Doch weit gefehlt: Viele ostdeutsche Klärwerke sind unterversorgt, weil die Menschen erstens weniger werden und zweitens älter, viele wertvolle Rohstoffe also ungenutzt in Windeln verenden. Die Berliner Wasserbetriebe pumpen sogar täglich bis zu 800.000 Liter Wasser durch die Kanalisation, nur damit die Rohre nicht verkeimen. Also, hier mein Aktionsplan:

Jeder Berliner Haushalt lässt täglich für fünf Minuten seine Wasserhähne völlig grundlos laufen.

Menschen aus Billigscheißparadiesen wie Ludwigsburg, Schwenningen oder Hanau verschicken viermal pro Jahr Solidarpakete mit Trockenpflaumen, Rizinusöl und ähnlichem in die ostdeutsche Provinz, damit die Verdauung dort so richtig auf Trab kommt.

So ziemlich jeder Rohstoff ist mittlerweile börsennotiert, warum nicht auch der natürlichste von allen? Zugegeben, ich wünsch mir das vor allem, damit Börsenreporter endlich mal Sätze sagen wie: „In Zeiten wie diesen flüchten sich Anleger in die Scheiße“ oder „Viele gehen auf Nummer sicher und machen aus Scheiße Gold“ oder „Die Urinblase droht zu platzen.“

Warum ich das hören will? Weil es eigentlich nur genau benennt, was eh schon an der Börse läuft.

Foto: Jürgen Nießen / pixelio.de

Ist 1990 geboren, studiert Ethnologie und Zentralasienwissenschaften an der Uni Leipzig und wird entweder erfolgreiche Journalistin oder macht einen Keksladen auf.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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