Zu: Fußballig

Warum heißt der Bremer Fußballklub Werder? Und warum heißt die Berliner Mannschaft Hertha? Das sind Fragen, die nicht einmal eingefleischte Fußballfans auf Anhieb beantworten können. Auch nicht unser Kolumnist Jan Kröger. Aber er hat rausgefunden, dass sich gerade bei Mannschaftsnamen in der Welt des Sports regelrechte Geschmacksverbrechen auftun.

Gestern Abend war es mal wieder so weit. Ich las mir die Fußballergebnisse durch. Die Europa League hatte gespielt. Europa League – allein dieser Name ist ja schon eine Geschmacksverirrung. Aber was mancher Verein da bietet, ist noch eine Nummer größer: Der moldawische Meister zum Beispiel heißt FC Sheriff – und der Schweizer Vizemeister macht sich zum Traumverein unzähliger Priester und nennt sich BSC Young Boys.

In meiner heilen Welt kann einem das in Deutschland nicht passieren. Hier haben Vereine anständige Namen wie TSV oder Germania 05. Dachte ich. Aber falsch. Im deutschen Sport tun sich Abgründe auf. Das fängt mit halbenglischen Namen an. Klar, Sportarten wie Eishockey oder Football kommen aus Nordamerika. Trotzdem sollte man zweimal nachdenken, bevor man seinen Verein Landshut Cannibals, Starbulls Rosenheim oder Schwäbisch Hall Unicorns nennt. Außerdem bringt man so nur andere Sportarten auf dumme Gedanken.

Handball zum Beispiel ist so ein urarischer Bastard aus skandinavischer Teamfähigkeit und deutscher Weltkriegsmentalität. Dazu passen Namen wie Verein für Leibesübungen Gummersbach oder Turnverein Großwallstadt. Oder SC Magdeburg. Aber nein, den Magdeburgern war das nicht genug, sie nennen sich seit einigen Jahren SC Magdeburg Gladiators. Den sinnlosesten Namen im deutschen Handball sichern sich jedoch die Rhein-Neckar Löwen. Erstens haben Löwen mit Handball so viel zu tun wie Magdeburg mit Gladiatoren und zweitens ist Rhein-Neckar einfach nur ein Marketingname für Mannheim-Ludwigshafen, und das ist wiederum das ungeputzte Arschloch von Heidelberg.

Längst legendär sind natürlich die Namen aus der DDR, die immer so klingen wie ein Museum für ausgemusterte Straßenbahnen. Fans von Dynamo Dresden oder Lok Leipzig hatten da noch Glück – die wahren Opfer des Systems waren diejenigen, die sich Fangesänge einfallen lassen mussten für Aktivist Brieske-Senftenberg.

Als die Menschen dann die Mauer einrissen, war vielleicht nicht allen klar, dass der Kapitalismus auch seine Schattenseiten hat. Nämlich die Basketball-Bundesliga. Lächerliche Sponsorennamen wie Ratiopharm Ulm sind da nicht mal der Tiefpunkt. Nein, man kann dem Ganzen ja noch einen Anglizismus hinzufügen: Telekom Baskets Bonn zum Beispiel. Und hier kommt er nun, der wohl schlimmste Vereinsname der Welt: New Yorker Phantoms Braunschweig. Unsichtbare Wesen aus dem östlichen Niedersachsen, gesponsert von einer Klamottenkette, die so was ist wie der „Kik“ für verzogene Mittelschichtgören. Dann doch lieber zeitlose Namen wie Hamburger SV oder DSC Wanne-Eickel.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

Eine Antwort zu "Zu: Fußballig"

  1. thowi sagt:

    Mir fallen da noch so DDR-Fußballvereine wie
    Schifffahrt/Hafen Rostock (Damals noch mit 2 “f”!),
    FC Trinwillershagen oder
    Aktivist Krumhermersdorf ein…

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Kabarett ist nur was für nostalgische Sozis im Rentenalter? Nein, sagt dieser Mann. Mathias Tretter ist politischer Kabarettist – und mehr. Im ...