Zu: Gesichtsbuch-t

Nicht viele Sachen heutzutage nehmen eine so paradoxe Entwicklung wie Facebook: Einerseits gibt es immer mehr Berichte über Datenmissbrauch, andererseits melden sich immer mehr Leute da an. Daten wie die Email oder das Geburtsdatum gibt da jeder an. Aber das bedeutet nicht, dass man gleich alles mitmachen muss, wie unser Kolumnist Jan Kröger vor kurzem festgestellt hat.

Warum gehen so viele Menschen zu Facebook, obwohl doch klar ist, was für ein Schund mit ihren Adressen, ihrem Geschreibsel und ihren Fotos getrieben wird? Jeder, der wie ich bei Facebook angemeldet ist, würde sich jetzt rechtfertigen mit Sätzen: Och, ich brauch das doch nur, um ein bisschen im Privatleben meiner Freunde rumzuschnüffeln. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat da die bessere Antwort: Die Leute sind einfach „dumb fucks“ – so zitiert im „Spiegel“ diese Woche, der „dumb fucks“ übrigens gelungen übersetzt mit „Vollidioten“.

Aber einige ficken bei Facebook offenbar deutlich dümmer als andere. Letztens stand plötzlich was auf meiner Pinnwand. Die Autorin ist sowas wie der Inbegriff eines Facebook-Freundes: Wir waren im selben Schulchor, mehr nicht. Nun hatte sie mitgemacht bei einer Facebook-App – schon allein das Wort sollte Anlass genug sein, darum zu bitten, dieses Jahrhundert nochmal neu starten zu lassen. Jedenfalls beantwortete sie da lächerliche Fragen, deren Antwort sie gar nicht weiß. Aber das Beste: Ich konnte nur die Fragen lesen – denn um zu wissen, was sie denn so über mich offenbart hatte, hätte ich mich selbst bei diesem dumb fuck anmelden müssen.

Nun ja, da ich nun nicht die ganze Wahrheit über mich erfahren konnte, muss ich die fünf Fragen hier selbst beantworten. Könnt ihr hinschreiben, wenn ihr eines Tages auch mal danach gefragt werdet. Als Belohnung kündige ich euch die Freundschaft.

Frage 1: Denkst du, dass Jan Kröger sich outen will? – Unbedingt. Ich weiß zwar nicht, als was ich mich outen werde, aber ich warte nur darauf, dass ich mal berühmt bin und dann irgendein Outing als Karriereleiter benutze.

Frage 2: Denkst du, dass Jan Kröger schon einmal Sex als Karriereleiter benutzt hat? – Die Frage ist falsch gestellt. Sex als Mittel zum Zweck ist ein Missverständnis. Sex ist natürlich das Ziel meiner Karriereleiter.

Frage 3: Denkst du, dass Jan Kröger süß ist? – Vorsicht! Wenn ein Mann hört, dass er „süß“ ist, kann er sich schon mal damit abfinden, dass das Mädel, das diese Worte sagt, keine Stufe seiner Karriereleiter sein wird. Glücklicherweise bin ich heute souverän genug, um mit früheren Rückschlägen dieser Art gelassen umzugehen… Verdammt, ich bin alles – aber nicht süß!

Frage 4: Denkst du, dass Jan Kröger gut in einem Bikini aussehen würde? – Was ich unten drunter anzieh, geht euch ‘nen Scheißdreck an. Das wäre schlecht für die Karriereleiter, zumindest bis zu meinem Outing.

Und Frage 5: Denkst du, dass Jan Kröger anderen schöne Augen macht? – Na klar, aber natürlich nur, um es für die Karriereleiter zu benutzen.

Mehr über mich gibt’s beim nächsten Mal, wenn sich wieder jemand von Facebook dazu überreden lässt, vor meine Wohnungstür zu kacken. Vielleicht versteh ich da ein bisschen wenig Spaß, mag sein. Aber das Leben ist zu kurz, um dumb fucks zu haben.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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