Zu: Lau-Michel

Thilo Sarrazin tritt zurück, ein evangelikaler Pastor in Florida will den Koran verbrennen und dann doch wieder nicht, und der Bund der Vertriebenen blamiert sich, indem er den Eindruck erweckt, irgendwie sei auch Polen schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. National gesinnte, fremdenfeindliche Menschen hatten es nicht leicht in den letzten Tagen. Aber es gibt eine Einrichtung, in der sie ihre Rückschläge verkraften können. Unser Kolumnist Jan Kröger stellt sie vor.

Sie sind Nationalist? Chauvinist? Antisemit? Sie haben jahrzehntelang treu das Vaterland verteidigt – als Staatsanwalt, Fallschirmjäger oder hessisches CDU-Mitglied? Oder sie sind Publizist? Islamkritiker? Aber keiner liest ihre Bücher, denn noch immer hat niemand im Nahen Osten eine deutsche Botschaft oder wenigstens eine Fahne verbrannt?

Und nun haben Sie in den letzten Wochen wieder Hoffnung geschöpft, dass die nationale Weltrevolution kurz bevor steht – doch dann zieht ein Laumichel nach dem nächsten den Schwanz ein?

Zum Beispiel Thilo Sarrazin. Zwei Wochen lang stellt er sich gegen den Mainstream der Political Correctness – Verzeihung: den Hauptstrom des politisch Korrekten. Unnachgiebig scheint er. Aber dann: Tritt er freiwillig zurück. Auch noch in beiderseitigem Einvernehmen mit der Bundesbank, heißt es – angepasster geht es nicht. Natürlich haben Sie diesem Hugenottenbastard nie wirklich getraut. Spätestens nach der Sache mit den Juden und den Genen. „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“, hat er gesagt. Dabei würde doch kein aufrechter Antisemit behaupten, dass Juden etwas teilen.

Oder Terry Jones, dieser evangelikale Pastor aus Florida. Na klar, der Ami war in letzter Konsequenz noch nie eine große Hilfe. Aber am 11. September eine öffentliche Koranverbrennung: Das wär’s doch gewesen. Aber Terry Jones wird sie wohl wieder abblasen.

Tja, und dann sind da noch die Jammer-Ossis vom Bund der Vertriebenen: Schon Monate vor dem Zweiten Weltkrieg habe Polen seine Truppen mobilgemacht, sagen die. Das empfinden Sie als Entwürdigung – nicht der Polen, sondern der Deutschen? Schließlich waren die Angriffskriege von ’39 bis ’41 eine der größten militärstrategischen Leistungen überhaupt und wir sollten verdammt nochmal stolz drauf sein?

Wenn Sie dermaßen der Weltschmerz ereilt hat, dann helfen wir Ihnen. In diesen schweren Stunden lindern wir Ihr Leid. Im Nationalen Sanitätshaus deutscher aufrechter Patrioten, kurz: NSDAP, sind Sie nicht allein. Fassen Sie in der ländlichen Idylle Ostvorpommerns neuen Mut – im täglichen Umgang mit Gleichgesinnten.

Gemeinsam marschieren wir durch die Natur und singen Volkslieder. Kinoabende mit alten Ufa-Filmen und die Kaffee-und-Kuchen-Konzerte mit Heino und Johannes Heesters sorgen für Entspannung. Und ein abgestimmtes Sportprogramm aus Mensurfechten und Baseball bringt Sie wieder richtig auf die Beine. Das Nationale Sanitätshaus deutscher aufrechter Patrioten – auch im Weltnetz, unter nsdap.de.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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