Zu: Po-dolski und Klo-se

Die Fußball-WM hat begonnen. Mit allem, was sowieso dazugehört: schwitzenden Spielern, jubelnden Fans, Großbildleinwänden und Deutschlandfahnen. Unser Kolumnist Jan Kröger hat sich aber lieber um eine Randerscheinung gekümmert: Produkte, die jetzt zur WM verkauft werden, obwohl sie mit Fußball oder WM absolut gar nichts zu tun haben.

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Es begann vor gut zwei Monaten, als in meiner WG das Klopapier alle war. Wie in jeder gut funktionierenden WG ist das bei uns so geregelt: Erstmal wird das Papier aufgebraucht und wer dann als nächster dran ist, hat verschissen. Diesmal war ich es, also: schnell zum Supermarkt um die Ecke. An der Kasse ließ man mich vor – was ich zum einen dem Klopapier in meiner Hand verdankte, zum anderen meinem Laufstil von der Marke „Tanzender Flamingo“. Derart geschmeidig erreichte ich mein Ziel und hatte nun ausgiebig Zeit, die Klopapierpackung zu studieren. Es handelte sich um die WM-Edition, zu erkennen am genialen Schriftzug: „Holt den Po-kal!“

Seitdem ging es so weiter: das WM-Shampoo, das WM-Deo, die WM-Schokolade. Egal ob’s passt oder nicht. Klopapier hat ja wenigstens noch was mit Fußball zu tun: Schließlich sind sämtliche Körperteile und Körperinhalte, die mit Klopapier in Berührung kommen, wesentlicher Bestandteil der Fußballersprache. Zum Beispiel beim früheren Dortmund-Trainer Thomas Doll („Da lach ich mir doch den Arsch ab“) oder bei Weltmeister Andreas Brehme, der seine Lebensweisheit in dem Satz zusammenfasste: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“

Aber was bitteschön bringt mir die WM-Pizza? Bei einem Lieferservice gibt es jetzt Nationalitätenpizzas. Mit angeblich typischen Zutaten des jeweiligen Landes. Da weiß man schon von vornherein, dass man die Pizza England besser nicht bestellt. Und in der Tat: Belegt mit Würstchen, eingelegten Gurken, Ketchup und Remoulade ist die Pizza England Ihr Garant dafür, dass Ihre Kloschüssel und Ihr WM-Klopapier so richtig zur Geltung kommen.

Schön find ich auch, wie Lidl souverän ins Fettnäpfchen der Political Correctness latscht. Da gibt’s nämlich jetzt die WM-Küsse zu kaufen. Also jene Eischaumspeise mit schokoladiger Ummantelung, die eine Generation früher noch Negerkuss hieß. Und weil die WM in Südafrika stattfindet, zollt Lidl auf ganz besondere Weise Nelson Mandelas Lebenswerk Tribut: Die WM-Küsse bestehen zur Hälfte aus schwarzer und zur Hälfte aus weißer Schokolade. Sicherlich der sinnloseste Beitrag zur Völkerverständigung, seit Stevie Wonder und Paul McCartney „Ebony And Ivory“ gesungen haben – Musik, als würde man einen WM-Kuss in der Mikrowelle erhitzen.

Somit bleibt das WM-Klopapier mit dem Motto „Holt den Po-kal“ mein einsamer Favorit. Nur gut, dass unsere Nationalspieler dafür keine Werbung machen: Lukas Po-dolski und Miroslav Klo-se, die mit dem WM-Klopapier den Lahm-Arsch abwischen – das wär doch widerlich. Fast halb so widerlich wie Pizza England.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche · Etiketten: , , , , , ,

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