Zu: Hannovers schöne Ecken

Missverständliche Aüßerungen über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr – das war für Horst Köhler der Grund, weshalb er als Bundespräsident zurückgetreten ist. Doch wie so viele andere hat auch Jan Kröger darüber gerätselt, ob das der wirkliche Grund war. In seiner Kolumne löst er dieses Rätsel, und er fragt sich, ob das alles sogar Teil einer Verschwörung ist.

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Alles begann am Montag, als Horst Köhler seinen neuen Selbstlernkurs in Rhetorik ausprobierte:

“Lektion 11: Der Umgang mit öffentlicher Kritik. Sprechen Sie mir nach: Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung.
Köhler: “Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung.
“Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.”
“Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen.”
“Sehr gut! Und nun üben wir die freie Rede: Sagen Sie, was Ihnen gerade einfällt!”
“Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten.

Somit wäre das Rätsel um Horst Köhler gelöst. Doch danach entstand ein zweites Rätsel, das in die deutsche Geschichte eingehen könnte als die Hannover-Verschwörung. Denn warum sind alle Personen, die für Köhlers Nachfolge ernsthaft ins Spiel gebracht wurden, untrennbar mit Hannover verbunden? Ursula von der Leyen, Christian Wulff, Lena Meyer-Landrut. Das riecht stark nach Verschwörung. Und doch glaub ich nicht daran.

Betrachten wir doch mal die nackten Tatsachen: Ob Grand-Prix-Lena, Zensur-Uschi oder Bundeskrischi – es geht einfach um Leute, die aus Hannover ausgezogen sind, um woanders ihr Glück zu machen. Das ist völlig unspektakulär, denn aus Hannover weg wollen – das gehört neben Essen, Trinken, Schlafen und Pinkeln zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Es gibt ja drei Kategorien von Städten: die Traumstädte, wo man leben und Urlaub machen kann; die Touri-Städte, die man sich staunend ansieht; und dann einen Haufen Städte, deren Einwohner immer trotzig sagen müssen: „Bei uns gibt’s auch schöne Ecken.“ In Deutschland heißen sie in Fachkreisen auch A2-Städte, benannt nach jener Autobahn, die Oberhausen, Dortmund, Gütersloh, Bielefeld, Hannover, Braunschweig und Magdeburg miteinander verbindet. Hannovers schöne Ecken heißen übrigens alle Maschsee. Also: Es hat schon seinen Grund, weshalb so viele Hannoveraner Bundespräsident werden wollten.

Eine Verschwörung wäre es erst dann gewesen, wenn sie diesen Zwerg mit der komischen Mütze nominiert hätten. Den von den Scorpions. Die Flöte in “Wind of Change”. Mal ehrlich: Der wär doch ein idealer Präsident. Weit über Deutschland hinaus bekannt – und größere Verdienste um den Mauerfall hat eigentlich nur David Hasselhoff. Klaus Meine und die Scorpions – das ist so Hannover wie Rockmusik sein kann. Was das heißen soll? Bei den Scorpions gibt’s halt auch schöne Ecken.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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