Zu: Lena

Jedes Jahr findet der Eurovision Song Contest statt. Jedes Jahr präsentiert Deutschland einen Beitrag. Und jedes Jahr gewinnt ein anderer. Morgen geht Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ an den Start. Am Anfang fanden sie scheinbar alle toll mit ihrem eigenwilligen Englisch-Akzent. Mittlerweile wird sie dafür mehr und mehr ausgelacht. Doch unser Kolumnist Jan Kröger findet, dass das alles andere als schlecht für sie ist.

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I went everywhere for you / I even did my hair for you.
Wow! Ein Lied über ein Mädel, das für ihren Macker sogar ihre Haare macht – wenn Europa erfährt, dass wir Deutschen zu so etwas in der Lage sind, dann haben wir den Grand Prix schon gewonnen. Satellite von Lena Meyer-Landrut, das ist knisternde Erotik made in Germany, sozusagen gesungener Schulmädchenreport. Die macht ja nicht nur ihr Haar in dem Lied, die lackiert sich auch noch die Fingernägel und lässt auf der Veranda das Licht brennen. Das ist so versaut – wenn der Papst das mitkriegt, dann verbietet er das. Aber abgesehen davon: Wer zum Teufel hat heute noch eine Veranda?

Bevor jetzt alle „Ich“ schreien, komm ich mal lieber zum Thema: Vor zwei Monaten wurde Lena gefeiert, jetzt wird sie ausgelacht – nicht nur für den Text, sondern weil sie auch noch mit einem Akzent singt, der alles ist – außer Englisch.

Dazu kann ich nur sagen: Lena, das sollte Dich nun wirklich nicht kümmern. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens: Wir machen Dein Lied einfach nur schlecht, weil wir uns drauf vorbereiten müssen, dass Du singen kannst, wie Du willst – wenn da zum Beispiel ein armenischer Transsexueller antritt, der im Kopfstand auf der Nasenflöte ein grässliches Schafhirtenlied trällert, dann landet der garantiert vor Dir. Vor allem aber zweitens: Ein schlechter Akzent hat noch keiner Musikerkarriere geschadet. Und Du singst immerhin noch in einer Fremdsprache. Dabei gibt es Musiker, die nicht mal ihre eigene Sprache drauf haben – und wahrscheinlich gerade deshalb verdammt erfolgreich sind. Das gilt für Deutsche, die Deutsch singen (Grönemeyer); das gilt auch für Spanier, die Spanisch singen (Los del Rio: Macarena); und das gilt sogar für englische Muttersprachler (Scatman John).

Alle drei waren sie damit unglaublich erfolgreich. Also, Lena, glaub an Dich! Vor 300 Jahren wurde die „Ode an die Freude“ aus Deutschland zum Welterfolg, vielleicht ist jetzt die Zeit reif für Deine Ode an den Blümchensex.
Doch wo ich den Text gerade nochmal vor mir habe: Du hast sogar blaue Unterwäsche gekauft?! Du Miststück!

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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