Zu: Ye olde England

Großbritannien hat gewählt und wirkt mit dem Ergebnis leicht überfordert. Denn weder Labour-Partei noch Konservative haben eine absolute Mehrheit erreicht, und so etwas ist für Großbritannien fast so selten wie der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Zu allem Überfluss steckt das Land in der Krise und ist hoch verschuldet. Unser Kolumnist Jan Kröger sieht das Land damit an einem Wendepunkt angekommen. Aber: Er hat auch einen Lösungsvorschlag.

In Kooperation mit detektor.fm // lieber anhören?

Es war einmal ein Land, in dem fuhren rote Doppeldecker-Busse auf der falschen Straßenseite. Es gab reiche Leute, die in Palästen wohnten und am Wochenende Füchse jagten. Und es gab arme Leute, die in Reihenhäusern aus rotem Backstein wohnten und am Wochenende die Fans anderer Fußballteams jagten. Kurz: Die Welt war in Ordnung. Und der Europäer blickte vom Kontinent auf die Insel, und sah, dass es gut war, trotz oder gerade wegen so sinnloser Eigenheiten wie Kricket oder Chips, die nach Essig schmecken, oder dem Rechnen in Meilen, Fuß und Inches. Schließlich beglückte uns dieses Land auch reihenweise mit guten Rockbands, grandiosen Komikern und bierbäuchigen Fußballern mit Gesichtern aus rotem Backstein, die regelmäßig im Elfmeterschießen verloren, am liebsten gegen Deutschland.

Und dann? Dann wurden in London die alten Busse ausgemustert und ein Riesenrad an der Themse wurde zur architektonischen Weltsensation erklärt – mal ehrlich, die Eröffnung eines Riesenrades ist ein großes Ereignis, jedenfalls für eine Stadt wie Oberhausen. Parallel dazu war Londons Business-Elite ganz vorn mit dabei, als es darum ging, die Weltwirtschaft an die Wand zu fahren. Und der Fußball wurde von David Beckham heimgesucht, das heißt: Englands Nationalmannschaft flog noch immer im Elfmeterschießen raus, aber sah nun aus wie Tante Uschi beim Shoppen. Ich dachte ja, Großbritanniens Tiefpunkt wäre erreicht, als ich den letzten Bond-Film im Kino sah. Aber dann kamen Gordon Brown und David Cameron. Der eine ist sowas wie der Antibrite. Denn egal welche britische Klischee-Eigenschaft man nimmt: den noblen Pomp des Adels, das aufrechte Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse oder einfach den trockenen Humor – Gordon Brown ist immer das genaue Gegenteil davon. David Cameron andererseits ist der hochnäsige Oxford-Absolvent, der nun als Anlageberater der Barclay’s Bank seinen Kunden einen miserablen Aktientipp nach dem nächsten gibt. Und wenn eine Sache hoffen lässt, dann eben die, dass keiner der beiden jetzt eine absolute Mehrheit bekommen hat.

Wie also ist Großbritannien zu retten? Eben nicht, indem die Briten nun ein Mehrparteiensystem wie wir Deutschen kriegen. Nein, die Briten müssen rückwärts gehen. Das Land braucht rote Busse, auf die man hinten aufspringen kann, es braucht Fußballer mit Backsteingesicht und es braucht wieder gute James Bond-Filme. Für die Politik kann es also nur eine Lösung geben: zurück zur absoluten Monarchie. Auf geht’s, Elisabeth, die beste Zeit deines Lebens liegt noch vor Dir. Und ihr Untertanen, die ihr in Zukunft nichts mehr zu sagen habt: Legt euch nieder und denkt an England!

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Wie dreckige Autos gegen Elektro-Wagen tauschbar werden, beschäftigt nun die Entwicklungsteams. Ein Leipziger Kfz-Meister ist weiter, elektrifiziert Gebrauchte – allerdings ...