Zu: Ilse Aigner

Wer sich bei Facebook anmeldet, der muss damit rechnen, dass Facebook seine Daten weitergibt an Firmenpartner. Schließlich finanziert sich das Unternehmen auf diese Weise. Eigentlich nichts Neues. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat das in dieser Woche dennoch zum Anlass genommen, sich öffentlich mit Facebook anzulegen. Unser Kolumnist Jan Kröger überlegt, was sie dazu gebracht hat.

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Wer beruflich oder privat klugscheißt, der braucht immer ein paar Allzweckwörter, damit ihm überhaupt jemand zuhört. Vor ein paar Jahren hieß dieses Wort: „Globalisierung“ – das Kopfnicken im Publikum war garantiert. Was macht eigentlich die Globalisierung heute? Die zwanghaften Leserbriefschreiber und Podiumsdiskussionszwischenfrager vernachlässigen sie. Wer heute klugscheißt, beherrscht den virtuosen Einsatz der Worte „Twitter“, „Google“ und „Facebook“.

Genau das hat Ilse Aigner getan. Die Welt war schockiert, denn sie deckte Unglaubliches auf: Facebook gibt Daten weiter. Da drängt sich natürlich sofort eine Frage auf, nämlich: Ilse wer?
Genau das muss sie sich auch gedacht haben, die Bundesministerin für Verbraucherschutz: Jetzt soll die Welt mich kennenlernen, ich leg mich mit Facebook an. Immerhin reichte es für einen Auftritt in der Talkshow von Maybritt Illner. Maybritt wer? Ist egal, die findet man bei Facebook.

Das Thema lautet also zusammengefasst: Unbekannte Ministerin sucht Bekanntheit durch längst bekanntes Problem. Das Problem sieht so aus: Sagen wir mal, Thomas und Maik sind Facebook-Freunde. Im realen Leben spannt jetzt der Thomas dem Maik die Freundin aus. Was macht Maik als moderner Mensch, der gerade gehörnt wurde? Richtig, er loggt sich bei Facebook ein und ändert seinen Beziehungsstatus. Jetzt können alle lesen, dass Maik wieder Single ist, natürlich auch Thomas, der das Ganze souverän kommentiert mit: „Thomas gefällt das.“

Und was macht Maik als moderner Mensch, der gerade gehörnt und noch zusätzlich verhöhnt wurde? Er greift zum härtesten aller Mittel – und kündigt Thomas die Facebook-Freundschaft. Und während Maik jetzt völlig am Ende ist, kommt auch noch Ilse Aigner daher und sagt: „Maik, schau mal: Das alles ist doch noch gar kein Drama. Aber wenn du morgen eine Email von Amazon bekommst mit einer Buchempfehlung wie ‘Single sein ist doch auch ganz nett’, erst dann ist das wirklich ein Problem.“

Als Alternative bleibt da nur der Ausstieg. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann werden Leute in öffentlich-rechtlichen Talkshows zu Gast sein, bloß weil sie Facebook-Aussteiger sind. Vielleicht ja auch Ilse Aigner. Bleibt die Frage: Was passiert, wenn Ilse Aigner bei Facebook aussteigt? Ganz einfach: Dann bleibt alles beim Alten. Dann hat Ilse Aigner: kein Profil.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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