Zu: Aprilscherze, Lasse Bumsen und Guido

Die EU will nach Glühbirnen jetzt Duschköpfe verbieten, Verkehrsminister Ramsauer fordert innerorts überall Tempo 30 – am 1. April vermelden die Medien eigentlich genauso viel Unwahres wie sonst auch, nur heute hat es einen offensichtlichen Grund. Ob Zeitung, Fernsehsender, Blog oder Presseabteilung – überall lassen sich Leute einen Aprilscherz einfallen. Dabei taucht der Aprilscherz im Alltag kaum noch auf, findet unser Kolumnist Jan Kröger.

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Ich muss so sieben oder acht Jahre alt gewesen sein, da weckte mich mein Vater mit den Worten: „Jan, hinterm Haus, da steht ein riesiges Pferd!“ Naja, das Pferd stand natürlich nicht mal aufm Flur, aber viel wichtiger ist: Das ist tatsächlich der letzte Aprilscherz, an den ich mich erinnern kann. Was vielleicht daran liegt, dass gute Aprilscherze einfach schwer sind. Oft sieht das so aus wie Stefan Raab bei „TV Total“: Da will jemand witzig sein und am Ende lacht nur er selbst. So macht Verarschen natürlich keinen Spaß. Auch mein Lieblingsscherz aus vorpubertären Tagen, der Telefonstreich mit der Bombendrohung, war mir irgendwann zu doof – und hätte spätestens ab dem 11. September auch zu gewissen Komplikationen geführt.

Also überlassen wir die Aprilscherze denjenigen, die daran gewöhnt sind, auf die Schnauze zu fliegen: den Medien. Sonderlich einfallsreich sind die nicht. Dieses Jahr geht es meist um Themen, um die es eh schon zu oft geht, nämlich Google, Apple, Google, Facebook und Google. Da ist sogar die CDU kreativer, die im Landtag von Schleswig-Holstein das Bernsteinzimmer gefunden hat. Die Tierschutzorganisation PETA vermeldet, unter dem Motto „Lieber nackt als Pelz tragen“ würde sich Guido Westerwelle für sie ausziehen. Und eine Menschenrechtscombo namens Survival International erfindet einen botsuanischen Minister für das Wohlbefinden der Buschleute, der Lasstsie Biertrinken heißt. Was einerseits so afrikanisch anmutet wie letztes Jahr Undercover-Journalist Günter Wallraff, als der sich schwarz anmalen ließ, um so zu recherchieren, wie es Afrikanern in Deutschland ergeht. Man sah die Fotos und sagte sich: „Hey, das ist ja Günter Wallraff, und er hat sich schwarz angemalt.“ Andererseits mag ich Lasstsie Biertrinken, weil er an legendäre Kalauer erinnert wie den chinesischen Sportminister Do Ping oder den dänischen Familienminister Lasse Bumsen.

Am besten sind aber Meldungen, die wie ein Aprilscherz klingen, aber tatsächlich ernst gemeint sind. Auch sowas hab ich heut gelesen. In einem Interview sagte Philipp Mißfelder von der CDU: „Schwarz-Gelb ist ein Traum“. Philipp Mißfelder, das ist einer dieser Jungpolitiker, die sich sprachlich so elegant bewegen wie Dieter Althaus auf der Skipiste. Die so auftreten, als wären sie als Kleinkind sogar von Oma in die Pfütze geschubst worden. Der Vorsitzende der Jungen Union eben. „Schwarz-Gelb ist ein Traum“ – klingt tatsächlich nach Aprilscherz, stimmt aber. Hab nämlich nachgekuckt, wie Träume in der Psychologie definiert werden: „Ein Traum, das ist eine bizarre oder halluzinatorische mentale Aktivität.“ Und das muss ich jetzt gar nicht weiter kommentieren, oder?

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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