Zu: Griechenland

In der Europäische Union wurde in den vergangenen Wochen vor allem ein Land zum Thema: Griechenland. Das Land ist hoch verschuldet, die Euro-Staaten stritten darum, ob und wie man Griechenland helfen soll. Gestern gab es eine Einigung auf dem EU-Gipfel – und damit endete wohl auch eine wochenlange öffentliche Debatte, die unser Kolumnist Jan Kröger eigentlich ziemlich interessant fand.

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Mensch, was war das mal wieder ’ne große Zeit für kleingeistigen Journalismus. Ich mein, vom „Focus“ ist man ja Schund gewohnt, aber von der „Bild“-Zeitung?! Seit Wochen schreibt die nämlich nicht mehr über Griechenland, sondern nennt das Land immer nur: „die Pleite-Griechen“. Und der „Focus“ dichtete die denkwürdige Schlagzeile „Griechenland – 2000 Jahre Verfall“.

Wie gut, dass Schund eine internationale Seuche ist: So hat sich denn auch eine griechische Zeitung anständig revanchiert und Angela Merkel mit Hitler verglichen, in einer anderen wurde ein Bild des Brandenburger Tors mit Hakenkreuzfahnen versehen. Wie putzig!

Da frag ich mich nur: Warum holen die den blöden Nazivergleich aus dem Führerbunker hoch, wenn es doch etwas gab, das ich wirklich nervig fand an dieser Griechenland-Debatte – nämlich diese Klugscheißerei, frei nach dem Minderwertigkeitskomplex: Wir Deutschen, wir machen immer die Drecksarbeit – und keiner hat uns lieb.

Denn worum geht es denn bei einer Schlagzeile wie „Griechenland – 2000 Jahre Verfall“? Es geht darum zu sagen: Tja, ihr Griechen, tolle Philosophen hattet ihr mal – aber nun müssen wir euch zeigen, wo die Götter den Nektar holen. Eine große Geschichte habt ihr, aber es musste ja erst ein Deutscher kommen, damit Troja ausgegraben wird.

Und diese Klugscheißerei hat Tradition: 2004 wurde Griechenland Fußball-Europameister, hierzulande hieß es: „Otto Rehhagel ist Europameister!“ Wenige Wochen später fand Olympia in Athen statt – und für jede deutsche Zeitung war da schon lange klar, dass die Griechen ihr Olympiastadion nicht pünktlich fertig bauen werden. Komischerweise stand das Ding dann doch. Muss wohl ’ne deutsche Baufirma gewesen sein.

Übrigens fahren in diesem Jahr bisher deutlich weniger Deutsche nach Griechenland in Urlaub. Was ja logisch ist, denn jetzt wo das Land kein Geld mehr hat, ist natürlich der Himmel auch nicht mehr blau und jede dritte Kykladeninsel ist im Meer versunken. Wie Atlantis. Das habt ihr Griechen ja auch noch immer nicht gefunden. Muss wohl wieder ein Deutscher kommen.

Also, um das Ganze auf eine Aussage zusammenzufassen: Ihr Griechen habt für euren Verfall 2000 Jahre gebraucht. Wir Deutschen, wir haben den Verfall damals in den 30ern in weniger als zwölf Jahren geschafft!

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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