Der bürgerliche Gruppenreisende

Unser Kolumnist Jan Kröger reist gerade durch die Weltgeschichte. Deswegen spricht er zur Zeit auch nicht über aktuelle Ereignisse. Stattdessen hat er sich Gedanken gemacht über das Reisen selbst: In diesen Wochen stellt er ihnen drei klassische Reisetypen vor. Den Anfang hat der weltoffene Jungakademiker gemacht – und heute geht es um: den bürgerlichen Gruppenreisenden.

Der bürgerliche Gruppenreisende fährt in den Urlaub, damit dort eigentlich alles genauso ist wie zuhause. Höchstens ein bisschen sonniger. Aber bitte auch nicht zu sonnig. Einfach im klimatisierten Reisebus umherfahren und Fotos machen. Wie schön! Gleichzeitig amüsiert er sich über die Japaner: Die fahren ja nur im klimatisierten Reisebus umher und machen Fotos. Wie drollig!

Die Reisegruppe kennt sich meist schon. Im Idealfall aus dem Verein. Und ein Verein soll ja nicht aussehen wie ein bunter Haufen Fleischwolfreste, sondern wie ein einheitlicher Haufen. Deswegen haben auch alle das gleiche Hemd an. Darauf steht noch einmal ganz genau geschrieben, wo es hingeht, von wann bis wann die Reise dauert und wie der Verein überhaupt heißt. Der Eingeborene soll schließlich sehen: Da kommt nicht irgendwer, da kommt Germania 05. Das Hemd steckt grundsätzlich fest in der kurzen Hose, und ich weiß nicht warum, aber: Die Hose wird immer genau so gegürtelt, dass der Wirtschaftswunderbauch richtig schön zum Vorschein kommt.

Das Reisen in der Gruppe findet für die meisten im Passiv statt: Es wird gefrühstückt, es wird gezeigt, um halb eins wird gegessen, es wird gewandert und – das ist mein Liebling – es wird Freizeit angeordnet.

Wenn alles vorbei ist, verfasst ein Mitglied einen Reisebericht für die Vereinszeitung, der so lang ist, dass nur diejenigen ihn lesen, die sowieso dabei waren. Der Bericht wird auch an die Lokalzeitung geschickt, mit der Erwartungshaltung „Der wird eh nicht gedruckt.“ Einfach damit man sich drüber aufregen kann, dass das Käseblatt seinen Platz lieber für unwichtigen Kram wie Politik verschwendet.

Der bürgerliche Gruppenreisende ist der klassische Typ des deutschen Urlaubers. Der Heino unter den Touristen. Ein Fossil, das lebendiger ist als je zuvor. Für jede heranwachsende Generation ist er sowas wie das absolute Negativ-Vorbild: Wenn ich mal so alt bin und sowas mache, dann erschieß mich, sagen wir gern. Und trotzdem: 30 Jahre später sind die Reisebusse wieder voll. Irgendwann setzt also im Hirn des Menschen eine Wandlung ein und plötzlich findet er die organisierten Gruppentouren total toll. Ich frag mich nur, wann diese Wandlung kommt – ich weiß es nicht, jedenfalls noch nicht. Und im Moment bin ich auch sehr froh darüber.

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

2 Antworten zu "Der bürgerliche Gruppenreisende"

  1. Daniel K. sagt:

    Schade, das ist laaaaangweilig! Ein Bericht von einer Gruppenreise wäre ganz spannend, schließlich dürfte der gemeine Weiter-Leser sich in der Regel noch nicht als “bürgerlicher Gruppenreisender” probiert haben. Aber einfach nur Klischees wiederholen? Nö, das find ich blöd. Passt auch nicht zum Rest dieses ambitionierten Projekts.

  2. Rainer Hachfeld sagt:

    kann ich dir genau sagen, lieber jan kröger, wann diese wandlung kommt. wenn du mal nicht mehr student bist, dein arbeitgeber 3 wochen urlaub “am stück” total überzogen findet und du trotzdem auf eigene faust, ohne gruppe, eine reise in ein völlig unbekanntes land, gern in afrika, organisiert hast…. tage vergehen nur mit der beschaffung von flügen, bussen und unterkünften, das selbst gewählte hotel liegt zwar toll, kostet aber ein vermögen ( ist günstig, aber liegt mitten in mombasa ), die auswahl des restaurants dauert stunden, weils entweder gar nix gibt oder zu teuer, oder du isst einfach auf der straße was und verbringst dann 3 tage im hospital der 7-tage-adventisten. und dann, nach 2-3 wochen, gehts heim an den arbeitsplatz und der chef hat schon richtig sportliche ideen um dich rund um die uhr zu beschäftigen….

    viel spaß weiterhin mit “weiter”… rainer hachfeld

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