Zu: Platzhirsch

Deutschland hat neun Nachbarländer. Mit allen leben wir friedlich zusammen. Wenn auch noch nicht sehr lange. Manchmal spielt sich Deutschland aber immer noch als Platzhirsch auf, vor allem gegenüber unseren kleineren Nachbarländern. Für unseren Kolumnisten Jan Kröger ist das in der letzten Woche gleich zweimal der Fall gewesen – wenn auch auf ziemlich unterschiedliche Weise.

In Kooperation mit detektor.fm

Wenn die Welt ein Kindergarten ist, dann war Deutschland meist ein jähzorniger Junge. Ein jähzorniger Junge, der jedoch einen der besten, schönsten und höchsten Bauklotztürme baute. Aus irgendeinem Grund war Deutschland trotzdem mit seinem Bauklotzturm unzufrieden, machte ihn kaputt und die Türme aller anderen Kinder gleich mit. Dann baute Deutschland seinen Bauklotzturm wieder auf und bewundert sich seitdem für diese tolle Leistung.

Keine Frage, Deutschland ist ruhiger geworden. Was aber nicht heißt, dass hier kein Politiker mehr weiß, was Macht ist. Zum Beispiel, wenn es um die Schweiz geht. Die hat nämlich ein Steuerrecht, an dem deutsche Finanzminister seit Jahren verzweifeln. Wie gut, wenn man sich für den Preis eines mittelmäßigen Bundesligaspielers eine äußerst praktische CD kaufen kann. Darauf sollen die Daten von Deutschen sein, die ihr Geld nicht ganz koscher bei einer Schweizer Bank geparkt haben. Für die meisten sind das Steuerhinterzieher, die FDP nennt sie „Leistungsträger der Gesellschaft“.

Die Daten auf der CD sollen 400 Millionen Euro einbringen. Für die Steuerhinterzieher heißt das: Legt euer Geld unbedingt wieder in Deutschland an. Denn wenn die Bundesregierung mal 400 Millionen Euro übrig hat, dann wird das Geld doch eh in Steuergeschenke gesteckt, die – genau – den „Leistungsträgern der Gesellschaft“ zu Gute kommen.

So geht Machtpolitik: Die Schweiz schützt ihr Bankgeheimnis und nimmt dafür in Kauf, Kriminelle zu decken. Deutschland will aber deren Geld, kommt aber auch nicht wirklich astrein an deren Daten. Am Ende siegt der Größere und alle sind so dreckig wie die Unterhose von Arjen Robben. Womit wir beim anscheinend wichtigsten Thema dieser Woche sind.

Wer es dennoch verpasst hat: Der holländische Bayern München-Spieler Robben hat in den letzten Wochen wegen der Kälte mit einer langen grauen Unterhose gespielt, in Fachkreisen auch Liebestöter genannt. Dann aber hat der Deutsche Fußball-Bund in seinen Gesetzen gekramt und festgestellt: So eine Unterhose muss die gleiche Farbe haben wie die kurze Hose der gesamten Mannschaft. Und die ist bei Bayern München rot – was Robbens Unterhose nicht automatisch zu Reizwäsche aufwerten wird.

Sei’s drum, wie die Bundesregierung gegenüber der Schweiz hat auch der DFB Machtpolitik bewiesen: Auf deutschen Fußballplätzen hat man sich anständig anzuziehen, das gilt auch und erst recht für Holländer. Ja, wir Deutschen, wir sind wieder wer. Oder wie Lothar Matthäus sagen würde: „Nur nicht den Sand in den Kopf stecken!“

Veröffentlicht unter: Jan Kröger, Kolumne der Woche

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