Zu: Spenden

Es gibt diese Ereignisse, bei denen wir Menschen völlig machtlos scheinen. So wie beim Erdbeben auf Haiti. Von bis zu 100.000 Toten ist die Rede – wer helfen will, kann das meist allenfalls durch Spenden tun. Ein Thema, das auch unser Kolumnist Jan Kröger spannend findet: vor allem vor dem Hintergrund, dass vor einer Woche das Wort „Naturkatastrophe“ noch etwas ganz anderes bedeutete.

Die Kolumne der Woche ist eine Kooperation mit dem Webradio detektor.fm

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Da haben wir ja grad nochmal Glück gehabt, als uns letzte Woche „Daisy“ erwischte, der Schneesturm, der Blizzard, die Naturkatastrophe: Minustemperaturen und Schnee im Januar. Viele Menschen steckten auf der Autobahn fest. Wie durch ein Wunder blieben sie unverletzt. Und mehrere Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. In Vorpommern. Als ob das was mit Schnee zu tun hätte.

Dann passiert so etwas wie auf Haiti, und wir wissen nicht mehr, wie wir es nennen sollen, weil selbsternannte Nachrichtensender das Wort „Naturkatastrophe“ fürs nächste Gewitter brauchen. Wenn man nicht mehr weiß, was man tun kann, ist Spenden eine feine Sache. Eine noch feinere Sache ist es, richtig zu spenden. Hilfsbereitschaft kann nämlich ganz schön meschugge machen, es sei denn, man schmeißt seinen Fernseher raus, vermeidet einen Bummel durch die Fußgängerzone und geht weder an die Tür noch an den Briefkasten.

Zum Beispiel Fußgängerzone: Mit riesigen Sonnenschirmen machen Organisationen auf sich aufmerksam, deren Ziele mir an sich verdammt sympathisch sind. Doch egal wie viele Bilder von Pandas und Regenwäldern da auf den Beistelltischen ausliegen: Ich werd das Gefühl nicht los, mein Geld geht nur an weitere unterbezahlte Studenten, die noch mehr Menschen ansprechen mit dem Satz „Hallo, magst du Tiere?“

Zum Beispiel Fernsehen: Wer als Schauspieler nicht einmal mehr fürs „Traumschiff“ gebucht wird, setzt all seine Hoffnungen in die Weihnachtszeit – es wird sich schon noch eine Gala finden lassen, um neben ehemaligen Schlagerstars oder ähnlichen Altersheimanimateuren am Spendentelefon zu sitzen.

Aber auch wer als Schauspieler oder Sänger total erfolgreich ist, kann Unsinn anstellen: zum Beispiel auf Safari gehen und als Souvenir ein Kind mitnehmen.

Ein Schuldenerlass für Afrika, der vor allem den Armenvierteln zu Gute kommen soll, ist dagegen keine blöde Idee. Dumm nur, wenn man damit wie Bono zum G8-Gipfel rennt und Politiker das alles regeln lässt. Was ich damit meine: Letztes Jahr war ich in Kenia, weil ich auch mal mehr tun wollte als drüber reden. Ein Elendsviertel in Nairobi bekam von genau diesem G8-Programm – hurra! – eine asphaltierte Straße. Wie soll ich’s sagen: Die Kunde verbreitete sich natürlich schnell über den gesamten Kontinent und schon heute wünscht sich jeder Afrikaner, der nichts zu essen hat, eine ebenso wunderschöne asphaltierte Straße.

Aber genug Zynismus für heute! Ich werde trotzdem was geben. Und sei es nur aus dem absurden Grund, dass man beim Spenden weitaus dämlichere Dinge anstellen kann.

Veröffentlicht unter: Kolumne der Woche

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