Zu: Weihnachten

Unser Kolumnist Jan Kröger geht jeden Freitag auf ein Thema ein, das die Nachrichten bestimmt. Es sei denn, es gibt etwas, das noch wichtiger ist. Wie Weihnachten zum Beispiel.
Die Kolumne der Woche ist eine Kooperation mit dem Webradio detektor.fm

Was soll ich denn jetzt noch zu Weihnachten sagen? Die Geschenke sind ausgepackt, heute ist der Tag der Spaziergänge und der Pflichtbesuche. Das wäre ein geeigneter Anfang, wenn ich über Weihnachten mal anständig rumnörgeln würde. Macht aber schon jeder andere Kolumnist.

Weihnachten ist zwar auch ein Fest der ewigen Wiederholung, aber es hat wirklich keinen Sinn, wenn auch ich noch erzähle, wie stressig Weihnachtseinkäufe sind und dass die Buchläden so voll sind, dass ich Amok laufen könnte – wär ich früher bei Counterstrike bloß nicht so schlecht gewesen.

Ich könnt euch erzählen, wie Weihnachten in meiner Familie abläuft – aber das ist schon vor mehr als dreißig Jahren von Loriot gefilmt worden.

Oder soll ich blöde Sprüche machen über die biblische Weihnachtsgeschichte? Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus geboren wurde, und seine Eltern hießen Maria und Josef, außer beim ZDF, da heißen sie Marianne und Michael. Und wo wir grad beim Fernsehprogramm sind: Natürlich könnt ich auch Kulturkritik machen zum Fernsehprogramm der Privatsender an Heiligabend. Wenn der Heiland auf die Welt kommt, dann kommt der „Highlander“ auf RTL.

Ganz klar, es scheint ziemlich leicht, über Weihnachten herzuziehen. Aber das ist es überhaupt nicht.

Denn jedes Jahr gibt es diese kleinen Momente. Zum Beispiel Kinder, die in den Geschäften ihren Eltern vorquengeln, was sie sich alles wünschen. Ich lach jedes Mal über die Ausflüchte der Eltern. Mein Liebling war der Satz: „Aber manchmal schenkt der Weihnachtsmann auch was pädagogisch Wertvolles.“ Oder letzte Woche erst, da saß ich im Konzert. Ein Chorkonzert zu Weihnachten. Es war fantastisch, denn wann können so simple Melodien einem sonst so nahe gehen? Und natürlich kenne ich kaum was Schöneres als gelungene Geschenke.

Alles weil dieses kleine bisschen Mehr da ist: an Zuneigung, an Gutgläubigkeit und an kindlicher Unschuld. Das alles tut verdammt gut. Und deswegen kann ich auch nicht drüber herziehen. Das ist es vielleicht, was ich noch zu Weihnachten sagen kann.

Veröffentlicht unter: Kolumne der Woche

2 Antworten zu "Zu: Weihnachten"

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