Zur: PKK

Am Mittwoch drangen Anhänger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in die Sendezentrale von RTL in Köln ein. Ihr Ziel: RTL sollte einen Beitrag senden, der die Freilassung von PKK-Führer Öcalan forderte. Die PKK wird in Europa als Terrororganisation eingestuft – aber ihre Anhänger in Köln blieben gewaltlos und wollten mit Sitzblockade und Singen ihre Forderung durchsetzen.

Für unseren Kolumnisten Jan Kröger ein großartiges Beispiel, wie sehr Selbstüberschätzung und unfreiwillige Komik zusammengehören.

Wir Männer sind als Kind nie geliebt worden, uns fehlten Anerkennung und vor allem männliche Rollenvorbilder, zwangsläufig sind wir beziehungsunfähige Einzelgänger. Mit dieser Psychoanalyse für Dummies können wir jeden Akt der freiwilligen Selbstzerstörung rechtfertigen, ganz egal ob wir fremdgehen, mit Tempo 100 im zweiten Gang durch die 30-Zone fahren, dem Suff verfallen oder Angriffskriege anzetteln. Wer uns trotzdem liebt, ist selbst dran schuld. Wenn schon geliebt werden, dann doch bitte gleich von ganzen Volksmassen, und wenn das nicht klappt, bleibt die einzige Person außer Mama, die uns wirklich lieben darf: Ich.

Terroristen sind ein Musterbeispiel für diese narzisstisch gestörte Sicht der Dinge. Wie schreibt es zum Beispiel einer ihrer Besten, Abdullah Öcalan, Führer der PKK, die mit Terror und Gewalt ein eigenständiges Kurdistan erreichen will: “Ich hatte stets mit schweren Problemen zu kämpfen. Trotz allem bin ich ein unerschöpflicher Quell des Lebens. Auf dieser Welt gibt es niemanden sonst, der die Lösung der Probleme und die Befreiung der Menschen auf einem dermaßen unglaublichen Niveau betreibt.” Dass Öcalan seit zwölf Jahren in der Türkei in Haft sitzt, hält ihn dabei nicht auf, denn auch dazu hat er ganz bescheiden was zu sagen: “Als Jesus ans Kreuz genagelt wurde, weinten die Menschen seiner Umgebung lediglich. Beim Tode Mohammeds diskutierte man im Angesicht seines Leichnams drei Tage über die Nachfolge. Als Lenin starb, beging niemand Selbstmord. Aber als ich verhaftet und ausgeliefert wurde, übergaben sich die Kinder, Söhne und Töchter des kurdischen Volkes gleich zu Hunderten lichterloh brennend den Flammen.” Diesen Massensuizid aus Liebe zu Öcalan hat es natürlich nie gegeben, das weiß auch er selbst, und schreibt folgerichtig wenige Zeilen später: “Wenn ich es nicht persönlich verhindert hätte, Tausende wären bereit gewesen.”

Und wie sieht es heute aus? Am Mittwoch stürmten PKK-Anhänger die Zentrale von RTL. Sie wollten, dass in der Sendung Explosiv ein Beitrag ausgestrahlt wird, der Öcalans Freilassung fordert. Was macht der anständige Terrorist? Er stürmt die Redaktion, erschießt die Moderatorin, und während sie oben im Himmel auf Petrus trifft mit den Worten “Hallo, ich bin Frauke Ludowig”, wundert sich der RTL-Zuschauer unten, warum in der total authentischen Doku über irgendeine nordrhein-westfälische Hartz IV-Familie plötzlich dieser anatolische Terrorschnäuz auftaucht. Aber was machten die PKK-Fans bei RTL? Setzten sich auf den Boden und sangen Lieder. Sie waren unbewaffnet. Wenn das der Führer wüsste…

Natürlich wurde diese Comedy-Version einer Terrorzelle schließlich von der Polizei abgeführt. Einziger Erfolg: Außenminister Westerwelle erbarmte sich, die Aktion zu verurteilen. Immerhin. Aber der Guido hat dafür ja ein Herz: Denn wenn es um Organisationen geht, deren langjähriger, narzisstisch gestörter Anführer kaltgestellt ist und die seitdem umso mehr durch unfreiwillige Komik auffallen – dann ist Guido Westerwelle in der Tat ein echter Experte.

Veröffentlicht unter: Gemein(t), Jan Kröger, Kolumne der Woche

4 Antworten zu "Zur: PKK"

  1. BEnoman sagt:

    Schlechter Beitrag.

  2. Gast sagt:

    ..für eine handvoll lire…

  3. Bitte mit Niveau sagt:

    Sehr geehrter Herr Kröger, liebe Redaktion, verehrte Leser,

    leider muß ich erneut zur Kenntnis nehmen, dass sich die Qualität journalistischer Arbeit in Deutschland zunehmend zu verschlechtern scheint; um nicht zu sagen, gar zunehmend versagt.

    “Für unseren Kolumnisten Jan Kröger ein großartiges Beispiel, wie sehr Selbstüberschätzung und unfreiwillige Komik zusammengehören.”

    Wenn ich dieses Zitat auf Ihre Leistung bezüglich des Beitrags beziehen würde, dann würde ich zustimmen.
    Eine Provokation werden Sie wohl denken. Der wahre Hintergrund jedoch ist, dass mich Ihr Beitrag zutiefst erschüttert. Ich frage mich, wie eine ernst zu nehmende Redaktion einer Veröffentlichung eines Kolumnisten zustimmen kann, dessen Darstellung auf erschreckend populistische Weise ein fundamentales Unwissen über die niedergeschriebene Thematik offenbart. Das Argument der Pressefreiheit – von dessen ich ein Verfechter bin -, hätte hier aufgrund der festzustellenden mangelnden Verantwortung seine Begrenzung in der Wirksamkeit als ein gutes oder gar berechtigtes zu sein.
    Abgesehen davon, dass dieser Beitrag qualitativ erschreckend schlecht ist, ist er aufgrund der aufweisenden Desinformationen sogar gefährlich.
    Wenn Medien nicht in der Lage sind die Ereignisse über die sie berichten selbst zu verstehen, so verfehlen sie ihre Aufgabe, einen Beitrag für die Dempkratie zu leisten.

    Ich appeliere an dieser Stelle an Sie Ihre Verantwortung wahr zu nehmen und seriös, differenziert und unideologisch zu recherchieren.

    Mfg

    EM

  4. jan sagt:

    Liebe/r EM,
    dass Sie meine Kolumne als “erschreckend schlecht” kritisieren, lese ich natürlich nicht gern. Hier kann ich nur hoffen, dass Ihnen andere Beiträge von mir besser gefallen.
    Drei Fragen habe ich hingegen zu den handwerklichen Fehlern, die Sie mir vorwerfen:
    - Wo offenbare ich “ein fundamentales Unwissen”?
    - Wo bin ich in meiner Darstellung “erschreckend populistisch”?
    - Wo machen Sie “Desinformationen” aus?
    Dazu hätte ich gern ein paar Fakten erfahren, denn ich stimme mit Ihnen darin überein, dass Medien in der Lage sein sollten, jene Ereignisse zu verstehen, über die sie berichten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Jan Kröger

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Ein Kommentar zur MDR-Intendantenwahl Der glücklose LVZ-Chefredakteur, den nicht nur die üblichen Verdächtigen berichterstatterisch aufs Korn nahmen (also jene Medien, ...