Zu: Belgien

Deutschland hat neun Nachbarländer. Eines davon heißt Belgien. Sicher, es ist eines der kleineren Nachbarländer, von denen wir oft nicht so viel wissen. Wissen Sie zum Beispiel, wer in Belgien regiert? Das Schöne daran: Das wissen selbst die Belgier nicht. Das kann man jetzt chaotisch nennen. Für unseren Kolumnisten Jan Kröger ist es: zukunftsweisend.

In Kooperation mit detektor.fm

Es gibt Länder, die liegen so weit außerhalb des eigenen Bewusstseins, von denen kann man hier in Deutschland einfach keine Ahnung haben: Tonga zum Beispiel, Burundi oder eben Belgien. Mal ehrlich: Als jemand, der nie auch nur in der Nähe der belgischen Grenze gelebt hat, stammt alles, was ich über Belgien weiß, von Wikipedia oder aus Jahre alten Nachrichten. Demnach hat Belgien fast elf Millionen Einwohner. Davon sind ein Drittel Kinderschänder, ein Drittel füttert seine Hühner mit Dioxin und alle anderen sind gedopte Radfahrer. Der Belgier an sich ernährt sich von Bier, Frittenfett und Pralinen. Das ist in Deutschland schon weniger bekannt. Und wenn doch, dann geht man davon aus, dass belgisches Bier und belgisches Frittenfett sich geschmacklich gleichen. Wobei das nicht fair ist, denn Köln ist nicht gleich Belgien. Und mit Pralinen als Spezialität begeistert man hierzulande auch nur eine Minderheit, da der Deutsche an sich wiederum vor allem solche Produkte hochachtet, denen er eine Unterbodenwäsche verabreichen kann. So weit die Vorurteile, doch in den letzten 15 Monaten verblüfft uns der Belgier mit einer einzigartigen Innovation. Und wir haben noch gar keine Ahnung, wie zukunftsweisend das alles ist.

Seit 15 Monaten hat Belgien zwar weiterhin einen König – einen modernen europäischen Monarchen mit allem, was dazugehört: viel zu reden, nichts zu sagen, uneheliche Tochter womöglich auch. Und König Albert darf einen Politiker damit beauftragen, die belgische Regierung zu bilden. Doch in den letzten 15 Monaten ist keine echte Regierung zustande gekommen. Und darin liegt die Innovation: So wirklich gestört hat das niemanden. Erst als in den letzten Tagen von einem Durchbruch bei der Regierungsbildung die Rede war, sollen sich die Belgier daran erinnert haben, dass es ja auch noch Politiker in ihrem Land gibt.

Kein Chaos auf den Straßen in Brüssel, keine Straßenkämpfe in Antwerpen und keine geplünderten Geschäfte in Brügge. Nun könnte man einwenden, dass die Welt seit 15 Monaten keine Ahnung hat, was Belgien eigentlich zur Euro-Krise oder zum Libyen-Konflikt beitragen will. Nur zum Vergleich: Deutschland hat im selben Zeitraum eine Regierung mit stabiler Mehrheit gehabt, ist zudem deutlich größer als Belgien. Und das Resultat bei Euro-Krise oder Libyen-Konflikt? Streng genommen dasselbe.

Und wenn Sie vor einigen Tagen auch die Schlagzeile gelesen haben „Familienministerin Schröder ist aus der Babypause zurück“ – haben Sie da nicht zufällig auch gedacht: Ach so?! Die war weg?!

Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Veröffentlicht unter: Gemein(t), Jan Kröger, Kolumne der Woche

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