Zu: Adolf und Aufmerksamkeit

Es vergeht kein Jahr, ohne dass sich nicht irgendeine prominente Person mit konfusen Äußerungen zu Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus öffentlich blamiert. Beim Filmfestival in Cannes hat es nun der dänische Regisseur Lars von Trier geschafft. Wenn Sie wissen wollen, wie man mit jeder Menge historischem Halbwissen endlich Aufmerksamkeit bekommt – dann müssen Sie einfach Jan Krögers Kolumne öffentlich vorlesen.

Eines vorweg: Es war vieles schlecht, was dieser Mann, Adolf Hitler, was er getan hat, absolut falsche Dinge waren das. Aber ich verstehe den Mann. Es ist ja auch später viel eingerissen, die 68er, die DDR – wo kommen denn all die Kinderleichen in Ostdeutschland her? Da kann man nicht für all das Adolf verantwortlich machen.

Gut, Vergleiche sind immer eine schwierige Sache. Da muss man aufpassen, dass man da nicht irgendwas durcheinanderbringt. Aber was die in Israel heute mit den Palästinensern machen, ich mein, das liegt doch auf der Hand… Und Autobahn wird man ja wohl noch mal sagen dürfen.

Nur: Man darf es eben nicht. Wo man hinfährt, überall wird man als Deutscher im Ausland immer nur auf diesen einen Mann reduziert. Und wir machen das Spiel auch noch mit: Betroffenheitskultur, die Fahne wird nur rausgehängt, wenn WM ist, und sobald man den Mund aufmacht, kommt die Moralkeule mit den Lagern in Polen. Überhaupt, Polen: Wer in unserem Land ein Förderprojekt für schwule Trauerseeschwalben eröffnet, dem ist der Beifall sicher. Aber wehe, man weist mal darauf hin, dass Polen schon Monate vor dem September ’39 gegen Deutschland mobil gemacht hat.

Es ist nicht möglich. Die gleichgeschalteten Mainstream-Medien: Sie wissen, wann wir das mit der Gleichschaltung schon mal hatten, nicht wahr?

Aber was reg ich mich überhaupt auf, ich bin doch nur ein D-Promi mit Aufmerksamkeitsdefizit und habe leider das falsche Geschlecht, sonst würde ich das mal eben mit Silikontitten kompensieren. Und leider kommt auch alle drei Wochen jemand anderes mit bescheuerten Adolf-Vergleichen daher. Man weiß ja gar nicht mehr, womit man auffallen soll.

Ficken – wenn ich das früher gesagt habe, sind alle schreiend rausgerannt. Heute schockiert das niemanden mehr. Und deswegen sah ich mich gezwungen, das Leben Adolf Hitlers in diesem Porno zu verewigen. Das wird man ja wohl noch mal machen dürfen!

Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Veröffentlicht unter: Gemein(t), Jan Kröger, Kolumne der Woche · Etiketten: , , , , , , , ,

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