Zu: Ja-Sagern

Wenn sechs deutsche Fernsehsender zur gleichen Zeit dasselbe Bild zeigen, dann muss wirklich was besonderes los sein. Und natürlich: Heute fand sie statt, die Traumhochzeit des Jahres. Dennoch hat es längst nicht jeder gesehen, denn anders als die Briten müssen wir in Deutschland heute arbeiten. Für alle, die die Hochzeit verpasst haben, fasst unser Kolumnist und Society-Experte Jan Kröger das Wichtigste nochmal zusammen.

Es war um Punkt 11 Uhr 19 Greenwich Mean Time, als sich Willy und Katrin Böckenförde in der Kapelle St. Gertrud zu Grevenbrück im Sauerland das Jawort gaben. Mehr als 71 Gäste begleiteten die Trauung, darunter Größen aus Kommunalpolitik und Sportverein.

Im Vorfeld war viel spekuliert worden, etwa über das Kleid der 29-jährigen Braut: Renommierte Designer wie der Otto-Versand hatten ihr einen kostenlosen Katalog geschickt, am Ende machte Brautmoden Müller in Lüdenscheid das Rennen. Der 28-jährige Einzelhandelskaufmann Willy Böckenförde heiratete in der stattlichen Uniform eines Hauptbrandmeisters der Freiwilligen Feuerwehr Grevenbrück.

Auch die Gästeliste bot bis zum Schluss Anlass für zahlreiche Diskussionen: Schmerzlich vermisst wurde Willys Erbtante Gisela, die sich jedoch im fernen Florida wohl noch nicht vollständig von einer komplizierten Hüftoperation erholt hat.

Als das Brautpaar nach dem rund 45-minütigen Gottesdienst ins Freie trat, stand die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Spalier und stimmte das Lied „Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle“ von Wolfgang Petry an – zu jenen Klängen hatten sich Katrin und Willy vor nunmehr neun Jahren auf einem Scheunenfest in Dünschede morgens um halb 3 kennengelernt.

Von der Kapelle St. Gertrud fuhr das Paar in einem metallicgrauen Opel Astra G, Baujahr 2001, zu den weiteren Feierlichkeiten in den Gasthof „Zum röhrenden Hirsch“. Kurz nach halb 3 Uhr Ortszeit traten die frisch Vermählten auf den Balkon des Lokals – zahlreiche Enten und Frösche im darunter liegenden Karpfenteich quakten ihnen zu.

Von der Hochzeit im Hause Böckenförde erhofft sich Grevenbrück ein Aufblühen des örtlichen Edeka-Marktes. Dort steht, trotz ihrer 85 Jahre, noch immer Willys Großmutter Lisbeth an der Fleischtheke – als sie kurz nach dem Krieg den Laden übernahm, hieß er noch „Böckenförde Kolonialwaren“. Im Ort heißt es, Lisbeth Böckenförde würde eher tot in die Leberwurst kippen als ihrem unbeholfenen Sohn Karl die Filialleitung zu übertragen.

Mit Katrin heiratet erstmals eine Frau in die Familie Böckenförde ein, die nicht aus Grevenbrück stammt. Sie ist im drei Kilometer entfernten Pettmecke aufgewachsen. Ein Familienmitglied sagte dazu am Rande der Trauung mit einem leichten Augenzwinkern: „Endlich mal frisches Blut. Schauen Sie uns doch mal an: Alle Halbglatze und Segelohren! So kann das doch nicht ewig weitergehen!“

Alle Fotos bei Flickr: hier und hier

Veröffentlicht unter: Gemein(t), Jan Kröger, Kolumne der Woche · Etiketten: , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Ein Fahrer drängt den anderen von der linken Spur auf der Autobahn. Ein Radler fährt im Slalom durch die Fußgängerzone ...