Es glüht so glühn

Ein irischer Weihnachtsmarkt ist etwas ganz anderes als ein deutscher. Deutschland ist weltbekannt für seine vielen verschiedenen Weihnachtsmärkte, Dublin versucht diese Tradition jeden Winter nur nachzumachen. Klar lässt die Dubliner Version da deutsche Züge erkennen, aber den klassischen Weihnachtsmarkt eins zu eins umzusetzen, das schafft Irland einfach nicht. Warum sich ein Besuch dort trotzdem lohnt? Unsere Reporterin Kate Rothwell auf der Suche nach einer Antwort.

So günstig und groß wie der Leipziger Weihnachtsmarkt ist der Markt in Dublin nicht, aber eine schöne Atmosphäre umgibt ihn schon. Er liegt nicht direkt im Stadtzentrum, und lockt vermutlich deswegen keine große Menschenmenge an, aber wegen seiner Lage im Hafenviertel lohnt es sich hinzulaufen. Nach solch sportlicher Aktivität an der frischen Luft braucht man dringend ein heißes Getränk. Es gibt Glühwein zu kaufen, und die Verkäufer sind Deutsche, aber der Preis ist bestimmt irisch – fünf Euro für eine Tasse, und dazu zwei Euro Pfand.

Dublin

Dublin. Foto: rebel / pixelio.de

Quarkbällchen und Feuerzangenbowle fehlen, stattdessen gibt es ‘Mince Pies’ und heiße Schokolade mit Baileys Irish Cream oder ausländische Spezialitäten wie Crêpes, französische Makronen und asiastische Nudeln. Sportfans können Rugbyballs und Hurleys kaufen, und für Musikfans gibt es Konzerte mit einer traditionellen irischen Musikgruppe. Der Dubliner Weihnachtsmarkt ist eine lustige Mischung von Kulturen, und das gefällt nicht nur den Iren. Wenn man so viel Deutsch auf dem Markt hört, ist es klar, dass die vielen ausgewanderten Deutschen dieses Stück Heimat am meisten schätzen.

Ich hatte vor eine Woche das Glück, auch einen französischen Weihnachtsmarkt besuchen zu dürfen, den ‘Marché de Nöel’ in Nantes. Der war eine ähnliche, aber doch wieder ganz andere Art von Weihnachtserlebnis. Er findet auf einem Platz im Stadtzentrum statt und es wurde auch dort ein bisschen deutsche ‘Kultur’ verkauft, nämlich Brezeln. ‘Vin Chaud’ kostete immerhin nur zwei Euro pro Tasse. Gut, eigentlich wurde der Wein nicht in Tassen serviert, sondern im Plastikbecher, aber er schmeckte immer noch lecker und half uns beim verwzeifelten Versuch, warm zu bleiben. Dieser Weihnachtsmarkt war auch größer als unserer, und hatte zusätzliche Sehenswürdigkeiten wie ein Karussell und einen Biomarkt. Die Popmusik, die überall gespielt wurde, war nicht so spannend wie die traditionell irische in in Dublin, aber die Atmosphäre war insgesamt genauso weihnachtlich und gemütlich.

Weihnachtsmärkte sind in vielen Ländern eine alte Tradition, und es ist einfach zu sehen, warum sie so beliebt sind. Sie sind der perfekte Treffpunkt im Winter – man kann an einem Platz etwas mit Freunden trinken, eine Menge schmackhafte Kleinigkeiten naschen und fast alle seine Weihnachtsgeschenke kaufen. Ein Einkaufzentrum hat tatsächlich nicht so viele Geschenkmöglichkeiten zu bieten wie der Leipziger Weihnachtsmarkt. Hoffentlich wird die Weihnachtsmarkttradition während der nächsten paar Jahre in Irland erweitert; es wäre mir bestimmt lieber auf einem Markt statt im stressigen Stadtzentrum in letzter Minute Weihnachtseinkäufe zu machen.

Dieses Jahr muss ich aber Geschenke im Laden kaufen und (immer noch teuren) Glühwein zu Hause kochen. Plätzchen zu backen habe ich leider noch nicht gelernt, aber zumindest kann ich ‘Mince Pies’ machen, mein Leiblingsweihnachtsessen. Für alle, die sie unglücklicherweise nie gekostet haben, eine kurze Erklärung: Mince Pies sind Kuchen mit eine Füllung von Dörrobst und Sirup. Aber egal welche Süßigkeit man isst, oder was für einen Weihnachtsmarkt es in der Stadt gibt; Weihnachten ist gleichbedeutend mit einer schönen  Zeit und leckerem Essen – in Irland wie in Deutschland, also lass sie uns genießen.

Veröffentlicht unter: Gemein(t), Kate Rothwell

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