Aus Groß-Paris: Von Frauen

Frankreich, Paris, Frauen – denken Sie da auch an Bilder aus der Vogue? An lange Beine auf Laufstegen, wohlgeformte Körper, die sich an Litfaßsäulen schmiegen und (halb)nackte Schönheiten, drapiert auf Hochglanzfotos… Aber klar, Frankreichs Frauen haben auch Power. 1,9 Kinder pro Frau – ein halbes mehr als die Deutschen, wenn man so will – und trotzdem ein weiblicher Anteil von 30 Prozent in Führungspositionen. Der weltweit höchste übrigens. Trotzdem hat der Groß-Pariser Feminismus dem Klein-Pariser nicht viel voraus, findet unsere Kolumnistin Ariane Kujawski. Und freut sich, dass es jetzt anders wird.

by_Etienne-Rheindahlen_pixelio.de

© Etienne Rheindahlen / PIXELIO

Gestern habe ich Kaffee getrunken mit einer Freundin, die mit ihrem Freund in Westfrankreich wohnt. Sie erzählte mir eine Geschichte: Im Unternehmen ihres Freundes wurde eine Stelle frei. Strategisch ist die Stelle sehr wichtig. Eine Frau wurde gewählt, um sie zu besetzen. «Sofort haben alle Männer angefangen, darüber zu sprechen», erzählte meine Freundin. «Mit einer Frau kann es nicht klappen, sie wird sich mit ihrer Sekretärin streiten, usw. Ich persönlich habe mich nie wirklich als Feministin verstanden. Aber sowas macht mich wirklich wütend!»

Wütend, so habe ich immer die Mitgliederinnen der MLF gesehen, des Mouvement de libération des femmes, der ältesten feministischen Bewegung Frankreichs. Es ist vielleicht ein Grund, warum ich nie Teil solcher Bewegungen sein wollte. Obwohl ich erkennen muss, dass ich heute dankbar bin für die Ergebnisse solch älterer Kämpfe, die ich jeden Tag genieße. Die Pille ist nur ein kleines Beispiel unter vielen.

Letzte Woche fand in Paris der 40. Kongress der MLF statt. Hat man darüber geredet? Ich denke nicht. Ist das schlimm? Das denke ich auch nicht.

Nicht, weil die feministische Frage altmodisch ist, oh nein, im Gegenteil, sie ist sehr wichtig. Aber endlich gibt es Neuigkeiten in diesem Bereich, und sie kommen nicht von der MLF. Causette, zum Beispiel. Causette ist eine junge Zeitschrift, die seit einem Jahr zweimonatlich erscheint und den Namen des armen Mädchens aus «Les Misérables» von Victor Hugo trägt.

Das Prinzip von Causette? eine Frauenzeitschrift anbieten, in der man NICHT von Make-up, Mode oder Diät spricht, sondern von der Welt, der Politik, der Gesellschaft, und der Kultur – und das mit viel Humor. Feminismus ist ein Thema von vielen, aber Causette definiert sich nicht als eine feministische Zeitschrift. Es ist eine Frauenzeitschrift, wo normale Frauen auf der Titelseite stehen, junge, alte, auf jeden Fall ungeschminkte Frauen.

Theoretisch ist dieses Prinzip so einfach und gut, dass man denkt, es hat nichts Neues und existiert eigentlich schon. In Frankreich nicht. Schon alleine deshalb wird Causette langsam richtig erfolgreich.

Die Ironie der Geschichte ist, dass die Person, die Causette gegründet hat, ein Mann ist. Grégory Lassus-Debat, ein junger Journalist, der eines Tages verstanden hat, dass es in Frankreich keine Frauenzeitschrift gibt, die eine Frau erst einmal als einen Menschen mit Gehirn versteht anstatt als ein Konsumtier.

Causette ist ein schönes Projekt, es ist aber nur der Anfang. Andere Verbände beginnen größer zu werden, zum Beispiel «La Barbe!» (französisch für «Bart ab!», «es reicht»), wo Frauen bärtige Flashmobs machen. Langsam wird in Frankreich versucht, Feminismus anders zu machen. Vielleicht mit mehr Humor als früher: Weniger Wut tut manchmal gut.

Mehr wissen wollen: www.causette.fr

Veröffentlicht unter: Ariane Kujawski, Gemein(t), Notizen aus Groß-Paris

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Der Fußball-Weltverband FIFA ist immer für eine Überraschung gut. So auch gestern: Die FIFA vergab die WM 2018 an Russland ...