Zu: Hornig

So viele Schlagzeilen über Europas Adel wie in dieser Woche gab es wohl das letzte Mal, als Lady Di noch lebte: Da sind William und Kate in England, die nächstes Jahr heiraten wollen, und da ist das Buch über das angeblich ausschweifende Sexleben von Schwedens König Carl Gustaf. Und damit rückt eine eigentlich völlig zurecht vergessene Berufsgruppe wieder in den Mittelpunkt: die Adels-Experten. Eine Berufsgruppe, die unser Kolumnist Jan Kröger einmal besonders würdigen möchte.

In Kooperation mit detektor.fm

„Na, mein Kind, was willst du denn mal werden?“ Kaum eine Frage im Leben eines Kindes ist so entscheidend. Schon im nächsten Moment kann es seinen Eltern ein strahlendes Lachen ins Gesicht zaubern, oder ihnen einen Herzinfarkt verpassen. Nämlich mit Antworten wie: Rechtsanwalt, Politiker, Journalist.

Eltern wollen schließlich nur das Beste für ihr Kind. Und da ist völlig klar, wer bei der Berufswahl im Vordergrund steht: natürlich die eigenen Nachbarn. Die soll der Beruf des Kindes ja so richtig neidisch machen. Will das Kind Rechtsanwalt werden, dann gibt es wenigstens ein paar Jahre Schonfrist. Solange können sie Frau Müller von nebenan nämlich erzählen: „Unser Kind studiert Jura.“ Dann sagt Frau Müller: „Oho.“ Aber wehe, das Kind wird fertig und tatsächlich Rechtsanwalt. Dann sagt Frau Müller nur noch: „Aha.“

Wer Journalist werden will, hat diese Schonfrist nicht. Darüber muss sich niemand wundern. Denn was dieser Beruf massenhaft hat, sind schlechte Vorbilder. Bei mir auf der Liste ganz weit oben sind da die sogenannten Adels-Experten. Schon der Lebensinhalt der Adels-Experten ist ein Widerspruch in sich: Sie suchen nach dem Skandal, der ein ganzes Königshaus zum Abdanken zwingt. Wird dann aber die Monarchie tatsächlich abgeschafft, haben auch sie keinen Job mehr.

Jahrelang war die britische Königsfamilie der beste Arbeitgeber der Adels-Experten. Eine Scheidung folgte der nächsten – und alles war gleich ein Skandal. Mittlerweile achtet Familie Windsor darauf, dass keine Skandale mehr passieren. Die Adels-Experten rächen sich und sagen: Ihr seid so spießig und langweilig geworden – es ist ein Skandal! Wir gehen jetzt alle nach Schweden – da gibt es wenigstens noch richtige Skandale!

Da ist ja dieses Buch erschienen über König Carl Gustaf. Nicht einfach ein Buch, nein: Die „Bild“-Zeitung schreibt von einem „brisanten Enthüllungsbuch“. Man könnte auch sagen: Skandalbuch. Nachtclubs, Mafia, Stripperinnen, die gehörnte Königin Silvia – darum geht’s. Ein Paradies für Adels-Experten. Carl Gustaf schweigt – und das ist, genau: ein Skandal! Würde er aber was sagen, dann wäre das einem König völlig unangemessen – und somit, natürlich: ein Skandal! Und es ist ja nicht der erste im schwedischen Königshaus dieses Jahr: Da war Prinzessin Madeleine, die von ihrem Verlobten betrogen wurde. Wobei die Schweden vielleicht nicht den Betrug an sich als Skandal empfanden. Aber dass die Affäre eine Norwegerin war.

Schwedens Monarchie steht also kurz vor ihrem Ende. Nur die Fachzeitschrift „Das Neue Blatt“ weiß einen Ausweg: „Die schönste Nachricht wäre wohl, dass Kronprinzessin Victoria ein Baby erwartet. Können Victoria und Prinz Daniel die Krone retten und die Krise abwenden?“

Ausgerechnet Prinz Daniel. Hat jemand mal gesehen, was für eine Brille der trägt? Das, und nichts anderes, ist der wahre Skandal am schwedischen Königshaus.

Veröffentlicht unter: Gemein(t), Jan Kröger, Kolumne der Woche

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