Ein Blick zurück aufs Highfield 2011

Mittendrin, statt nur dabei. Tagebuch-Splitter vom Highfield 2011 – anders als subjektiv lässt sich so ein Festival nicht beschreiben. Und das war so:

Donnerstag, 18. August 2011

Während die einen die erstaunlich sommerliche Hitze dieses Vor-Festival-Donnerstags noch anderswo genießen/ertragen, reisen die ersten musikaffinen Massen bereits gen Störmthaler See und beginnen nebst Zeltbau mit flüssigem und akustischem Warm Up. An diesem Donnerstag scheinen die Organisatoren noch leicht überfordert vom ersten Anreiseschwung – der Einlass wird zur Stundensache.

[simage=429,512,y,center,]

Freitag, 19. August

10 Uhr: Telefonische Hiobs-Meldung vom Green Camping: Propper gefüllte Zeltplätze noch vor der größten Anreisewelle. Mentale Vorbereitung auf lange Fußmärsche zwischen Zelt und Gelände kämpft gegen leise Hoffnung auf die versprochene Nähe zwischen Schlaf- und Konzertplatz. Vorfreude auf Thees Uhlmann. Noch schnell Tickets kaufen für spontane Freunde – ausverkauft wie das Melt! ist das Highfield dankenswerter Weise nicht.

Während Schlafsack, Zelt, Isomatte, wärmere und eher sommerliche Kleidung, Sonnencreme und Regenjacke, Zahnpasta und Reisegeschirr, Turnschuhe und Flip Flops in den Rucksack wandern und telefonisch alles sonst noch Fehlende koordiniert wird, spielen sich an der Wetterfront dramatische Szenen ab. Regen, weniger Regen, mehr und zu viel Regen, dann wieder Sonne – doch dann, am Ende, nur noch Sonne. Tickets nicht vergessen, es kann los gehen. Ab B95 der Beschilderung und dann den Parkplatzeinweisern folgen, Auto-Standort ungefähr einprägen, einchecken (mittlerweile recht schnell), Bändchen anlegen, Müllmarke mitnehmen, Zeltplatz suchen, aufbauen – ankommen. Von ausgiebigen Telefongesprächen wie von spontanen Standortabsprachen muss man sich (meint hier zunächst den base-Nutzer) ab jetzt recht schnell verabschieden, das Handynetz ist die meiste Zeit überlastet.

[simage=437,400,y,right,]

Gegen 19 Uhr sind die letzten Vorbereitungen abgeschlossen, Zelte stehen kreuz und quer auf dem sauber in Streifen gewachsenen Rasen, die erste Mahlzeit vom Grill war lecker, die Zeltnachbarn nerven ein wenig mit ihrem ewigen Gitarrenspiel und Glasflaschen werden von umherstreifenden Securities ordnungsgemäß konfisziert. Ok, es geht ja auch um Green Camping. Die Stimmung ist gut und der Weg zu den Bühnen erstaunlich kurz. Drei sind es mittlerweile an der Zahl und die Koordinierung mehrerer Konzerte dennoch machbar. Seed machen das Licht aus.

Samstag, 20. August

Sonne und Kaffee locken aus dem Zelt, ein Ausflug zum See scheint nicht allzu abwegig, die Knochen machen sich aufgrund des recht steinigen Untergrundes noch ein wenig bemerkbar. An die kleinen hüpfenden Spinnentiere hat man sich längst gewöhnt. Blumentopf und Karnivool locken schon im Sonnenschein nach vorn, an White Lies, The National und Interpol vorbei steuert das Programm auf Skunk Anasie zu. Auch dass sie sich die Aufmerksamkeit gegen Ende ihrer Show mit 30 seconds to mars teilen müssen, lässt sich verkraften. Skin rockt.

Sonntag, 21. August

[simage=436,288,y,left,]

Samstag, Sonntag, das Zeitgefühl ist in Festivallaune und damit außer Gefecht. Die Tage verschmelzen zu Kaffeepausen, Dixi-und Dusch-Gängen, Grill-Parties, Sonnengenuss, See-Ausflügen, Gesprächen über die Band von gestern, das nächste Getränk, wieso das jetzt Green, Blue und White Stage heißt, vor welcher wir uns hatten treffen wollen, wieso so unglaublich viele Menschen tätowiert sind, ob das mit Helga je ein Ende findet und was man sonst so macht. Manche Band passt nicht in den strahlenden Sonnenschein und die Line-Up-Reihenfolge will sich stellenweise nicht so recht erschließen (Deftones bei Tageslicht?), aber was soll’s – am Ende kommen die Foo Fighters auf die Bühne und überzeugen nicht nur mit Jägermeister-Liebeserklärungen.
Danach bahnt man sich ein letztes Mal den Weg zum Zeltplatz, weicht nun schon geübt den Erdlöchern aus, die einen bei kurzer Unachtsamkeit noch am Freitag niederstreckten, macht längst nicht mehr den Fehler, direkt in den Scheinwerfer zu schauen und nimmt auch die Free-Hugs-rufenden Jungs gern nochmal in den Arm. Und sein Ticket für das nächste Jahr kann man vor Ort auch schon kaufen.

Montag, 22. August

8 Uhr: Ein letztes Mal erhitzt sich das Zelt am frühen Morgen auf gefühlte 50 Grad Celsius. Auf dem Zeltplatz haben sich schon große Lücken gebildet, schwer bepackte Menschen bahnen sich seit Sonntagnachmittag den Weg zum Parkplatz, vorbei an Müllabgabe und an zurückgelassenen Zelten, Pavillons und Müll aller Art. Pfandgut landet entweder bei tapferen Sammlern oder bei den ewig herumfahrenden Aktiven von Viva con Aqua.

10 Uhr versuchen die Security in kleinen Trupps, auch die letzten zur Abreise oder doch wenigstens zum Aufstehen zu bewegen. Von Deadline ist die Rede. Das Gespür für Termindruck ist allerdings noch reichlich schwach ausgeprägt. Im Gegensatz zum Sonnenbrand.

12 Uhr: Die Sonne brennt, das Haar sitzt schon lange nicht mehr und die Autos sind dank jahrelangem Tetris-Training gepackt. Auf Wiedersehen Highfeld 2011. Und noch ein Danke für die gut durchdachte Verkehrsführung.

13.40 Uhr: Die Waschmaschine läuft und komaartiger Schlaf gewinnt trotz nostalgischer Foo-Fighters-Beschallung aus den heimischen Boxen den Wettlauf um die nächste Tagesaktivität. Ein leises Gefühl von Dankbarkeit für die eigene Voraussicht – keine weiteren Termine, denn an diesem Montag geht erstmal gar nichts mehr. Am Dienstag ist noch genug Zeit für Realität. Und dann kann man ja auch mal das Festivalbändchen vom Arm abmachen.

 

Highfield in Bildern (Falls jemandem die Musiker fehlen: nochweiter durfte “die Festivalatmosphäre dokumentieren” – zu der scheinbar keine Künstler gehören. Denn Aufnahmen von Dave Grohl, Chino Moreno & Co. waren mit Gelände-Foto-Band strengstens verboten):

[sthumbs=429|430|431|432|433|435|434|436|437,max,3,n,center,]

Geboren 1981. Diplomjournalistik und Germanistik in Leipzig studiert. Heute frei schreibend und auch sonst gern am Texten.

Veröffentlicht unter: Allgemein, Claudia Laßlop, Geschichten

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Update, 14.30 Uhr: Die NPD hat vor dem Bundesverfassungsgericht Klage eingereicht, die aber zurückgewiesen wurde, weil nicht genug Zeit für ...