Mit quietschiger Stimme zur perfekten Banane

Bayern hat(te) den Problembär, Leipzig und der Rest der Welt hat den Ulkbär. Über die Entstehung des sächselnden Comic-Tiers, das Leben von und mit Couchkartoffelsalat und sein persönliches Verhältnis zu Teddy-Bären berichtet Ulkbär-Macher Falk Hühne im Interview.

Die Fragen stellte Ute König.

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Du bist in Leipzig geboren (sagt Wikipedia), hast in Leipzig studiert und lebst immer noch hier. Was hält dich in Leipzig?
Bequemlichkeit und Angst vor Neuem. Und außerdem meine Tochter, die wohnt auch hier.

Du hast mal Soziologie studiert. Was macht man damit?
Klug sein. Soziologie ist eine ganz feine Sache, um zu verstehen, warum die Anderen das tun, was sie tun. Und das zu wissen, ist wichtig, wenn man sein Leben im Großen und Ganzen kollateralschadenfrei über die Bühne bringen will. Also lieber Soziologie studieren als Philosophie.

Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Teddy-Bären?
Total gespalten. Ich hatte selber einen Teddy-Bär. Der war leider nicht besonders kuschelig. Ein DDR-Bär, halb Plüsch, halb Synthetik. Der Kopf und die Tatzen waren Plüsch und der Rest aus so komischem Oma-Kittelschürzen-Stoff. Eine sehr dialektische Angelegenheit das Ganze und es hat mich bereits sehr früh mit dem Konzept der Hassliebe vertraut gemacht.

Wann, wo und unter welchen Umständen ist der Ulkbär entstanden?
Um 2002, glaube ich. Da gab es noch nicht so viele deutsche Trickfilme im Netz und ich hatte gerade das Trickfilmprogramm gelernt und wollte jeden Tag einen Trickfilm machen. Weil Bewegungsanimation so aufwändig ist, sollte es etwas sein, was nur sitzt und den Mund bewegt. Und lustig ist. Und niedlich für die Mädchen. Deshalb ist es dann der Witze erzählende Teddy geworden. Der Dialekt war keine Absicht. So spreche ich wirklich.

Warum niedlich für Mädchen?
Weil er ein Teddy ist. Und Mädchen mögen Zeug zum Knuddeln. Zumindest in meiner Vorstellung.

Der Ulkbär hat ja eine, sagen wir sehr spezielle Stimme. Warum nur?
Wie gesagt, der Dialekt ist notgedrungen und die Stimmlage ist mit einem Audioprogramm nach oben gepitched. Für bestimmte (fortgeschrittene) Ohren klingt das niedlich. Leider nicht für alle. Noch nicht.

Darf man auf einen Stimmbruch hoffen?
Nein.

Wie entsteht die Stimme? Wie entstehen die Clips?
Die Tonspur spreche ich vor dem Rechner mit dem Mikro ein, danach noch den Pitch drauf programmieren. Die Clips mache ich dann mit dem Programm Adobe Flash am Computer. Ist sehr einfach, wenn man viel Zeit hat und sonst nicht so viel anderes kann.

 

 

2D ist out, Sächsisch gilt als wenig sexy und auch derbe Witze sind nicht unbedingt erfolgversprechend. Warum funktioniert all das beim Ulkbär trotzdem?
Hehe, ich bin mir gar nicht sooo sicher, ob das funktioniert. Leben kann ich davon nicht. Aber der Bär ist halt vom Charakter her voll lieb. Und alles in allem finde ich, ist gerade das so schön mittelmäßig Produzierte eine nette Abwechslung zu den immer toller werdenden Rest-Trickfilmen, die es da noch so auf der Welt gibt. Ulkbär gucken ist also ein bißchen so wie Leberwurst essen, weil man einfach zu oft Erdbeerkäse auf der Schnitte hatte.

Wie nennt sich denn dein Stil?
Einfach-mal-machen-und-gucken-was-passiert-Stil.

Wer oder was ist deine Muse?
Ich hab total viele Negativ-Musen. TV-Komiker, RTL-Comedy, Zirkusclowns, Stammtischkomiker und Menschen allgemein.

Dank Ulkbär bist du ein berühmter Sohn der Stadt. Durftest du dich schon ins Goldene Buch von Leipzig eintragen?

Ja, durfte ich schon. Die bauen gerade an meiner Statue. Der Oberkörper ist schon fertig. Darunter wirds schwierig bei den derzeitigen Stahlpreisen. (Die Statue soll aus Stahl sein und möglichst naturgetreu.)

Die Leipziger Comic-Zeichner-Szene ist recht übersichtlich. Woran liegt’s?
Weiß ich nicht. Vielleicht, weil in Leipzig nicht so viele Leute Comics veröffentlichen. In Erfurt aber auch nicht. Oder in Rostock. Oder in Lettland.

Unter anderem mit Schwarwel hast du schon zusammengearbeitet. Konkurrenzdenken scheint es unter den Leipziger Comic-Zeichnern nicht zu geben. Könnte man sich das in Leipzig überhaupt leisten?

Ui, das weiß ich auch nicht. Ich finde es generell immer besser, zusammenzuarbeiten. Ohne Neid und Leid. Der eine kann das, der andere das. Und wenn sich alle lieb haben, spart das viel Nerv und Lebenszeit. Mein ich ganz ernst. Ehrlichkeit kommt weit. Und freundlich sein!

Die Stadt setzt gerade einiges daran, damit für die Kreativwirtschaft vieles besser wird. Was sollte sich in Leipzig speziell für die Comic-Szene ändern?
Ui, da kann ich auch nicht so viel zu sagen. Ich mache ja hauptsächlich Internet, die regionale Infrastruktur hat da keinen Einfluss drauf. Ansonsten aber gerne. Die Stadt soll mehr Geld für Comics ausgeben. Und Leute züchten, die Comics gut finden.

Kann man von Couchkartoffelsalat eigentlich leben?
Nein, geht leider nicht. Dafür ist es zu speziell. Aber durch die T-Shirt- und DVD-Verkäufe kommt ein bißchen was rein. Für die Schnitte im Rucksack.

Dann gibt’s noch einen spießigen Nebenjob zum Geld verdienen?
Ja, ich animiere die Trickfilme eines befreundeten Cartoonisten. Zu sehen auf www.ruthe.de. Und dann mache ich noch diverse Auftragsarbeiten im Bereich Webdesign und Grafik.

Und wohin soll das noch alles führen?
Zur perfekten Banane.

Und zum Schluss: Ich hab da noch ne Schnidde im Rucksack, willste die?

Gerne, oh mit Leberwurst! Danke!

Tschüssi!

Mehr Ulkbär gibt’s auf www.couchkartoffelsalat.de

Wurde 1983 in Stuttgart geboren, ist 2004 nach Leipzig ausgewandert, studiert dort seither Journalistik und Musikwissenschaft, machte 2008/2009 einen Abstecher in den hohen Norden für ein Volontariat in Cuxhaven und setzt nun alles daran, bald ihre Diplom-Urkunde übers Bett hängen zu können.

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3 Antworten zu "Mit quietschiger Stimme zur perfekten Banane"

  1. Alex sagt:

    Ulkbär rockt!

    ruthe is lahm.

  2. Hansi sagt:

    Aber sowas von! (Beides)

  3. dexter sagt:

    unterhaltsames interview. subkultur, yeah!

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