„In der Oper ist alles falsch:…“

„…Das Licht, die Dekorationen, die Frisuren der Balletteusen, ihre Büsten und ihr Lächeln.Wahr sind nur die Wirkungen, die davon ausgehen“ – Edgar Degas, ein französischer Maler und Bildhauer im 19. Jahrhundert. Schon seit zwei Jahrhunderte früher, seit 1693, gibt es die Oper Leipzig. Seit fast 300 Jahren gehen fast jeden Abend Menschen hinein und nachts, nach der Vorstellung bezaubert, geläutert oder enttäuscht wieder heraus.
Aber bis sich der Vorhang zur Premiere hebt, muss einiges passieren. Wie kommt das Bühnenbild auf die Bühne und wo kommt es her? Wer schneidert die Kostüme der Sänger? Wie sieht es hinter den Kulissen aus?

eine Reportage in drei Teilen von Franziska Gaube

Gleich zu:
Teil 2: Überdimensionen – Die Theaterwerkstätten
Teil 3: 70.000 mal Klavierhauptprobe – Die Kostümwerkstätten

Vor der Vorstellung ist es ruhig hinter den Bühnen. Nur leiser Singsang aus den Umkleidekabinen der Sänger begleitet die Wege der vereinzelten Menschen durch die Gänge. Die Sänger machen sich warm. Nach und nach kleckern sie in die Maske. Jeder hat seine genaue Uhrzeit, je nachdem, wie lange für die Maske gebraucht wird. Auch auf der Bühne geht es gemessen zu. Die Bühnentechniker haben schon das Bühnebild aufgebaut. Zur Beleuchtungsprobe fliegen ein paar Sätze zwischen den Arbeitern hin und her.

[simage=394,288,n,left,]Über den Bühnentechnikern auf der Bühne ist 32 Meter Luft nach oben. Auch links und recht neben der Bühne ist noch einmal genug Platz, um sogar Bühnenteile von anderen Stücken zu lagern. Jeder Sänger auf der Bühne der Oper Leipzig braucht eine gewaltige Stimme – damit sein Gesang auch bei den Zuschauern vernommen werden kann.
Unter der Bühne dreht sich gerade die gewaltige Untermaschinerie, die den drehbaren Teil der Bühne in Gang setzt. Das Bühnenvolk auf der Bühne hört davon nichts, geht man aber durch eine Tür, hört man die Untermaschinerie rumpeln. Sie ist zweimal so hoch wie ein Mensch und so breit, dass zehn Männer sie noch nicht umfassen könnten.

Die Beleuchtungsprobe ist fertig. Die Musiker beginnen sich einzuspielen.
An den Garderoben drüben auf der anderen Seite vom Orchestergraben, unten im Foyer häufen sich die Mäntel an den Haken. Die Zuschauer steigen die samt belegten roten Treppen nach oben und suchen ihre Plätze. Hinten in den Gängen hinter der Bühne wird es noch ruhiger.

Die Oper ist eine kleine eigene Welt. „Opernmenschen“, die in den Ruhestand gehen, bleiben rastlos. „Man muss täglich aus der Oper hinaus gehen und wirklich die Tür schließen, sonst wird man sie am Ende nie mehr los“, sagt eine Frau aus der Requisitenabteilung

Die Türen werden geschlossen. Das Licht im Zuschauerraum geht aus. Die Gespräche im Publikum verstummen. Der Vorhang hebt sich. Die Vorstellung beginnt. Der Blick wird frei auf ein großartiges Bühnenbild. Sänger treten auf, in den allerschönsten Kostümen. Das Publikum verfolgt gebannt, träumerisch und mit angehaltenem Atem die Vorstellung. Dann ist sie vorbei. Der Vorhang senkt sich. Die Menschen wandeln, vielleicht noch in Gedanken, nach Hause. In der Oper dauert es noch ein paar Stunden, bis das Licht ausgeht.

Bis ein Bühnenbild auf der Bühne steht, bis ein Sänger sein Kostüm trägt, bis der Vorhang sich zur Premiere hebt, sind es Monate, in denen Bühnenvolk und Theatermenschen die Vorstellung vorbereiten. Dabei gibt es zwei Orte, an denen die Menschen wie Bienen jeden Tag an neuen Vorstellungen arbeiten: Die Theaterwerkstätten und die Kostümwerkstätten.

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Teil 2: Überdimensionen – Die Theaterwerkstätten
Teil 3: 70.000 mal Klavierhauptprobe – Die Kostümwerkstätten

Ist 1990 geboren, studiert Ethnologie und Zentralasienwissenschaften an der Uni Leipzig und wird entweder erfolgreiche Journalistin oder macht einen Keksladen auf.

Veröffentlicht unter: Allgemein, Franziska Gaube, Geschichten

2 Antworten zu "„In der Oper ist alles falsch:…“"

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