Vernetze, vernetze – und dann sehen wir weiter

Der erste Schritt ist getan – am 14. Februar fand die Premiere von Le Klub Analog statt. Veranstaltet vom Verein Kreatives Leipzig ging es um die Frage „Wie viel Musik spielt in Leipzig“. Auf dem Podium nahmen Labelbetreiber, Musiker und andere Akteure der heimischen und auswärtigen Musiklandschaft Platz. Das Bandhaus der Bandcommunity wurde an diesem Abend von zahlreichen Gästen bevölkert. Sie kamen, um zuzuhören, um mit zu reden und um nach Diskussion und Bestandsaufnahme schließlich auch über konkrete Anfänge zu sprechen.

Von Claudia Laßlop

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Viele der angesprochenen Themen klangen zunächst bekannt – Musiker verschiedener Genres, die von ihrer Profession in Leipzig nicht leben können, die sich nicht ernst genommen fühlen, sich von öffentlicher Seite mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung, auch finanzieller Art, wünschen. Von Freezone Records-Betreiber und DJ Steffen Friedrich ein positiver Erfahrungsbericht aus der elektronischen Sparte – deren Image sich demnach allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor selbst durch äußert vorzeigbare Besucherzahlen und internationale Anerkennung  erstaunlich wenig zu verbessern scheint. Anmerkungen von Grünen-Stadtrat und MDR-Rundfunkchor-Tenor Ansgar König, der trotz Millionen für Oper und Gewandhaus auch im Klassikbereich nicht nur eitel Sonnenschein sieht. Andreas Bischof vom Label analogsoul mit einem Plädoyer pro Kreativität jenseits von Kommerz und Marktdenken. Und auch Meldungen aus dem Publikum von jenen, die sich und ihre Musikprojekte in Leipzig in keiner der benannten Genres vertreten und daher erst recht übersehen fühlen.

Zauberwort Vernetzung

Bei aller Konzentration auf Problemfelder fehlten aber auch die positiven Aspekte nicht: etwa die gelungene Etablierung des Jazzclub Telegraph, eine Kooperation von Jazzclub und Hochschule für Musik und Theater, die Konzertreihe Swimmingpool in der Schaubühne und der passend dazu erscheinende Sampler popoolaer, der Leipziger Bands per Gratis-Download Gehört verschafft. Und nicht zuletzt das gastgebende Bandhaus der Bandcommunity, das im Sommer vergangenen Jahres bezogen werden konnte. Projekte, die mit viel Enthusiasmus und Herzblut für die Sache entstehen. Und oft, ohne sich von finanziellen Abwägungen abschrecken zu lassen. Dass manche Probleme keine Leipziger Seltenheit sind, bestätigte Janina Klabes, die sich in Mannheim als Clustermanagerin um die dortige Musikwirtschaft kümmert. Und die jenseits von Finanzierungsnöten den Aspekt Vernetzung betonte – denn was nützen die kreativsten Köpfe, wenn sie genau nebeneinander sitzen, es aber nicht wissen und sich so die Vorteile einer Zusammenarbeit entgehen lassen. Aber selbst dann sollte man Leipzig nicht einfach eins zu eins mit Städten wie Mannheim oder Hamburg vergleichen wollen, wo Popakademien stehen oder Musikkonzerne ihre Spuren hinterlassen haben. Wo Strukturen aber auch schon um einiges mehr Zeit zum Wachsen hatten.

Schluss mit Einzelkämpfer

In Richtung Vernetzung konnte an diesem Abend sicher ein oder gar mehrere Schritte getan werden – womit der Verein Kreatives Leipzig seinem Ziel, Impulse für Austausch und Kooperationen zu geben, schon ein gutes Stück näher gekommen sein dürfte und dem im besten Fall zumindest zwei konkrete Impulse folgen: Dass zum einen die Anwesenden die Gunst der Stunde genutzt haben, sich nicht mehr als verzweifelte Einzelkämpfer zu fühlen, sich zu vernetzen, untereinander und mit den musikaffinen Besuchern von außerhalb. Und zum anderen, dass auch zu den kreativen Köpfen, die in den folgenden Monaten den Klub analog begrüßen, Verbindungen entstehen. Das könnte es immerhin möglich machen, das Bild der Kreativen und Kulturschaffenden in Leipzig detailliert zu erfassen und greifbar zu machen, für sie selbst und nicht zuletzt auch nach außen.

Update 21.02.2011: Das Fazit zum Auftakt und die nächsten Pläne für die Musikszene bei Kreatives Leipzig

Darum geht es bei den nächsten Stationen des Klub Analog:

14. März 2011 | Design | Leipzig School of Design

11. April 2011 | Literatur und Buchmarkt

07. Mai 2011 | Special Computerspiele

09. Mai 2011 | Software

13. Juni 2011 | Film

11. Juli 2011 | Werbemarkt

08. August 2011 | Kunstmarkt

12. September 2011 | Architektur

10. Oktober 2011 | Darstellende Kunst

14. November 2011 | Pressemarkt

12. Dezember 2011 | Rundfunk

Geboren 1981. Diplomjournalistik und Germanistik in Leipzig studiert. Heute frei schreibend und auch sonst gern am Texten.

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