Aus Groß-Paris: Paris, la nuit

In Leipzig habe ich überall gefeiert. In Klubs, Kneipen, Diskos, WGs, aber auch an ungewöhnlichen Orten: Im Park, oder in leeren und unsanierten Wohnungen. Die Preise waren vernünftig, man durfte auch in Turnschuhen reinkommen. In Paris ist das etwas anders. Für manche ist es die europäische Großstadt, in der man sich am meisten langweilt, verglichen mit Berlin oder London. Für andere sind die Kneipen und Klubs viel zu laut. Beide Seiten starteten Petitionen, und versuchten zu kämpfen. Alle waren sich einig: Es musste eine Lösung her. Dafür fanden letzte Woche eine Reihe von Konferenzen über die Pariser Nacht statt: „Les Etats Généraux de la Nuit“. Sie wurden vom Bürgermeister Bertrand Delanoë organisiert und sollten das Partyproblem der Stadt lösen. Über tausend Betroffene beider Seiten waren eingeladen.

Von Ariane Kujawski

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Zu laut? Zu teuer? Zu langweilig? Paris bei Nacht.
© RainerSturm / PIXELIO

„Wenn er zu Hause bleibt, möchte der Pariser ab 20 Uhr Ruhe auf seiner Straße. Aber wenn er weggeht, verlangt er Party in seiner Nähe, und bis um 5 morgens“, beklagte sich Bertrand Delanoë. Paradox ist es schon. Also was tun?

Mehrere Ideen wurden während der zwei Tage erwähnt. Hauptziel: Alternative Plätze zum Feiern zu finden. Möglichst dort, wo niemand gestört wird. In Paris schließen viele Parks nachts, vielleicht sollte man sie die ganze Nacht öffnen? Oder Kinos und Theater später zumachen? Jeder Vorschlag hat Vor- und Nachteile. Einfach ist es nicht. Preiswert auf keinen Fall.

Für mich sind die Preise das größte Problem. Kann man sich als Student 10 Euro Eintritt leisten? In einem Klub, in dem Bier zwischen 7 und 10 Euro kostet? Die neuen, alternativeren Plätze in Paris, zum Beispiel Le Point Ephémère oder la Bellevilloise, boten am Anfang niedrige Preise. Jetzt sind sie mit dem Trend gegangen und erhöhten diese. Die Kunden sind geblieben.

Bertrand Delanoë kann die Bierpreise nicht senken. Es ist schwer, neue Partyplätze zu finden. Zeit wird vergehen, bis man die Neuerungen ausprobieren kann. Erste Änderungen werden umgesetzt, um zumindest die größten Störungen schnell zu beheben: Orte, an denen Musik gespielt wird, werden von der Stadt finanziell unterstützt. Für eine gute Schalldämpfung. Außerdem wird in den Party-Bezirken eine Art Vermittlung zwischen Nachteulen und Frühaufstehern versucht.

Genug ist es nicht, aber schon ein Anfang. Was bekommt die Vorstadt von diesen Lösungen? Gar nichts. Zwischen 8 und 9 Millionen Menschen wohnen um Paris herum, ca. 3 Millionen im Zentrum. Die Stadt der Liebe bekommt Geld und Lösungen. Aber die Vorstadt darf nicht mitfeiern.

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