“Wissen, wo die Fahrt hingeht”

Seit 2006 sorgt sich Heiko Rosenthal, 35, von der Linkspartei als Bürgermeister und Beigeordneter um Sicherheit, Umwelt und Sport in Leipzig. Weiter fragt, wie er das macht und warum.


Herr Rosenthal, Sie sind gerade einmal 35 Jahre alt und bereits Bürgermeister – eine steile Karriere. Zieht es Sie, gerade als gebürtiger Berliner, nicht irgendwann wieder in die Hauptstadt?
Mir gefällt‘s sehr gut hier – sowohl in der Stadt als auch im Amt. Ich habe nicht vor, das hier aufzugeben.

Warum haben Sie sich für eine Laufbahn im öffentlichen Dienst entschieden?
Ein Jurastudium eröffnet viele Möglichkeiten. Meine Erfahrungen als Referendar in Anwaltskanzleien haben dazu geführt, dass ich den Beruf des Anwalts nie als Traumjob gesehen habe. Eigentlich wollte ich in die Staatsanwaltschaft wechseln. Dann ergab sich aber eine Tätigkeit im Regierungspräsidium Chemnitz und die Aufgabe war so interessant und anspruchsvoll, dass mir seitdem klar war, dass ich längere Zeit im öffentlichen Dienst tätig sein könnte und möchte.

Welche Kompetenzen muss man mitbringen, um im Amt als Bürgermeister zu bestehen?
Das Dezernat für Umwelt, Ordnung und Sport hat in der Kernverwaltung 1500 Mitarbeiter
und nochmals fast 900 Mitarbeiter in den Eigenbetrieben. Sie müssen mit und für Menschen arbeiten wollen. Man muss teamfähig sein, aber auch leiten können. Und – ganz wichtig – wissen, was Sie als Bürgermeister für die Leipzigerinnen und Leipziger erreichen wollen, wo die Richtung also hingehen soll. Und wenn Sie dann noch eine Vision für diese Stadt haben, sind Sie hier an der richtigen Stelle.

Skizzieren Sie einen typischen Arbeitstag und erklären Sie, was ein Bürgermeister und Beigeordneter zu tun hat.
Glauben Sie mir bitte – einen „typischen“ Arbeitstag gibt es als Bürgermeister nie! Es gibt jedoch feste Termine. Darunter fallen etwa die Dienstberatung des Oberbürgermeisters, die Arbeit im Stadtrat, Ausschüssen und die Repräsentationstermine. Parallel läuft natürlich die „übliche“ Verwaltungsarbeit. Häufig geht es dabei um die Erarbeitung neuer Vorlagen, etwa: Wir investieren in einen neuen Spielplatz, Sporthalle oder wir erstellen neue Konzeptionen, zuletzt das Sportprogramm 2015.

Sie sagten vorhin schon: Man muss wissen, wo die Fahrt hingeht. Nun haben Sie einen vollen Terminkalender – bleibt denn da überhaupt noch Raum für neue Ideen?
Ja. In der Dienstberatung des Oberbürgermeisters wird unmittelbar entschieden, indem man die Vorlagen des Dezernates vorstellt, erläutert und um Bestätigung gegenüber dem Oberbürgermeister und den anderen Dezernenten wirbt. Deren Ämter sind häufig betroffen von unserer Arbeit. Darüber hinaus kommen viele einzelne Probleme auf meinen Tisch, die über die Ämter nicht gelöst werden können, bei denen es einen Bürgermeister braucht.

Um das anschaulich zu machen: Geben Sie bitte ein Beispiel für eine Ihrer letzten Entscheidungen, die die Mehrheit der Leipziger Bürger betrifft.
Da wäre etwa die Absicherung des Lichterfestes zu nennen. Dem, was Sie auf der Straße gesehen haben, gingen immens viele Sicherheitsberatungen voraus, bei denen dann aber irgendwann die Frage aufkam: Können wir das so machen? Das entscheidet dann der Bürgermeister.

Veröffentlicht unter: Allgemein, Gespräche, Jonathan Fasel

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