Tabak statt Trockner

Der Versandhändler Quelle ist Geschichte. Von der Insolvenz sind auch die Quelle-Shop-Inhaber in Leipzig betroffen.

Dem Quelle-Shop im Gohlispark sieht man noch nicht an, wie es um das Versandunternehmen steht. Fein säuberlich sortiert lagern Haushalts- und Spielwaren in vollen Regalen, Waschmaschinen und Trockner stehen zum Ausliefern bereit. Von „Alles muss raus!“-Schildern, die viele Insolvenzen begleiten, fehlt hier noch jede Spur. Doch hinter den Kulissen kämpft Inhaberin Renate Wagler um ihre Existenz und um die ihrer beiden Mitarbeiterinnen.

Seit 2003 betreibt sie einen eigenen Shop für das Quelle-Unternehmen. Zuerst lief alles gut. So gut sogar, dass sie den Shop vor vier Jahren vergrößert hat. Doch seit im August dieses Jahres die Arcandor-Pleite bekannt wurde, sind viele Kunden verunsichert. Der Verkauf ging zurück.

Trotzdem hatte Renate Wagler Hoffnung: In einer E-Mail ließ Quelle verlauten, ihr Shop sei einer von bundesweit 1000 Quelle-Shops, die gerettet werden können. „Da hat man sich noch gefreut“, sagt sie. Diese Freude hielt nicht lange an. Von der bevorstehenden Zerschlagung des Unternehmens erfuhr sie Mitte Oktober – durch die Medien.
Renate Wagler fühlt sich im Stich gelassen. Denn Informationen von offizieller Seite blieben bisher komplett aus. Alle Anrufe und Nachfragen waren vergebens. „Unsere bisherigen Ansprechpartner sind beurlaubt oder bereits gekündigt.“ Auch der Kontakt zu anderen Quelle-Shop-Inhabern in Leipzig brachte keine neuen Erkenntnisse. „Wir wissen nicht, ob ein Räumungsverkauf stattfinden soll oder ob ein Abverkauf der Ware seitens des Unternehmens erfolgt. Man wird einfach im Regen stehen gelassen“, sagt Wagler enttäuscht.

In der Bestellannahme von Silke Kretzschmars Laden in der Waldstraße herrscht ebenfalls Ratlosigkeit in Sachen Quelle. „Keiner weiß, was mit der restlichen Ware passiert.“ Wo die vergangenen 14 Jahre die Quelle-Artikel angeboten wurden, finden die Kunden seit einiger Zeit nur noch ein fast leeres Regal. Die anderen Regale ihres Geschäfts können jedoch gefüllt bleiben.

„Der Umsatz mit Quelle-Artikeln ist schon lange zurückgegangen“, sagt Silke Kretzschmar. Deshalb hat sie aus ihrem Quelle-Shop schon vor einigen Jahren eine Bestellannahme gemacht. Ihr Angebot konnte sie so um eine Poststelle, Schreibwaren, Zeitungen und um das Angebot weiterer Versandhäuser erweitern.

Diese Entscheidung rettet heute Silke Kretzschmars Existenz. Zwar bricht mit der Zerschlagung von Quelle auch ihr ein Großteil der Einnahmen weg, mit dem Angebot von Neckermann und Otto kann sie jedoch ihre bisherigen Kunden halten. „Wenn jemand doch noch bei Quelle bestellen möchte, versuche ich vom Angebot der anderen Versandhäuser zu überzeugen“, erklärt sie.

Diesen Weg schlägt nun auch Renate Wagler ein. Sie will weiter kämpfen. Denn das Quelle-Aus soll nicht gleichzeitig das Aus für ihren eigenen Laden bedeuten. „Ich kann nicht einfach die Hände in den Schoß legen.“ Sie sei an zahlreiche Verträge gebunden, „aus denen man nicht so schnell herauskommt“. Außerdem habe sie in den letzten Jahren zu viel in ihr Geschäft investiert. Sie hat sich bereits umgeschaut und wird in Zukunft mit einem anderen Versandhaus zusammenarbeiten. Auch wenn dies für sie bedeutet: „Noch mal bei Null anfangen.“

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