Villa Hasenholz: Prächtig, zwischen Obstbäumen versteckt

Die Villa Hasenholz ist ein Haus mit bewegter Geschichte. Schon 1889 wurde es als Ausflugsgaststätte und Pension genutzt, später als Amüsement-Betrieb, in der DDR dann als Warenlager, bis es zuletzt verfiel. Die Villa liegt friedlich gegenüber dem Bahnhof Leutzsch, versteckt zwischen Obstbäumen, am Rand des Auwaldes. Einst muss sie prächtig anzusehen gewesen sein: An das große Haupthaus aus Fachwerk, grenzt ein Tanzsaal mit Orchestermuschel an, der einen an beschwingte Salonmusik und Zwanziger-Jahre-Bubikopf denken lässt.

Von Cäcilia Schallwig

Leben nach Leutzsch
Neues Leben in die Gemächer der Villa bringt momentan die zukünftige Betreiberin Marion Salzmann, die aus dem denkmalgeschützten Gebäude einen besonderen Ort für kreative Köpfe machen möchte: Künstlerhotel und Pension Villa Hasenholz.
Der kommende Hotelbetrieb richtet sich in erster Linie an Künstler aus den Bereichen Musik, Literatur, Bildende Kunst, Bühnentanz und Film. Die Idee ist: Zum einen können die Bewohner durch das Miteinander ihre Fachbereiche verknüpfen, zum anderen kann der Stadtteil Leutzsch durch die Arbeiten neu belebt werden. Wer gerne Teil des bunten Geschehens im Haus sein möchte, kann sich auch als „Normalo“ in das Hotel einmieten. „Voraussetzung dafür ist, dass die Künstler vor Ort und ihre Arbeit respektiert werden“, so Marion Salzmann.

Noch im Rohbau
Geplante Eröffnung des Künstlerhotels ist im Sommer 2010. Bis dahin gibt es viel zu tun, denn die Villa befindet sich noch im Rohbau: Aus den sechs alten Wohnungen des Hauses werden zehn Zimmer mit Badezimmer entstehen. Zwei davon teilen sich Bad und Küche und sind für längerfristige Gäste vorgesehen. Der große Tanzsaal im Erdgeschoss wird in seinen ursprünglichen Zustand mit Holzfußboden, Stuckdecken und Bemalungen zurückversetzt. Marion Salzmann möchte dort Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Performances und Filmvorführungen stattfinden zu lassen, in die sich auch die Künstler der Villa einbringen können.

Vorbild: Ostwerk in Hamburg
Noch aber stapeln sich im alten Tanzsaal bis an die Decke verschiedene Möbel, mal kunstvoll antik, mal mit nostalgischem DDR-Schick. Sie werden Teil der Zimmereinrichtung. Die Gestaltung nimmt Marion Salzmann, Kostümbildnerin, Set Designerin und Stylistin, selbst in die Hand. Mit den alten Möbeln und fantasievollen Tapeten möchte sie die Räume individuell gestalten. „Eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, die dem ursprünglichen Charme des Hauses gerecht wird, ist mir wichtig“, sagt Marion Salzmann, die bereits von 1999 bis 2008 in Hamburg ein Haus am Stadtrand bewohnte, in dem verschiedene Künstler und Filmschaffende lebten: das Ostwerk Hamburg.

Zimmer für arme Poeten
Neben dem Hotel ist auch Gastronomie in den Räumlichkeiten vorgesehen, die als Treffpunkt zum kreativen Austausch genutzt werden kann, aber auch allen anderen offen stehen wird. Schön ist das weitläufige Freigelände rund um die Villa, das Platz für Open-Air-Veranstaltungen bietet. Eine Nacht in der Villa Hasenholz wird zwischen 30 und 45 Euro kosten. Nettes Plus: Für zwei Euro zusätzlich kann man einen Solidaritätsbeitrag für mittellose Künstler leisten: Damit wird ein Zimmer finanziert, das sich auch der „Arme Poet“ des Malers Carl Spitzweg hätte leisten können – es wird auf Anfrage kostenlos sein.

Veröffentlicht unter: 9. Ausgabe, 26.02.2010, Cäcilia Schallwig, Geschichten · Etiketten: , , , , , , , , , , , , , , , ,

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