Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl

Spießer im Trend
20 Fragen zum „Sinn des Lebens“ stellt das sächsische Sozialministerium über ein Marktforschungsunternehmen alle zwei Jahre an die Jugend im Freistaat. Die weitaus meisten damit erhobenen Einstellungen sind über die Jahre gleich geblieben. Doch bei drei Themen zeigt sich ein Trend: Existenzangst macht die Jugendlichen offenbar egoistischer und karriereorientierter – Sachsens Jugend verspießert. So wünschten sich in der vergangene Woche veröffentlichten jüngsten Studie „Jugend 2009“ zwei Drittel der Befragten (2001: die Hälfte) materielle Sicherheit, noch jeder zweite wollte die Welt kennen lernen (2001: zwei von drei Jugendlichen) und jede fünfte sich für ein hehres Ziel einsetzen (2001: jede dritte Jugendliche). Sozialministerin Christine Clauß (CDU) freut sich: Die Jugendlichen setzten sich aktiver mit der Zukunft auseinander und zeigten eine „von selbstbewussten Lebensentwürfen getragene Grundeinstellung“, schreibt sie im Vorwort. Allerdings zeige sich auch eine Zunahme von „Zukunftsängsten“, die man „ernst nehmen“ müsse.

Tofuburger im Klohäuschen
Ein Leipziger Wirt saniert den alten Pavillon am Südplatz, Ecke Karli und Schenkendorffstraße. Das graue Eisengebäude, das in den vergangenen Jahren vor allem als wilde Plakatierfläche auffiel, war ursprünglich ein Toilettenhäuschen. Jetzt soll, nach demkmalgerechtem Umbau, eine Würstchenbude daraus werden – die Eröffnung ist für das erste Oktoberwochenende geplant. Der neue Eigentümer und künftige Betreiber, Multi-Gastronom Rocco Fischer („Semmelei“, „La Boum“, „Zum Kakadu“), verspricht frische Burger, auch vegetarisch, und belgische Fritten.

Freie Schulen in Not
Der Freistaat plant Kürzungen für die freien Schulen im Land – die sehen ihre Existenz bedroht. Mehr als eine habe Million würde allein für das evangelische Schulzentrum in Leipzig fehlen, wie die Schule vorrechnet. Dabei wäre eine Schulgelderhöhung als Ausgleich weder politisch gewollt, noch passe sie ins Konzept der Schule. Dagegen verteidigt Kultusminister Roland Wöller (CDU) sein Sparkonzept: Er sieht freie Schulen oft dort entstehen, wo der Staat vorher eine Schule geschlossen hat – und fragt sich, ob nicht schnöder „Standorterhalt“ statt neuer pädagogischer Konzepte hinter der Schulgründung steht. Wöller verweist darauf, dass die freien Schulen heute zehnmal so viele Schüler hätten wie 1993, und fordert: „Die Balance zum staatlichen Schulsystem muss wieder hergestellt werden.“

Bimmel in die Werkstatt
Für die Stadt steht fest, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nicht ohne ein technisches Zentrum in Heiterblick auskommen können – vor allem, um neue Niederflurbahnen wie den „LeoLiner“ an einem zentralen Ort bauen und warten zu können. Der Freistaat hatte zugesagte Fördermittel für einen Werkstattneubau gesperrt – sie passten nicht mehr in den Sparhaushalt. Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) galt schon zu seiner Zeit im Leipziger Stadtrat als Gegner des Projekts.

Veröffentlicht unter: 24. Ausgabe, 24.09.2010, Johannes Kiehl

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