Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl und Dorothea Hecht

Rechte sehen schwarz
Rechtsextremisten haben für den 16. Oktober zwei Demonstrationen in Leipzig angemeldet – Wunschrouten sind nach Presseberichten der gesamte Innenstadtring und die lange Strecke zwischen S-Bahnhof Plagwitz und Hauptbahnhof. Für beide Strecken steht allerdings bisher noch die städtische Genehmigung aus. Die Organisatoren wollen dieses Jahr mit Hinweisen auf die Wirtschaftskrise, die alternde Gesellschaft und die geplatzte Demo vom Vorjahr mobilisieren: „Die Krise kommt auch noch zu dir“, orakelt einer der Demo-Slogans. Zum düsteren Gesamtbild passt die Kleiderordnung: Symbole und Jacken sollen bei den rechten Demonstranten diesmal „nicht nach Antifa“ aussehen und einheitlich schwarz sein. Eine erste Gegenveranstaltung wurde für die Freifläche gegenüber des Felsenkellers durch die Vereine „Leipzig. Courage zeigen“ und Erich-Zeigner-Haus angemeldet.

Städte machen Strom
Acht große deutsche Stadtwerke sind tatsächlich noch städtisch, also mehrheitlich im Besitz der jeweiligen Kommune. Diese acht regionalen Versorger, darunter die Stadtwerke Leipzig, betreiben seit 2009 ein Gemeinschaftsunternehmen, das sich als Finanzier und Planer an großen Wind- und Biomassekraftwerken beteiligt, die „8KU Renewables GmbH“. Wo andere Finanzierer in den Krisenjahren nach 2007 von großen Kraftwerksprojekten absprangen, da sah der Stadtwerkeverbund die Chance, sich billig mit erneuerbarer eigener Kraftwerksleistung einzudecken. Doch mit Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke kommt das Kalkül der Stadtwerker ins Wanken: Billiger Atomstrom aus Altkraftwerken bei sinkender staatlicher Förderung für erneuerbare Energie – diese Mischung, so fürchten sie, wäre Gift für ihre eigenen neu errichteten Anlagen. Damit würde sich eine bestehende Schieflage verstärken: Schon heute produzieren die acht Stadtwerke nur jede zwanzigste Kilowattstunde Strom, obwohl sie jeden zehnten Stromkunden betreuen. „Wir haben die Sorge, dass sich durch eine Laufzeitverlängerung das Oligopol der Stromriesen verstärkt“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU).

Die Bahn kommt durch den Citytunnel
Die deutsche Bahn hat sich durchgesetzt: Ab 2013 darf sie Fahrten durch den Leipziger Citytunnel anbieten – vorausgesetzt der ist bis dahin fertig. Der Mitbewerber um den Tunneltrip, die Mitteldeutsche Regiobahn, hatte das Nachsehen. Das Tochterunternehmen der Veolia Verkehr ist seit gut einem Jahr am S-Bahn-Betrieb rund um Leipzig beteiligt und hatte sich auch beim Citytunnel-Fahrplan Hoffnungen gemacht. Laut Regiobahn sind die Arbeitsplätze bis 2013 sicher, darüber hinaus hoffe man, dass der Konkurrent einen Großteil der Mitarbeiter übernehme. Die Deutsche Bahn hat für den Betrieb unter Tage eigens ein tarifungebundenes Tochterunternehmen gegründet. Der Vertrag soll 12 Jahre laufen, die Summe beträgt etwa 1,5 Milliarden Euro.

Veröffentlicht unter: 23. Ausgabe, 10.09.2010, Dorothea Hecht, Johannes Kiehl · Etiketten: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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