Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl

Rettende Sprachlosigkeit
Die Staatsanwaltschaft hat im Fall des im Januar entlassenen Wasserwerke-Geschäftsführers offentlichtlich keine Lust, den Hauptverdächtigen wieder freizulassen – und deshalb noch innerhalb der Sechs-Monatsfrist nach seiner Verhaftung Anklage erhoben. Dem Ex-Manager, der die Annahme von mehreren Millionen Schmiergeld bereits zugegeben hat, wird Bestechlichkeit, Untreue, Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Das Verfahren gegen seinen ebenfalls entlassenen Mitgeschäftsführer Andreas Schirmer wird abgetrennt: Schirmer konnte glaubhaft machen, wegen mangelhafter Englischkenntnisse nicht alle Verträge verstanden zu haben, die er im Namen seines Arbeitgebers unterschrieb.

Gefühlte Unsicherheit
Gewaltsame Episoden – Belästigungen oder handfetse Gewalt – in Trambahnen und Bussen sollen nach Angaben der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) im laufenden Jahr gegenüber 2009 zugenommen haben. 2009 wurden rund 80 Pöbeleien oder Belästigungen registriert. Schon fordern besorgte Bürger, allen voran die hiesige große Lokalzeitung, private Sicherheitskräfte: Mifahrende „schwarze Sheriffs“ sollen die Störer abschrecken oder zur Ordnung rufen. Dabei sind die Leipziger Zahlen im deutschlandweiten Vergleich eher normal: 400 Fälle haben etwa die Münchner Verkehrsbetriebe im Vorjahr registriert – auf das Leipziger Fahrgastaufkommen heruntergerechnet war tramfahren hier sicherer. Fraglich ist dabei auch, wie effektiv mitfahrende „Sheriffs“ sind: Die zur Schau gestellte Gewalt der privaten Sicherheitsfirmen macht potenzielle Gewalttäter nicht unbedingt friedlicher, warnen Experten.

Grassierende Spielsucht
Wenig Überraschungen bietet der vergangene Woche veröffentlichte Suchtbericht, in dem die Stadt wie jedes Jahr die Kontakte mit Junkies aller Couleur auswertet. Im Fünfjahresvergleich ist sowohl die Zahl der Süchtigen, die in Beratungsstellen oder Fixerstuben vorsprachen, bemerkenswert konstant geblieben (2009: 3571, 2005: 4091). Auch die Verteilung auf verschiedene Suchtmittel (Alkohol, Opiate, Cannabis, Aufputschmittel) ist mehr oder weniger gleich geblieben – jedesmal mit einem Alkoholanteil um die 60 Prozent. Nur eine Diagnose wächst von Jahr zu Jahr – die Spielsucht. Sie wird mittlerweile für jeden 40. Suchtfall verantwortlich gemacht – im Jahr 2005 war es noch jeder 70.

Zweifelhafte Wasserqualität
Unabhängig voneinander kamen gleich zwei Fälle von mangelnder Qualität Leipziger Wässer vergangener Tage an die Öffentlichkeit. Das Grundwasser der Alfred-Kästner-Straße sei mit krebserregenden Chemikalien verschmutzt. Das Umweltamt stellte fest, der Grund dafür sei die versickerte Chemikalie einer Reinigung, die zu DDR-Zeiten dort ihren Sitz hatte. Für die Anwohner besteht keine Gefahr: Das Leitungswasser stammt aus Probstheida. Auch im Ökobad Lindenthal schritt das Umweltamt ein: Dort sei die Qualität des Wassers, welches nur mit biologischen Filtern gereinigt wird, zu beanstanden. Noch ist unklar, wann das Bad wieder öffnet.

Veröffentlicht unter: 22. Ausgabe, 27.08.2010, Johannes Kiehl

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Technik zum Anfassen und Ausprobieren: In der „GaraGe“ können Jugendliche ihre handwerklichen Fertigkeiten austesten. Weiter hat einigen beim Experimentieren zugeschaut. ...