Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl und Dirk Stascheit

Raus ins Reihenhaus
Wenn Leipziger umziehen, präferieren sie die Peripherie: Grüne Neubausiedlung statt grauem Asphaltdschungel. Daran ändern auch attraktive Innenstadtquartiere und neue Wohnformen wie die „Stadthäuser“ wenig: Zu den Wanderungsgewinnern 2009 zählen vor allem die Neubaugebiete im Nordwesten (Wahren, Lindenthal) und im Südosten (Engelsdorf, Baalsdorf). Wanderungsverlierer bleiben Stadtviertel wie Altlindenau, Reudnitz oder Mockau. Das sind Ergebnisse des statistischen Quartalsberichts, den die Stadt Leipzig im Juli vorgelegt hat. Die städtischen Statisker fanden aber noch einen weiteren, gegensätzlichen Trend: Wer umzieht, bleibt meist seinem Kiez treu – nur knapp zwei Kilometer liegen im Durchschnitt zwischen alter und neuer Adresse.

Graffitis werden schlichter
2009 wurden 1395 Graffitis in Leipzig ermittelt – rund ein Fünftel weniger als noch 2008 (1852). Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) sieht darin einen Beweis dafür, dass die Stadt alles richtig macht: Ihre Graffiti-Strategie zielt vor allem auf die schnelle Beseitigung der Werke. Hierfür leistet sich das Ordnungsamt eine eigene „schnelle Eingreiftruppe Graffiti“. Doch die Zahlen aus dem Ordnungsamt legen einen weiteren Schluss nahe: Die Maßnahmen entmutigen vor allem solche Sprayer, die aufwändige Großformate malen – weniger beeindruckt zeigen sich offenbar Tagger und Sprühdosen-Propagandisten: 2009 „überwogen Schmierereien in Form von Meinungsäußerungen und fragwürdiger Symbolik“, heißt es in dem Bericht.

Lustiges Leipzig
Als „Kabarett-, Revue- und Varieté“-Stadt vermarktet sich Leipzig neuerdings über seine Tourismusagentur LTM – schließlich habe die Stadt die „höchste Kabarett-Pro-Kopf-Dichte“ aller deutschen Großstädte, wie die Touristiker herausgefunden haben. Ein neuer Prospekt verzeichnet auf einem Stadtplan alle einschlägigen Etablissements – und widmet dem Revuetheater „Krystallpalast“ und den Kabaretts „Pfeffermühle“ und „Sanftwut“ (Lob der Touristiker: „Das Kabarett mit Lachgarantie“) jeweils ein längeres Porträt (http://bit.ly/9VAJCU).

Rabauken mit Messern
Schon vor 3,4 Millionen Jahren benutzten Frühmenschen messerähnliche Werkzeuge aus Stein – eine runde Million Jahre früher als bisher angenommen. Das fand eine Forschergruppe aus Leipzig und San Francisco bei der Untersuchung von Knochenfunden aus Äthiopien heraus (http://bit.ly/bsjPQu). Für die Paläoanthropologen markiert der Fund den möglichen Zeitpunkt, zu dem unsere Vorfahren erstmals den Sinn der Werkzeugherstellung erfassten – und damit den Grundstein für „hochentwickelte Technologien wie Flugzeug, Magnetresonanztomographie und iPhone“ legten, wie die Wissenschaftler anmerken.

Veröffentlicht unter: 21. Ausgabe, 13.08.2010, Dirk Stascheit, Johannes Kiehl

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